InterviewLieferengpässe bei wichtigem Schmerzmittel Weniger Ibuprofen – und was dann?

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Ibuprofen zählt zu den beliebtesten Medikamenten in Deutschland. Doch weil in den USA eine Produktionsstätte von BASF für drei Monate ausfällt, kann es in Apotheken Engpässe geben. Wir sprachen mit einem Arzneimittel-Experten.

Dosierungen ab 400 Milligramm sind rezeptpflichtig. Ibuprofen gilt als Klassiker gegen leichte und mittelschwere Schmerzen aller Art. Insgesamt hat sich der Absatz in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Foto: dpa
Dosierungen ab 400 Milligramm sind rezeptpflichtig. Ibuprofen gilt als Klassiker gegen leichte und mittelschwere Schmerzen aller Art. Insgesamt hat sich der Absatz in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Foto: dpa

Bishop/Berlin/Stuttgart - Ibuprofen, eines der am häufigsten eingesetzten Schmerzmittel, könnte knapp werden. Das Produktionswerk des Chemiekonzerns BASF im US-Bundesstaat Texas stehe wegen eines technischen Defektes seit dem 3. Juni still und werde wohl innerhalb von zwölf Wochen repariert, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch (27. Juni). Ob es zu Engpässen in den Apotheken komme, könne er aber nicht sagen, da unklar sei, wie viel die Pharmazeuten gelagert hätten.

Markt für Ibuprofen wächst

BASF gehört weltweit zu den wenigen Ibuprofen-Herstellern und produziert den Wirkstoff bereits seit mehr als 20 Jahren im texanischen Bishop. Dort sollte die Produktionskapazität bis Anfang 2018 erweitert werden. Wegen der hohen Nachfrage will der Ludwigshafener Konzern an seinem Stammsitz eine zweite Anlage bauen, die 2021 in Betrieb gehen soll.

BASF wäre nach eigenen Angaben dann der weltweit einzige Lieferant mit zwei Ibuprofen-Anlagen. „Der Markt für Ibuprofen wächst seit Jahren kontinuierlich. Deshalb gab es zuletzt immer wieder Lieferengpässe“, sagte der Sprecher.

„Lieferengpässe werden immer häufiger“

Wir befragten Bork Bretthauer, Arzneimittel-Experte beim Verband Pro Generika in Berlin, zu den möglichen Auswirkungen für die Verbraucher.

Herr Bretthauer, gab es schon einmal oder des Öfteren Lieferengpässe bei Ibuprofen oder anderen Generika in Deutschland?
Lieferengpässe sind leider in letzter Zeit immer häufiger geworden. Pro Generika weist seit langem auf diese, die Versorgung gefährdende Entwicklung hin. Die Ursache von Lieferengpässe sind vielfältig. Bislang hat man in Deutschland vor allem versucht, die Informationslage bei aufgetretenen Engpässen zu verbessern beziehungsweise das Engpassmanagement. Das läuft insgesamt gut.
Wie kann man die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen?
Wir meinen, dass man das Problem bei der Wurzel packen muss. Experten stimmen überein, dass bei Generika, die 78 Prozent der gesamten Versorgung in Deutschland sichern, vor allem auch der Kostendruck mitverantwortlich für das Auftreten von Engpässen ist. Denn dieser führt zu einer Marktverengung, so dass weniger Anbieter für die Versorgung zur Verfügung stehen beziehungsweise nur noch wenige Wirkstoffproduzenten zu den geforderten Preisen liefern können.
Warum werden so wichtige Medikamente wie Ibuprofen in so wenigen Fabriken weltweit – sechs im Fall von Ibuprofen – hergestellt?
Wie viele Herstellungsstätten betrieben werden, ist stark von den Gesetzen des Marktes abhängig. Es ist zum Beispiel bekannt, dass die Preise, die deutsche Kliniken für lebenswichtige Krebsgenerika zu zahlen bereit sind, teilweise derart niedrig sind, dass sich daraus keine stärkeren Investitionen in zusätzliche Produktionsstätten finanzieren lassen. Auf diese gefährlichen Symptome weisen wir seit langem hin.
Was würden Lieferengpässe bei Ibuprofen für die Patienten in Deutschland bedeuten?
Ibuprofen wird sowohl in der Selbstmedikamention als auch in der ärztlichen Therapie verwendet. Der Wirkstoff wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Würde kein Ibuprofen-Wirkstoff zur Verfügung stehen, können Patienten in den meisten Fällen nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt und Apotheker auf Alternativen ausweichen.
Gibt es Alternativen zu Ibuprofen, die ebenso wirksam sind?
Ibuprofen gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika – den sogenannten NSAR –, zu der auch Wirkstoffe wie die Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Indometacin gehören. Viele Patienten können bedenkenlos auf einen anderen Wirkstoff der Gruppe wechseln. Ob das im persöhnlichen Fall möglich ist, sollte der Patient mit seinem Arzt oder Apotheker besprechen.