Lifelogging Wenn Kameras ganz von selbst knipsen

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Das menschliche Erinnerungsvermögen ist begrenzt. Lifelogger wollen mit Technik nachhelfen – etwa mit Kameras, die automatisch alle paar Sekunden ein Bild machen. Technisch ist das längst möglich. Doch wem nützen all die Daten am Ende?

Die Kamera von Memoto kann man sich einfach ans Revers heften – wer will, kann mit Lifelogging also gleich loslegen. Foto: AFP
Die Kamera von Memoto kann man sich einfach ans Revers heften – wer will, kann mit Lifelogging also gleich loslegen. Foto: AFP

Stuttgart - Menschen schreiben Tagebücher, kaufen Souvenirs, behalten Lieblingsdinge oder machen Fotos – um bestimmte Momente, Erinnerungen und Gefühle für die Zukunft festzuhalten. Gegen das Vergessen. Denn das Gehirn ist nicht dafür gemacht, sich all das zu merken, was man gerne behalten möchte. Doch das ist ein großer Wunsch des Menschen: Das eigene Leben festzuhalten und damit auf eine bestimmte Art unsterblich zu werden.

Wo den menschlichen Fähigkeiten biologische Grenzen gesetzt sind, kann die Technik einspringen. Schon 1945 beschrieb Vannevar Bush in seinem Essay „As we may think“ einen „Memory Extender“, eine Art analoger Computer, bei dem Mensch und Maschine zur Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses interagieren. Seit die Geräte digital und immer kleiner geworden sind, ist diese von Bush beschriebene Utopie teilweise Wirklichkeit geworden, unter dem Stichwort Lifelogging.

Das Leben festhalten

Lifelogging meint die Idee, dass Individuen ihr Leben umfassend festhalten. Gespeichert werden biometrische Daten, Bewegungsprofile, Fotos oder alles zusammen. In Zeiten, in denen Speicherplatz immer weniger eine Beschränkung darstellt, zudem Kameras und Messgeräte kompakter werden, wird das Prinzip Google Glass zu einer ganz realen Option: Man geht durchs Leben und nimmt wie mit Googles ständig mit dem Internet verbundenen Datenbrille alles auf, weil man möglicherweise alles später wieder ansehen will.

Hochschulen und Firmen arbeiten an entsprechenden Geräten und an Systemen, welche die Daten speichern und organisieren. Aus soziologischer Sicht stellt sich die Frage: Brauchen wir das? Und wenn ja: Was macht es mit uns? Ein wichtiges Zentrum ist die Dublin City University. Dort forscht man etwa an Algorithmen, mit denen die Bilddaten durchsucht werden können.

Der Computerwissenschaftler Cathal Gurrin probiert es selbst aus. Gurrin hängt sich seit mehr als sieben Jahren tragbare Kameras um den Hals, die ganz von alleine pro Minute drei Bilder von seinem Leben machen, quasi aus der Perspektive, mit der er selbst die Umwelt sieht. Mehr als 14 Millionen Bilder sind bisher zusammengekommen. Jetzt wollen Gurrin und sein Team herausfinden, ob und wie sich das Leben anhand der Daten verbessern lässt. Mit Algorithmen identifiziert die Software „Momente“ – bei Gurrin sind das etwa 12 000 pro Jahr. Doch selbst mit einer eigens entwickelten Suchmaschine braucht er mehr als zwei Minuten, um aus den Bildern von zweieinhalb Jahren einen bestimmten Moment wiederzufinden.