Liederkranz in Stuttgart-Botnang Und die Kuckucke jubilieren

Von Susanne Müller-Baji 

Der Liederkranz holte zum 160-jährigen Bestehen Patrick Bopp und sein Programm „Singen aus voller Kehle“ in den Stadtbezirk.

Patrick Bopp brachte die Gäste in der Liederkranzhalle in Stimmung. Foto: Susanne Müller-Baji
Patrick Bopp brachte die Gäste in der Liederkranzhalle in Stimmung. Foto: Susanne Müller-Baji

Stuttgart-Botnang - Rod Stewart, Cliff Richard, Howard Carpendale und John Denver waren am Sonntag quasi im Geiste vereint: Anlässlich von 160 Jahre Liederkranz kam Patrick Bopp mit „Singen aus voller Kehle und mit ganzer Seele“ in die Botnanger Liederkranzhalle und brachte die Kuckucke zum Jubilieren.

Einfach mal lossingen – das ist leichter als gedacht, wenn Patrick Bopp von der Bühne aus für Stimmung sorgt: Zwar kam der Sänger ohne die Kollegen der A-capella-Formation „Füenf“ nach Botnang, aber dafür mit seinem Format „Singen aus voller Kehle“. Für den veranstaltenden Liederkranz war es ein Höhepunkt im Feierjahr und Arbeit an der Basis gleichermaßen: Wer mit so viel Spaß zum Singen verführt wird, entdeckt vielleicht die Freude am Chorgesang.

„Wer von Ihnen glaubt, nicht singen zu können?“, fragte Bopp also zu Beginn, und es gingen einige Hände in die Höhe: „Dann sind Sie hier genau richtig!“, beschied er, machte zum Einsingen die Gäste mit allerlei Übungen locker und ließ dann „I am sailing“ von Rod Stewart anstimmen. Und siehe: Es klang ergreifend schön.

Bopp war spürbar in seinem Element, haute mal den Schmelz eines Howard Carpendale raus oder bot zweite und dritte Stimmen an, die mit dem Original erfrischend wenig zu tun hatten. Für Freude sorgte auch seine Anweisung zu „Rote Lippen soll man küssen“: „Versuchen Sie mal, das mehr schleimig zu singen!“ Bis schließlich in „Country Road“ von John Denver die Cowboys überschwänglich jodelten, und wer dazu keine Lust hatte, gab gleich das Pferd: Yeehaa!

Es gibt schon Ideen für den 165. Geburtstag

Menschen zum Singen zu motivieren ist für Patrick Bopp alias Bariton „Memphis“ von „Füenf“ praktisch ein Heimspiel: Schon seit Studientagen leitet er den Chor seiner Heimatstadt Steinenbronn: „Mein Vorgänger war davor 30 Jahre im Amt und ich habe damals gesagt, so lange mache ich das nie – jetzt sind es bald 25 Jahre.“ Seit fünf Jahren tourt er überdies mit „Singen aus voller Kehle“.

Auch für den Liederkranz gibt es Grund zum Feiern: 160 Jahre ist es her, dass sich eine Handvoll Botnanger zum Liederkranz zusammentaten. Mit zirka 150 Mitgliedern, drei Kinderchören, einem Jugend- und einem Stammchor sowie dem „Sound of Botnang“ und zwei Theatergruppen ist er eine feste Größe im Stadtbezirk. Mehr dürfen es aber immer werden, weshalb dieses Rudelsingen ein gewitzter Schachzug war und man den runden Geburtstag am 27. September mit einem weiteren „Schnuppersingen“ feiern wird. Motto: „Wir holen alles aus Ihnen raus!“ Keiner müsse befürchten, dass der Verein dem feierlichen Konzert am 18. Oktober sein Pulver verschossen habe: „Wir haben auch schon Ideen für den 165. Geburtstag“, kündigt der Vorsitzende Jürgen Schäfer an. Auch er trug zur ausgelassenen Stimmung in der Liederkranzhalle bei, indem er in seiner Begrüßung aus „Memphis“ „Mephisto“ machte. Als im zweiten Teil des Abends das Wunschkonzert eröffnet war, unter anderem mit den „Capri-Fischern“, wurde ihm trotzdem sein Wunsch erfüllt: die Schwabenhymne „Mir im Süden“, natürlich von „Füenf“. „Mir im Süden, stell’n die hochwertigeren Kraftfahrzeuge her“, heißt es da. Vor allem können wir aber fast alles, sogar singen.

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