Linkes Zentrum in Heslach Der Kampf gegen Nazis

Böblingen: Kata Kottra
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Drei Tage später, bei der Gründungsveranstaltung der Partei Die Freiheit, soll Christopher zudem – gemeinsam mit anderen linken Aktivisten – drei Die-Freiheit-Mitglieder in einem Parkhaus überfallen haben. Einer der Männer wurde zu Boden geschubst, anschließend sollen die Angreifer nach seinem Kopf getreten haben. Das Opfer ist selbst Polizist; er sagte vor Gericht aus, dass er Christopher auf einem Foto als einen der Täter wiedererkannt habe. Vor zwei Wochen ist Christopher vom Landgericht zu einer Bewährungshaftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden.

Wer nach diesen Ereignissen fragt, erhält einsilbige Antworten. Der Prozess gegen Christopher habe nichts mit dem Linken Zentrum zu tun, meint Paul von Pokrzywnicki. Auch Christopher will nicht, dass das Heslacher Haus als „Projekt von ein paar Halbkriminellen“ erscheint und beteuert, dass er mit dem Überfall in der Tiefgarage nichts zu tun habe. Vor Gericht hat er sich nicht zu den Vorwürfen geäußert – warum? „Die bürgerliche Justiz ist nicht die Instanz, vor der wir unsere Aktionsformen diskutieren wollen“, entgegnet er. Die Bewegung solle „unter sich“ ausmachen, was angemessen sei.

Es ist paradox. Auf der einen Seite bemühen sich die Hausprojektler, ein soziales und ökologisches Vorbild zu schaffen, das in eine Zeit passt, in der die Finanzkrise viele Menschen am Kapitalismus zweifeln lässt und sich selbst die CDU eine Energiewende verordnet hat. Die Aktivisten bemühen sich um einen breiten Rückhalt für ihr Projekt und um ein gutes Verhältnis zu Behörden und Nachbarn: Im Café ruft ein Zettel die Besucher auf, „keinen Dreck und kein Krach in der Nähe des Zentrums“ zu machen, den Nachbarn nicht vor die Haustür zu pinkeln und ihre „Autos, Blumenkübel und Gartenzwerge“ in Ruhe zu lassen. Niemand soll provoziert werden.

Auf der anderen Seite haben manche Aktivisten eine fragwürdiges Verhältnis zur Gewalt. Robin sagt, dass er es zwar „prinzipiell scheiße findet, wenn Leute zusammengetreten werden“. Doch im nächsten Atemzug erklärt er: „Man kann Gewalt nicht mit Gewalt gleichsetzen.“

Erklärungen für die Eskalation

Wenn Neonazis oder Rechtspopulisten Diffamierendes über Migranten in Deutschland verbreiten würden, müsse man verhindern, dass „so was zur gesellschaftlichen Normalität“ wird. „Es wäre ein fataler Fehler zu sagen, wir bleiben immer friedlich“, sagt Robin. Wohin es führe, wenn man Rechtsextreme nicht deutlich genug in ihre Schranken weise, könne man ja in Ostdeutschland sehen. Christopher nennt die Demonstrationen gegen die Naziaufmärsche, die in Dresden zum Jahrestag der alliierten Bombardierungen stattfanden, als Beispiel für eine erfolgreiche antifaschistische Aktionen. Zuletzt seien aus Angst vor den linken Gegendemonstranten fast keine Nazis mehr angereist.

Vom Landgericht hat Christopher die Auflage erhalten, sich von gewalttätigen Demonstrationen fernzuhalten. Das sei in der Praxis schwierig, meint er: „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand gesagt hat: ,Wir planen eine gewalttätige Demonstration.‘“ Kundgebungen würden plötzlich eskalieren – oft wegen der Polizeieinsätze.

Der nächste Anlass zur Eskalation könnte sich schon morgen ergeben: Am Samstagnachmittag, dem Tag der politischen Gefangenen, soll auf dem Stuttgarter Schlossplatz eine „Antirepressionsdemo“ stattfinden. Die Plakate im Linken Zentrum sind schon fast fertig gemalt.




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