Lieblingsstück von Rainer Wehr: Die TV-Sabotage

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Mit der Fernbedienung als Kunstobjekt zeigt Rainer Wehr die Anfälligkeit der Technik. Dabei stammt das Stück von einem der als erster Kunst und Videotechnik verband.

Etwas  Ölfarbe und nichts  geht mehr. Rainer Wehr mit dem Kunstobjekt. Foto: Lg/Kovalenko
Etwas Ölfarbe und nichts geht mehr. Rainer Wehr mit dem Kunstobjekt. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Wer die Fernbedienung für das Fernsehgerät in der Hand hält, sitzt am Drücker, normalerweise. Der Videokünstler Nam June Paik hat die Allmachtsfantasien, die eine Fernbedienung auslösen kann, persifliert und aus insgesamt 100 verschiedenen Fabrikaten Kunstobjekte geschaffen. Bei Rainer Wehr, dem Maler, Kunstsammler und ehemaligen Galeristen – „Rainer Wehr ist jetzt Pensionär“- sagt er lachend, liegt die wertvolle Kleinskulptur tatsächlich in der Nähe des Fernsehers, allerdings in einer Vitrine.

Direkt aus der Tube strich Paik die Ölfarbe auf das Kunststoffgehäuse, und zwar in den Farben des TV-Testbildes, das es damals nach Sendeschluss gab. Und sicher ist es kein Zufall, dass die Objekte 1997 entstanden sind, just in dem Jahr, in dem der Hessische Rundfunk – als letzter – sein Testbild abgeschaltet hat.

Der Nabel der Welt

„Ich kannte Paik noch persönlich. Er war wahnsinnig witzig“, erzählt Wehr. Als er selbst Student an der Kunstakademie in Düsseldorf war, hatte der Videokünstler dort eine Professur. „Ich war öfters bei seinen Performances“ – und die müssen recht wild gewesen sein: Da rekelte sich eine nackte Studentin auf dem Flügel, auf dem der Professor klimperte oder er zertrümmerte Musikinstrumente. „Wir waren in Düsseldorf damals der Nabel der Welt“, schwärmt Wehr, denn neben Paik lehrten in den 1970er Jahren dort etliche große Künstler, darunter Beuys und Richter. Die Kleinskulptur erinnert an diese Zeiten „und sie zeigt wie sich mit Mitteln der Kunst die Technik außer Kraft setzen lässt“, schmunzelt der Besitzer.

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