Liederhalle Stuttgart Großes Konzert von Chilly Gonzales

Chilly Gonzales Foto: Alexandre ISARD

Von Tina Turner, Paukenschlägen und totaler musikalischer Hingabe: Chilly Gonzales hat sich am Samstagabend in der Liederhalle die Ehre gegeben.

So werden wir doch gerne genannt hier im Kessel, vor allem wenn uns Chilly Gonzales diese Ehre mit charmantem französischem Akzent erweist: „Stutti Frutti“. So geschehen am Samstagabend bei seinem furiosen Konzert in der Liederhalle. Ausverkauft und 2000 Gäste lauschen gebannt dem virtuosen Klavierspiel des gebürtigen Kanadiers, der mit seiner Band „ofenfrisch“, wie er es nennt, ein paar neue Stücke mitgebracht hat und der das Jazzpiano spielt, als wäre es eine Verlängerung seines neuronalen Systems.

 

Kein Konzert, ein Happening

Gonzo erregt derzeit mit seinem Song „Fuck Wagner“ Aufsehen, in dem er dem Komponisten und dessen antisemitischen Schriften einen ordentlichen Denkzettel verpasst. Cancel-Culture sei das nicht, wie er betont. Das Werk sei aber vom Künstler zu trennen, so die Forderung des Wahlkölners mit jüdischer Herkunft. „King Kong, Ding Dong, this song is a diss song“ heißt es an einer Textstelle. Wagner sei grandios, aber mit seiner antisemitischen Haltung auch ein Monster, wie er sagt. In einer aktuell laufenden Petition fordert Gonzales, die Kölner Richard-Wagner-Straße in Tina-Turner-Straße umzubenennen, das sei gerecht und zeitgemäß, lebte die Pop-Ikone doch auch mehrere Jahre in der Stadt. Das Stück ergibt sich aus Sprechgesang und eindringlichen Paukenschlägen.

Gonzales, bürgerlich Jason Beck, schafft ein Klangerlebnis aus Klavierspiel, Popkonzert und exzentrischer Bühnenshow. Ein großartiges Happening für alle Anwesenden, die dem virtuosen Künstler, der in Edelbademantel und Pantoffeln auf die Bühne tritt, für zwei Stunden gebannt lauschen. Kunstnebel im Raum, dann der Fokus allein auf den Künstler und ein Abtauchen in „Solo Piano“, eine Auswahl aus den drei Erfolgsalben. Wiederholend das Thema von „Gogol“. Sanfte leise Töne werden ergänzt von forttreibendem, temporeichem Rhythmus.

Er bleibt progressiv

Die vierköpfige Band wartet auf mit Cello, Violine, Kontrabass und Drums, und alles erscheint perfekt, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Ein wenig Funk und eine Prise House runden die Darbietung ab. Dann lässt uns Gonzales noch mit einem Augenzwinkern an einem „Neo classical Massacre“ teilhaben, wie auch an einer A-cappella-Version des Tina-Turner-Hits „We Don’t Need Another Hero“. War damals alles besser? Die Zeiten ändern sich, und Chilly Gonzales bleibt progressiv. Das Bad in der Menge ist obligatorisch, wie auch der frenetische Applaus für einen großen Ausnahmekünstler.

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