Lieblingsbuch Brutales und realistisches Bild des Mittelalters

Von Waltraud Daniela Engel 

Susanne Trumpp vom Bürgerverein Dachswald liest gerne Bücher über Frauenschicksale. In ihrem Lieblingsbuch – eigentlich einer ganzen Serie – geht es um das Leben einer „Wanderhure“.

Susanne Trumpp mag historische Romane, die Fiktion und Wirklichkeit geschickt miteinander vermischen. Foto: Waltraud Daniela Engel
Susanne Trumpp mag historische Romane, die Fiktion und Wirklichkeit geschickt miteinander vermischen. Foto: Waltraud Daniela Engel

Stuttgart-Vaihingen - Mich fesseln vor allem Einzelschicksale, die man über eine längere Zeit verfolgt und regelrecht mitleben kann“, sagt Susanne Trumpp. Sie ist Vorstandsmitglied des Bürgervereins Dachswald. In ihrem Lieblingsbuch – eigentlich einer ganzen Serie – geht es deshalb auch um das Schicksal einer jungen Frau. Iny Lorentz’ „Die Wanderhure“ handelt von dem Mädchen Marie, dass vergewaltigt und verstoßen wird. „Im Straßengraben liegend wird sie von einer Gruppe Wanderhuren aufgegriffen und aufgepäppelt. Und so schlittert sie selbst in das Leben einer Wanderhure im Mittelalter hinein“, sagt Trumpp.

In den fünf Bänden des Autorenpaares Iny und Elmar Lorentz, die unter dem gemeinsamen Namen zahlreiche Bücher veröffentlicht haben, wird Trumpps Ansicht nach ein realistisches und zum Teil auch brutales Bild des Mittelalters gezeichnet. „Die Frauengruppe wird immer wieder überfallen und vergewaltigt. In der Verzweiflung greifen sie sogar die Männer an und töten sie“, sagt Trumpp. Bücher, die sie liest, dürfen gerne historisch sein.

„Ich muss mitleben können, auch wenn es harte Schicksale sind“

Deshalb hat sie von Iny Lorentz auch schon andere Bücher gelesen: „Sie schreiben oft über Frauenschicksale. Und das ist sehr fesselnd.“ Trotz ihrer beiden Kindern nimmt sie sich jeden Abend die Zeit, wenigstens ein paar Seiten zu lesen. Richtig festbeißen kann sie sich auch. „Dann ist so ein Buch auch schnell durch“, sagt Trumpp lachend. Als Kind war sie nicht wirklich eine begeisterte Leserin. Erst in der elften Klasse legte ein junger und motivierter Deutschlehrer ihr nahe, mehr zu lesen, auch um ihren eigenen Schreibstil zu verbessern.

Seitdem haben es ihr Frauenschicksale angetan, zu denen sie neben der Wanderhure auch „Die Zuckerbäckerin“ oder „Die Salzbaronin“ von Petra Durst-Benning zählt. „Ich muss mitleben können, auch wenn es harte Schicksale sind. Wenn ich mit einem Buch fertig bin und nichts mehr von der Frau lese, deren Leben ich über Wochen begleitet habe, fehlt mir etwas“, sagt Trumpp.

Wenn sie Zeit hat, schaut sie auch die Verfilmungen ihrer Lieblingsbücher an. Im Gegensatz zu vielen anderen seien die Wanderhuren-Filme nicht weich gezeichnet. „Die Folgen, die ich bisher gesehen habe, waren wirklich gelungen, an manchen Stellen tatsächlich so grausam wie es im Mittelalter für Wanderhuren gewesen sein könnte“, sagt Trumpp.

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