Linke-Chefin will Hausaufgaben abschaffen Hausaufgaben können Familien verrückt machen – sind aber wichtig

Lehrkräfte betonen, dass Hausaufgaben allein erledigt werden sollen. Aber in vielen Familien helfen Eltern mit. Foto: imago/Fotostand/K. Schmitt

Weil der Stress für Familien zu groß sei, will Linke-Chefin Janine Wissler Hausaufgaben abschaffen. Unsere Autorin Lisa Welzhofer findet das falsch und erklärt, was sich stattdessen ändern müsste.

Familie/Bildung/Soziales: Lisa Welzhofer (wel)

Linke-Chefin Janine Wissler hat recht: Hausaufgaben können in Familien zum Stressthema werden, wenn das Kind sie nicht alleine machen will oder kann. Dann werden Mama und Papa zu Hilfslehrern, dann wird gedrängt und gemotzt. Dann gibt es Krach, weil der Nachwuchs sich nichts erklären lassen will. So ist das in vielen Familien, da mögen Lehrkräfte noch so oft betonen, dass „Hausis“ allein gemacht werden sollten.

 

Die Aufgaben deshalb abzuschaffen, wie es die Politikerin fordert, wäre aber falsch, denn ihr Prinzip ist wichtig. Es geht ums Wiederholen und Vertiefen, ums Auseinandersetzen, Nachdenken, Üben. Kurz: um Techniken, die ein Kind lernen muss, weil ohne sie Lernen nicht möglich ist.

Sind das alles Helikoptereltern?

Die Forderung weckt dennoch richtige Fragen: Warum ist es offenbar in vielen Familien notwendig, dass Mütter und Väter Hausaufgaben begleiten? Ist das nur ein Spleen übereifriger Helikoptereltern, die Angst vor dem ökonomischen Scheitern ihrer Kinder haben? Oder verlangen ein überfrachteter Bildungsplan und ein unter Personalnot ächzendes Schulsystem diese Unterstützung?

Wie auch immer man diese Fragen beantwortet, führen sie am Ende zu einer Ungeheuerlichkeit im Bildungsland Deutschland: Umso mehr Unterstützung ein Junge oder Mädchen von daheim beim Lernen hat, umso höher die Chancen auf einen guten Abschluss und ein gutes Leben.

Ganztagsschulen machen es vor

Das zu ändern, darauf müssen sich auch vor dem Hintergrund der Zuwanderungsgesellschaft alle Anstrengungen konzentrieren. Hausaufgaben, verstanden als ein Vertiefen und Üben des Stoffs, müssen stärker in den Schulalltag integriert werden, so wie es die Konzepte von Ganztagsgrundschulen und Gemeinschaftsschulen vorsehen.

Wenn für solche Strukturen derzeit das pädagogische Personal fehlt, wie Wissler zu Recht anmerkt, müssen sie mit Zusatzkräften und Quereinsteigern, mit jungen Freiwilligen, mit älteren Ehrenamtlichen begleitet werden. So gut wie die Eltern daheim schaffen die das allemal – ganz ohne die innerfamiliären Befindlichkeiten, die es oft so schwer machen. Und für Kinder, die sonst keinen zum Fragen haben, wäre es ein echter, ein womöglich den Lebensweg verändernder Gewinn.

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