Linkes Zentrum in Heslach Der Geschäftsführer wird verurteilt

Böblingen: Kata Kottra
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Auch ständige Bewohner hat das Linke Zentrum inzwischen. In den oberen Stockwerken gibt es zwei WGs, sieben Leute leben dort. Zum Beispiel Robin. Der 23-Jährige engagierte sich von Anfang an für das Hausprojekt. Er gehörte auch zu den ersten Mietern des Eckhauses an der Böblinger Straße; als er einzog, war es noch eine Baustelle. „Anderen hätte man die Bedingungen nicht zumuten können, es war überall noch Staub und Lärm“, erzählt er. „Man gewinnt dadurch aber einen engen Bezug zum Projekt.“ Seinen Nachnamen möchte Robin nicht in der Zeitung lesen, auch ein Foto von ihm soll nicht abgedruckt werden: Er engagiert sich nicht nur in dem linken Zentrum, sondern auch bei antifaschistischen Aktionen – er will nicht, dass Neonazis ihn identifizieren können.

Zig Freiwillige haben an dem Haus in den vergangenen zwei Jahren mitgebaut, sie haben Decken abgeschlagen, Böden verlegt, das Dach gedeckt, die Wände gestrichen. Die Engagiertesten unter den Organisatoren sind zu Experten für Baurecht und ökologische Sanierung geworden – in einem Alter, in dem andere sich gerade einmal die Suche nach einem WG-Zimmer zutrauen.

Sie erzählen begeistert von der komplizierten Renovierung. Von den morschen Balken in der Decke des Veranstaltungsraumes, die ohne eine Stahlverstärkung wohl bald zusammengekracht wären. Oder von den dicken Isolierschichten, die das hundert Jahre alte Haus beinahe so energiesparsam machen wie ein Passivhaus.

Auseinandersetzung mit der Polizei

Weniger begeistert sind die Aktivisten, wenn sie auf den Prozess gegen Christopher angesprochen werden. Christopher, 26, gehört zum engsten Kreis des Hausprojektes. Er studierte in Greifswald, als die Idee von einem Linken Zentrum in Stuttgart konkrete Formen annahm. Daraufhin brach er sein Jurastudium ab und wurde hauptamtlicher Geschäftsführer des Heslacher Projektes – 600 Euro im Monat bekommt er dafür. Auch Christopher möchte weder mit Nachnamen noch mit Bild in der Zeitung erscheinen.

Das Linke Zentrum ist ein Treffpunkt für Gruppen wie dem Antifaschistischen Aktionsbündnis Stuttgart & Region. Im großen Veranstaltungssaal lehnen Transparente für die nächste Demonstration an der Wand, auf denen gegen einen Naziaufmarsch oder für die „Befreiung politischer Gefangener“ aufgerufen wird. Im Erdgeschoss hängen die Listen für die Busse, die zu den Demonstrationen fahren.

Im vergangenen Sommer war es das „Islamkritische Wochenende“ gegen das mobil gemacht wurde. Innerhalb weniger Tage fand Anfang Juni in Stuttgart ein gemeinsamer Kongress der rechtspopulistischen Bewegung Pax Europa und des islamkritischen Webportals Pi-News statt, wenige Tage später der Gründungsparteitag der ebenfalls islamkritischen Partei Die Freiheit. Gegen diese Veranstaltungen gab es massive Proteste linker Aktivisten, auch Christopher war dabei.

Zwei Monate später wurde er verhaftet; bis Dezember 2011 saß er als Untersuchungshäftling in der Justizvollzugsanstalt Stammheim. Der Vorwurf gegen ihn: zusammen mit anderen Demonstranten hatte Christopher am 2. Juni auf dem Stuttgarter Schlossplatz die Bühne des Pax Europa-Kongresses besetzt und sie auch nach Aufforderung von Polizisten nicht verlassen. Als die Beamten die Bühne daraufhin unter Einsatz von Pfefferspray räumen wollten, soll Christopher nach einem Polizisten getreten haben.




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