Anzeige Liederhalle in Stuttgart Dirk Maassen: Vom Software-Entwickler zum Klassik-Chartstürmer

Von Gabi Metsker 

Über eine Millionen Musik-Streams im Monat: Dirk Maassen, eigentlich gelernter Software-Entwickler, schaffte es quasi über Nacht mit seinem ersten Klavierstück auf Platz Eins der Klassik-Charts auf SoundCloud. Mittlerweile ist der Pianist auch live zu hören und spielt seine eigene Deutschland-Tour – am 1. Februar in der Stuttgarter Liederhalle.

Dirk Maassen zählt zu den erfolgreichsten deutschen Komponisten der Neoklassik. Und zu einem der weltweit meist gestreamten deutschen Pianisten. Am 1. Februar ist er live in der Liederhalle Stuttgart zu hören.  Foto: Markus Werner
Dirk Maassen zählt zu den erfolgreichsten deutschen Komponisten der Neoklassik. Und zu einem der weltweit meist gestreamten deutschen Pianisten. Am 1. Februar ist er live in der Liederhalle Stuttgart zu hören. Foto: Markus Werner

Was Musik für ihn bedeutet, hat Dirk Maassen schon als Kind entdeckt – in einer Kirche. Tief in seinem Innersten berührten ihn damals die Orgelklänge, ergriffen ihn. „Die Musik hat mich von innen aufgewühlt“, beschreibt er dieses Erlebnis. „Es ist wunderbar, wie sie einen innerlich erreicht.“ Zweierlei hatte diese erste Begegnung des neunjährigen Dirk mit der Klangfülle der Kirchenorgel zur Folge: Der Neunjährige bat seine Eltern darum, Musikunterricht bekommen zu dürfen.

Und die Musik, die er heute, viele Jahre später, anderen Menschen schenkt, berührt diese offenbar auf ebenso eindrückliche Weise wie es ihm selbst widerfahren ist. Im Internet hat Dirk Massen inzwischen Millionen Follower. Und seit Kurzem kann ihn das Publikum auch live erleben. Zum Beispiel am 1. Februar in der Liederhalle.

Aber ganz so einfach war der Weg von diesem denkwürdigen Tag an zum Vertragskünstler bei Sony Classical dann auch wieder nicht. Die Liebe zur Musik hat Dirk Maassen jedoch dabei immer begleitet. Schon in den Jahren, als er beim Küster Unterricht im Orgel- und Klavierspiel bekam. So viel Talent hatte der Junge, dass der Küster ihn gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte. Doch der junge Dirk hatte andere Pläne. Der 14-Jährige war von den damals gerade aufkommenden Synthesizern und den damit verbundenen Klangwelten fasziniert.

Von der Software-Branche zur Klaviermusik

Um sich ein eigenes Instrument kaufen zu können, trug er Zeitungen aus und verkaufte, wie er lachend erzählt, „alles, was nicht niet- und nagelfest war“. In den darauffolgenden Jahren machte er bei etlichen Bandprojekten mit. „Wir hatten gute Auftritte Ende der 1980er Jahre mit Synthie-Pop.“ In den 1990er Jahren kamen bis zu 500 Leute zu ihren selbst organisierten Auftritten. Sie waren auf Festivals, produzierten CDs. Der ganz große Erfolg, räumt Maassen ein, blieb allerdings aus.

Weil er weiterhin der Musik verhaftet bleiben wollte, entschied er sich nach der Schulzeit, Toningenieur zu werden. „Und da bin ich auf die ,schiefe Bahn‘ geraten“, verrät er schmunzelnd. Er fing Feuer für die Informatik, die er ebenfalls als sehr kreativ empfand und ihn begeisterte. Seither arbeitet er in der Software Branche und machte nur ein paar kleinere Techno-Projekte nebenbei. Die Klaviermusik begleitete ihn dennoch stetig. „Ich habe immer sehr viel für mich gespielt“, sagt Dirk Maassen. „Das war für mich wie eine Art Tagebuchschreiben. Ich setze mich ans Klavier, kann losspielen und Gedanken und Emotionen fließen lassen.“ Ambitionen, diese musikalischen Momente öffentlich aufzuführen, hatte er nie. „Das ist eine intime Sache“, findet er. Immer wieder hörten ihn jedoch Freunde und Bekannte spielen und ermunterten ihn, dieses musikalische Tagebuch doch irgendwo einmal zu präsentieren.

„Ich bin 45 Jahre und Elektro-Ingenieur. Ich setze mich doch nicht auf eine Bühne!“

Als IT-ler war es für den gebürtigen Rheinländer am natürlichsten, als ersten Weg den virtuellen zu wählen. Der führte ihn zu einer Plattform, einer Sound-Cloud, wo sich Tonkünstler über Musik austauschen. Sein erstes Klavierstück nahm er im heimischen Wohnzimmer auf und lud es hoch. Später, so erinnert er sich, sei er mit seiner Tochter rodeln gewesen und habe irgendwann nebenbei auf sein Handy geschaut, wo jede Menge Mails eingegangen waren.

Ein Fehler? Er rodelte weiter und schaute später Zuhause nochmals mit Ruhe nach. Eine Menge positiver Nutzerkommentare konnte er da lesen. „Das ist das Schönste, was ich bisher gehört habe“ oder „ich hatte gleichzeitig ein Lächeln im Gesicht und Tränen in den Augen.“ Innerhalb kürzester Zeit rutschte er auf Platz eins der Klassikcharts der Seite und hatte 10.000 Follower.

Maassen arbeitete danach am Equipment und erhielt schon bald Anfragen aus allen Winkeln der Welt, ob denn nicht auch im Konzert zu hören sei? Seine erste Reaktion: „Ich bin 45 Jahre und Elektro-Ingenieur. Ich setze mich doch nicht auf eine Bühne!“ Er habe sich das einfach nicht zugetraut, gibt er zu. Nach und nach freundete er sich dann aber doch mit der Idee an und lud über Facebook zunächst im privaten Rahmen in seinen Proberaum ein.

Sony Classical bot ihm einen Vertrag an

Die ersten sieben durften kommen. „Nach den ersten sieben Zusagen habe ich aber kalte Füße bekommen und dann schnell das Event für ausverkauft erklärt“, sagt er und lacht. „Es war dann ein toller Abend“, fasst er rückblickend zusammen. Nicht nur, weil er nun wusste, dass er auch vor Publikum spielen kann. Auch die Gespräche im Anschluss ans Konzert bedeuteten ihm etwas. Bis heute, so verrät er, begrüßt er bei Konzerten jeden Besucher mit Handschlag. „Ich will begreifen, was da passiert. Das sind echte Menschen!“ Bunt gemischt ist sein Publikum „der komplette Bevölkerungsdurchschnitt“.

2017 gab er das erste öffentliche Konzert in „seiner“ Kirche vor 100 Zuhörern. Schnell war es ausverkauft, wie auch all die anderen, die schon bald in Köln, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Holland und London folgten. Nach dem Berliner Konzert kam Sony Classical und bot ihm einen Vertrag an. „Ich habe lange überlegt“, sagt der in Ulm lebende Künstler. „Schließlich arbeite er 40 Stunden pro Woche als Software-Entwickler. Das möchte ich beibehalten, weil es mir Spaß macht. Das ist für mich die Grundlage, dass ich mich künstlerisch entfalten kann. So bin ich nicht dazu gezwungen, Erfolg zu haben.“

Ganz wichtig ist es für ihn, authentisch – echt – zu bleiben. „Gerade in dieser schnelllebigen Zeit braucht man einen Kontrapunkt“, ist seine Überzeugung. Ich bringe den Menschen einen Moment, zu sich zu finden und in sich hineinzuhören – zu entschleunigen.“ Am 1. Februar gibt nun in Stuttgart dazu erstmals die Gelegenheit.

Info: Dirk Maassen: Ocean Solo Piano-Tour, Samstag, 1. Februar, 20 Uhr, Liederhalle Stuttgart, Tickets unter 0711 / 524300 und auf dieser Webseite