Stuttgarter Pizzabäcker in der Corona-Krise Pizza als Dank für den Einsatz der Ärzte

Von Götz Schultheiss 

Ein Pizzabäcker in Stuttgart-Plieningen spürt die wirtschaftliche Auswirkung der Corona-Krise kaum, ein Kollege in Stuttgart-Vaihingen dagegen schon, den ihm brechen durch die daheimgebliebenen Uni-Angehörigen wichtige Kunden weg.

Der Pizzabäcker Nico Zingariello  spürt die Folgen  der Krise kaum. Foto: Archiv Rudel
Der Pizzabäcker Nico Zingariello spürt die Folgen der Krise kaum. Foto: Archiv Rudel

Plieningen/Vaihingen - Viele Gastronomen, deren Lokale wegen des Kontaktverbots während der Corona-Pandemie geschlossen sind, liefern ihre Speisen aus, um über die Runden zu kommen. Damit bekommen Lieferservices, die es schon vor der Krise gab, plötzlich Konkurrenz.

In Plieningen liefert unter anderem L’Artista Pizza Napoletana mit Sitz an der Filderhauptstraße Pizzen aus. „Bei uns läuft es sehr gut. Die Leute holen ihre Pizza ab und essen daheim. Wir spüren fast keinen Einbruch“, sagt der Eigentümer Nico Zingariello. Seinen Lieferservice biete er natürlich weiterhin an: „Wir halten den Kreis aber bewusst klein. Weite Strecken fahren wir nicht, denn die Pizza soll ja heiß ankommen. Alles andere wäre Qualitätsverlust.“

Die Auswirkungen des Kontaktverbots habe er sich viel schlimmer vorgestellt. Offenbar sei es ihm im Laufe der Zeit gelungen, eine zufriedene, sozial breit gestreute Stammkundschaft aufzubauen: „Wir freuen uns sehr über die Treue unserer Kunden.“ Einige von ihnen, die er beliefere, legten das Geld kurz vor der Ankunft des Fahrers abgezählt vor die Haustür, der Fahrer stelle die Pizza ab und klingele. Dann hole der Kunde die Mahlzeit ins Haus. „Das schützt uns und den Kunden. Wir empfinden das Vorgehe als Höflichkeit und Rücksicht auch uns gegenüber. Das wissen wir sehr zu schätzen“, sagt er. Auch in seiner Pizzeria lässt Zingariello Vorsicht walten, wenn Hungrige ihr Essen dort abholen: „Es darf jeweils nur ein Kunde rein. Die Vorsichtigen tragen Masken.“

Der Geburtsort der Pizza erlebt katastrophale Zustände

Nico Zingariello hat familiäre Wurzeln in Neapel, der Stadt, die für sich in Anspruch nimmt, der Geburtsort der Pizza zu sein. Als nämlich der König Umberto I. im Jahre 1881 dort für sich und seine Frau Margherita eine Pizza bestellte, so besagt es eine Legende, servierte ihm der Gastronom das Gericht in den italienischen Nationalfarben Grün, Weiß und Rot. Das Grün kam vom Basilikum, das Weiß vom Büffelmozzarella und das Rot von den Tomaten. Zingariello hat das Pizzabacken also quasi mit seiner neapolitanischen Muttermilch aufgesogen.

Natürlich telefoniere er immer wieder mit seinen Angehörigen, die in der Hauptstadt Kampaniens wohnen: „Die Zustände dort sind katastrophal. Jeder versucht, zu Hause zu bleiben. Die Ärzte arbeiten in 24-Stunden-Schichten über ihre Belastungsgrenze hinaus“, berichtet er aus seinen Gesprächen mit der Familie. „Schwerkranke, die ins Krankenhaus müssen, haben wenig Hoffnung, weil das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist.“

Vor denjenigen, die während der Corona-Pandemie im Gesundheitswesen arbeiten und dabei tagtäglich ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, hat Nico Zingariello größten Respekt. Deshalb haben er und seine Mitarbeiter beschlossen, die Lebensretter zu erfreuen: „Als Zeichen unserer Anerkennung haben wir Ärzten und Schwestern Stuttgarter Krankenhäuser Pizzen gestiftet, und wir haben tolle Resonanz von ihnen bekommen.“

Die Zahl der Toten in Italien mahnt zur Vorsicht

Und wie sieht es andernorts aus? Der Stadtteil Vaihingen hat einen großen Unicampus. Wer vom Hunger der Studenten, Professoren und wissenschaftlichen Angestellten abhängt, der bekommt die gegenwärtige Krise stark zu spüren, denn die meisten Studenten sitzen zu Hause. Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass Senol Kozak, Eigentümer von Pizza Bianca an der Vaihinger Katzenbachstraße, die Krise zu spüren bekommt: „Wir haben rund 30 Prozent weniger Umsatz. Unter unseren Kunden sind viele Studenten, aber die sind alle daheim“, sagt er. „Außerdem arbeiten die Frauen ja auch oft im Homeoffice, und die kochen jetzt meist selbst. Außerdem haben sich viele Leute mit Teigwaren eingedeckt, die sie jetzt kochen.“

Bis jetzt, sagt Senol Kozak, komme er einigermaßen über die Runden, aber wenn es so weitergehe und vielleicht noch eine Ausgangssperre komme, wisse er nicht, was er noch tun könne: „Wir machen jetzt schon Kurzarbeit, das heißt, wenn nicht viel los ist, bleiben unsere Ausfahrer zu Hause.“ Trotzdem könne er seinen Betrieb nicht einfach schließen, er sei gezwungen, weiterzumachen: „Wir müssen ja unsere Miete zahlen.“ Kurz nach dem Ausbruch des Virus habe er Corona als nicht bedrohlich empfunden: „Dann habe ich aber gesehen, wie viele Leute in Italien sterben müssen. Natürlich muss man das Virus ernst nehmen. Die Maßnahmen sind völlig richtig.“




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