Liederabend mit Matthias Klink und Simone Schneider Vom Ernsten zum Seichten

Matthias Klink Foto: Martin Sigmund
Matthias Klink Foto: Martin Sigmund

Normalerweise sind die Stuttgarter Ensemblemitglieder Matthias Klink (Tenor) und Simone Schneider (Sopran) in der Oper Stuttgart mit ernstem Repertoire zu hören. Nun haben sie einen Liederabend mit Arien der Operettenkomponisten Lehár und Kalmán gestaltet.

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Stuttgart -

Expressionistische Zuspitzung und Melodienseligkeit der silbernen Operette – was wie ein extremer Kontrast klingt, führte kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein friedliches Miteinander. Der Tenor Matthias Klink und seine Soprankollegin Simone Schneider, beide Mitglied des hiesigen Opernensembles, haben im sechsten Liedkonzert der Staatsoper dieses Spannungsfeld erkundet. In der ersten Konzerthälfte im mäßig besuchten Schauspielhaus standen frühe Liedvertonungen Alban Bergs im Vordergrund. Der charakteristisch herbe Tonfall ist in „Am Abend“ ebenso zu hören wie die expressionistischen Ausbrüche, die kurzen, aber heftigen Aufschwünge in hohe Lage samt dynamischer Steigerung. Matthias Klink gestaltet das mit kontrolliertem Gestus, hat manchmal Schwierigkeiten mit den tief ansetzenden Phrasen, überzeugt aber mit seiner Textbehandlung und der breiten Ausdruckspalette. Simone Schneider beginnt mit Bergs „Nachtigall“ und „Sommertage“ etwas zurückhaltend, entwickelt aber mit Franz Lehárs koketter „Näherin“ einen sinnlichen Tonfall, der sich in der zweiten Konzerthälfte zu üppigem Strahlen steigert.

Von den Klavierliedern Kálmáns und Lehárs schreiten die beiden sympathischen Sänger zu schmachtenden Operettenmelodien mit Ohrwurmcharakter weiter. Selbst wenn man die süffigen Passagen von „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ oder „Komm Zigány“ ernst nimmt und so differenziert gestaltet wie Klink und Schneider im Verbund mit ihrem Klavierbegleiter Frédéric Sommer das tun, bleibt doch der Eindruck des Seichten, gerade wenn Sopran und Tenor in den Duett-Refrains von Kálmáns „Komm mit nach Varasdin“ und Millöckers „Es lockt die Nacht“ im Unisono schwelgen.

Musikalisch interessanter sind da die selten zu hörenden Lieder der nachmaligen Operettenkomponisten, das impressionistisch schillernde „Örök mámor“ Kálmáns etwa oder das melancholische „Am Herbstabend“. Passend dazu interpretiert Frédéric Sommer Alban Bergs Klavierstück Nr. 10 und zwei Fantasien von Alexander von Zemlinsky und zeigt damit, wie vielfältig und ausdrucksstark die Musik in dieser Epoche war.




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