Lily S. Morgan Erfolg mit Bookstagram und erstem Roman

Bücher und ihre ästhetische Inszenierung sind Lily S. Morgans Leidenschaft. Foto: Lily S. Morgan

Lily S. Morgan betreibt auf Instagram einen gefragten Buchkanal. Mit dem Roman „City of burning Wings“ stellt sie sich nun selbst als Autorin vor.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - Der Weg von Lily S. Morgan macht Eltern von lesefaulem Nachwuchs Hoffnung. „Als Kind konnte man mich mit Büchern jagen. Ich fand Lesen schrecklich“, schreibt die Autorin am Ende ihres ersten Romans. Die heute 31-Jährige hat mit „City of burning Wings – Die Aschekriegerin“ gerade ein spannendes Fantasydebüt vorgelegt. Und nicht nur das: Die junge Frau ist zudem die reichweitenstärkste deutschsprachige Buch-Influencerin auf Instagram.

 

Geteilte Leidenschaft fürs Lesen

Auf ihrem Account @lilys.wortwelt, der mehr als 46 000 Follower hat, begeistert sie andere für ihre Lektüren. Ins Auge stechen vor allem Inszenierungen, die Bücher liebevoll zu Landschaften und Objekten auftürmen. Bookstagram nennt sich diese Szene, die die Leidenschaft für das Lesen als sinnliche Erfahrung auf Instagram teilt. Lily S. Morgan, die ihren Account 2016 erstellte, sagt bei einem digitalen Treffen zum Trend: „Bookstagram hat in den letzten fünf Jahren und besonders in der Coronazeit extrem zugelegt.“ Die Inszenierungen hätten auch mit diesem Social-Media-Kanal zu tun. „Instagram lebt durch Bilder. Hier neugierig auf ein Buch zu machen und interessant darüber zu erzählen, ist ohne ein ansprechendes Bild sehr schwer“, sagt  Lily S. Morgan.

Erschienen ist ihr eigenes Buch im Carlsen-Verlag, der deutschen Heimat von Harry Potter. J. K. Rowlings Zauberschüler war es auch, der die kleine Lily doch noch zum Lesen verführt hatte. Als sich die junge Frau aus Heidenheim später als Autorin auf einem Verlagsforum ausprobieren wollte, legte sie sich das bis heute benutzte Pseudonym zu. „Ich wollte als Abiturientin nicht, dass mich jemand mit meinen literarischen Anfängen findet“, sagt sie.

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Zufällig gefunden hat Jahre später eine Carlsen-Mitarbeiterin Lily S. Morgans „Aschekriegerin“, nachdem die Autorin in einer Instagram-Story ihr Manuskript erwähnte. Im Verlag sind mehrere Mitarbeiterinnen für die Betreuung von Bloggern und Influencerinnen zuständig, wie Ute Nöth, die Leiterin des Teams, erklärt. „Für unseren Verlag eröffnen sich da ganz neue Kanäle für Themen wie Manga oder romantische Fantasy, die in klassischen Medien keine so wichtige Rolle spielen“, sagt sie zur zunehmenden Bedeutung von Social Media, vor allem Instagram. Allein in den vergangenen sechs Monaten, so Nöth, wurden hier mehr als 100 000 Beiträge mit dem Hashtag #germanbookstagram hochgeladen. „Das zeigt mir, dass das gedruckte Buch im digitalen Zeitalter bei Weitem kein altes Medium ist, sondern dass es gerade vor unseren Augen durch eine neue Generation von Buchfans neu erfunden wird“, freut sich die Verlagsfrau über die neue Leidenschaft. Die breit gestreute Präsenz eines Covers reiche oft schon aus, „um die Neugier auf ein Buch und seine Relevanz zu verfestigen“, so Nöth.

Ob dieses Phänomen der Grund ist, warum auch Lily S. Morgans Debüt schnell einer der „Bestseller“-Aufkleber schmückte? Egal, dem Buch wünscht man, auf welchem Weg auch immer, viele Leser, die wegen der romantischen Liebesgeschichte im Hintergrund vor allem Leserinnen sein dürften. Aktuelle Themen wie Klimakatastrophe und Artensterben, Ungleichheit und Rassismus transponiert Lily S. Morgan geschickt in die nicht klar definierte Vergangenheit ihrer Geschichte, die von der Rettung der auf einem hohen Felsen über Wassermassen schwebenden Stadt Elydor erzählt. „Diese Themen ziehen sich doch durch jede Epoche, und ich finde es wichtig, den Blick darauf zu richten“, sagt die Autorin. „Auch ein Fantasyroman soll ja einen Mehrwert haben.“

Die Aschekriegerin kann fliegen

Neben diesem Anspruch bietet die Geschichte um May, einer nach Macht strebenden, geflügelten Kriegerin, und dem Außenseiter Luan, der es aus einem Elendsviertel heraus auf den Thron von Elydor schafft, beste Unterhaltung: Packende Actionszenen, starke und witzige Dialoge und fein ausgemalte Fantasylandschaften fügen sich zu einer Lektüre, die eine Flut von Eindrücken auslöst und sich einprägt.

Stoff genug in jedem Fall, um in der Bookstagram-Gemeinde diskutiert zu werden. Lily S. Morgan ist es wichtig, als Autorin und nicht als Influencerin wahrgenommen zu werden. „Ich halte nicht viel davon, immer Werbung zu machen“, sagt die junge Frau, die hinter dem stehen will, was sie zeigt und schreibt. „Als Influencerin mein Leben zu verdienen, wäre schwierig, da ich zu viele Kooperationsanfragen ablehne.“ Und auch einen Tipp für Eltern hat sie. „Meinem jüngeren Bruder habe ein Buch immer bis zur spannendsten Stelle vorgelesen – von da an musste er dann selbst weiterkommen.“

Auf neuen Wegen zum Buch

Autorin
Lily S. Morgan wurde 1990 in Heidenheim geboren und begann bereits als Elfjährige mit dem Schreiben. 2016 erstellte sie auf Instagram den Account @lilys.wortwelt, der aktuell mehr als 46 000 Abonnentinnen und Abonnenten hat. www.instagram.com/lilys.wortwelt/

Bookstagram
So heißt die Gemeinschaft der Lesefans auf Instagram, die Bücher oft ästhetisch arrangieren. Das Alter der Zielgruppe von Lesebegeisterten, die ihr folgen, reicht laut Lily S. Morgan von 17 bis 40 Jahren mit einem Schwerpunkt bei den 30- bis 35-Jährigen. Abtauchen, sich austauschen nennt sie als Motivation. „Gleich mein erster Beitrag hat viele Kommentare erhalten. Für mich war es ganz leicht, in der Community anzukommen“, blickt die Bookstagrammerin auf ihre Anfänge zurück.

Buch
Lily S. Morgan: City of burning Wings – Die Aschekriegerin. Carlsen-Verlag. 400 Seiten. 15 Euro. Ab 14

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