Wenn es rot leuchtet, braucht es mehr weiß, damit alles im grünen Bereich ist: Mit moderner Satellitentechnik bringt der Feldberger Pistenchef Hubert Klingele die Hänge am Seebuck und an der Grafenmatt in letzter Sekunde auf den optimalen Stand. Direkt im Führerstand seiner Pistenraupe wird ihm angezeigt, wo er noch nachlegen muss.
Eigentlich hat es ordentlich geschneit am höchsten Berg des Landes. Doch an manchen Stellen wird mit den Bullys und dem Einsatz von Schneekanonen noch nachgeholfen. „Der Schnee soll an die Stellen kommen, wo er gebraucht wird“, sagt Julian Probst, der Geschäftsführer der Feldbergbahnen GmbH. Am Freitag soll die Saison im höchstgelegenen Wintersportgebiet des Landes los gehen.
Im vergangenen Jahr war die Beschneiung noch ein Kritikpunkt gewesen. Man habe zur falschen Zeit und zu wenig beschneit, hieß es von Skischulen und aus der Hotellerie. Der vergangene Winter war allerdings auch insgesamt deprimierend. Der Saisonstart musste mehrfach wegen Regenfällen verschoben werden. Im kompletten Winter kam man nur auf 55 Skitage am Feldberg bei oft lausigen Schneeverhältnissen; der langjährige Durchschnitt liegt bei 116.
Start mit einem halben Meter
Doch diesmal sieht es besser aus. „Wir starten mit einem halben Meter Schnee“, sagt der Feldberger Bürgermeister Johannes Albrecht (parteilos). Durch die zusätzliche Beschneiung habe man eine gute Grundlage geschaffen, um auch das Weihnachtsgeschäft abzusichern. Ausgerechnet wenn die meisten Gäste kommen und in zwei Wochen ein Drittel des Saisonumsatzes erzielt werden soll, wird es oft ein wenig wärmer im Hochschwarzwald.
Der Streit des Liftverbundes mit der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) wurde nach der Abberufung des bisherigen HTG-Geschäftsführers Thorsten Rudolph beigelegt. Inhaber der Hochschwarzwald-Card, die viele Hoteliers kostenlos an ihre Gäste abgeben, können künftig wieder vergünstigt die Lifte benutzen. Früher war es sogar gänzlich kostenlos gewesen, dann stieg der Liftverbund komplett aus der Hochschwarzwald-Card aus. Die drei Anrainerkommunen Feldberg, St. Blasien und Todtnau klagten über zu großen Andrang und zu geringe Einnahmen. Von dieser Saison an gibt es für die Hotelgäste eine rabattierte Drei-Tages-Karte zum Festpreis von 99 Euro.
Für Tagesgäste bleibt es hingegen beim dynamischen Preissystem, das der Liftverbund im vergangenen Jahr eingeführt hat. Wer früher bucht, kommt günstiger weg. Wer auf Wochenenden oder die Ferien angewiesen ist, muss hingegen tiefer in die Tasche greifen. Und auch die umstrittenen Parkgebühren werden weiterhin erhoben.
5 Sesselbahnen, 9 Schlepplifte, 3 Förderbänder, 16 Skipisten auf rund 1450 Metern Höhe, Tagespass ab 39 Euro, ÖPNV ab Stuttgart mit Deutschlandticket 3:58 Stunden
Besser als ihr Ruf
„Unser Problem ist nicht der Schnee. Unser Problem ist, dass der Gast glaubt, man kann hier sowieso nicht mehr Ski fahren“, sagt Jochen Gekeler. Der Inhaber einer Autowerkstatt in Lichtenstein (Kreis Reutlingen) ist auch Gesellschafter der Wintersportarena in Holzelfingen. Dort haben sich mehrere Liftbetreiber zum ersten und einzigen Skigebiet der Schwäbischen Alb zusammengeschlossen mit insgesamt sechs Abfahrten.
Gekeler war es, der im Corona-Winter 2020/2021 auf die Idee kam, seine Pisten stundenweise und pandemiegerecht für 150 Euro an Familien und Paare zu vermieten. Zeitweise war er der einzige im Land, dessen Lifte liefen. Jetzt verweist er auf eine Exceltabelle, die die Zahl der Schneetage seit den 1970er Jahren auflistet. „Nullwinter gab es hier immer“, sagt Gekeler. Und in den 1990er Jahren habe es sogar weniger Schnee gegeben als zuletzt. „Die Leute müssen eben Skifahren gehen, wenn es Schnee hat“, sagt er. „Ins Freibad gehen sie ja auch bei Sonne und nicht erst zwei Wochen später.“
Nur könne man in Stuttgart eben nicht sehen, ob es in Holzelfingen Schnee habe. Deshalb schicken viele Liftbetreiber Newsletter mit den Schneehöhen. Die gute Botschaft dieser Tage: alles ist weiß. „Wir können es laufen lassen.“
2 Doppelschlepplifte, 13.30 bis 21.30 Uhr, am Wochenende ab 9 Uhr, Flutlicht, Bewirtung, Tageskarte 18/20 Euro, Abendkarte 12/16 Euro, 708 Meter, ÖPNV ab Stuttgart 1:28 Stunde
Hoffnung auf Besserung
Am Ruhestein bei Baiersbronn im Nordschwarzwald laufen die beiden Schlepplifte schon seit Mittwochvormittag. Auch die anderen Liftgesellschaften entlang der Schwarzwaldhochstraße haben ihren Betrieb schon aufgenommen. 40 Zentimeter beträgt die Schneedecke.
Zwölf Wintersportbegeisterte sind schon am Vormittag am Ruhestein, ein paar Rentner sind darunter. Er sei Schichtarbeiter und habe den Vormittag frei. Jetzt wolle er ein bisschen Skifahren, sagt ein Mann. Geschäftsführerin Nina Trayer freut es. Der vergangene Winter war mit 20 Lifttagen auch hier weitgehend ein Ausfall. Jetzt ist die Hoffnung auf Besserung groß.
Pistenlänge 500 Meter, zwei Lifte, Tageskarte 27 Euro, Kinder 15 Euro, 9 bis 22 Uhr, Flutlicht, Bewirtung, 915 bis 1014 Meter Höhe, ÖPNV ab Stuttgart 2:05 Stunden