Liederhalle Stuttgart Kammerorchester Stuttgart kitzelt Ohren wach

Von Gabriele Metsker 

Susanne von Gutzeit ist die Konzertmeisterin des Stuttgarter Kammerorchesters. Für das Konzert „Souvenir de Florence“ am 13. April hat sie das Programm zusammengestellt.

Susanne von Gutzeit ist die Konzertmeisterin des Stuttgarter Kammerorchesters. Foto: Wilhelm Betz Fotografie
Susanne von Gutzeit ist die Konzertmeisterin des Stuttgarter Kammerorchesters. Foto: Wilhelm Betz Fotografie

Frau von Gutzeit, warum haben Sie gerade diese Stücke für den Konzertabend ausgewählt?

Bei der Entwicklung von Konzertprogrammen ist es mir ein großes Anliegen, den beliebten „Evergreens“ der Streichorchesterliteratur weniger bekannte Kostbarkeiten gegenüberzustellen. Damit werden die Ohren auf besondere Weise wachgekitzelt und hören dann idealerweise auch Altbekanntes wieder neu. Bevor wir uns im zweiten Konzertteil der stürmischen Romantik in Tschaikowskys „Souvenir“ hingeben, eröffnen wir das Konzert mit den beinahe aphorismenhaften „Visions fugitives“ von Sergei Prokofjew. Diese Kleinode sind ungeheuer verdichtet, teils zauberhaft lyrisch, teils wild motorisch und von einer ganz eigenen Eleganz, die Prokofjews Musik so betörend macht. Vor der Pause erklingt das wohlbekannte, aber im Konzertsaal eher selten zu hörende G-Dur-Violinkonzert von Joseph Haydn, dem wir mit der duftig-zarten Romanze von Johann Peter Salomon eine Rarität gegenüberstellen. Der Geigenvirtuose, Impresario und Haydn-Förderer Salomon komponierte sie vermutlich als Zugabenschmankerl für eines seiner eigenen Konzerte.

Die Werke stammen aus unterschied­lichen musikalischen Epochen. Wirkt sich das auf die Spielweise aus?

Ja, ganz sicher. In der klassischen Musik wird man eher die Leichtigkeit suchen, schwerelose Transparenz, Klarheit in Ton und Struktur. Für die russische Romantik setzt man in der Regel einen „breiteren Pinsel“ an, sucht einen vollen, satten Streicherklang und sehnend-nostalgische Farben. Ich persönlich ziehe, um den „richtigen Ton“ zu finden, geradezu verschiedene Schubladen meiner musikalischen Ausbildung auf.

Worin besteht jeweils die besondere Herausforderung für die Interpreten?

Bei Prokofjew wird uns sicher die Frage beschäftigen: Wie gelingt es uns, die Spritzigkeit von zehn Fingern, die über eine Klaviertastatur tänzeln, auf einen 17-köpfigen Streicherapparat zu übertragen? Bei Haydn hingegen lautet die Aufgabe: Wie lasse ich ein Violinkonzert, das jeder Geigenschüler irgendwann auf dem Pult liegen hatte, auf eine Weise erklingen, die Haydns Humor, Frische und Lebensfreude neu und unmittelbar erleben lassen?

„Souvenir de Florence“: 13. April, 20 Uhr, Liederhalle, Tickets unter 0 18 06 / 700 733