14 000 Besucher in der Schleyerhalle und eine Hitrevue: Linkin Park haben bei ihrem Stuttgarter Konzert gezeigt, dass sie eine der, wenn nicht die Band des Jahrtausends sind. Sie beherrschen den Pop perfekt. Und vielleicht fehlen ihnen deshalb die Kanten.

Stuttgart - Linkin Park sind wohl die erfolgreichsten Musiker des neuen Jahrtausends, was sich bei ihrem Stuttgarter Gastspiel am Dienstagabend auch in der mit knapp 14 000 Besuchern prall gefüllten Schleyerhalle ausdrückt. Linkin Park ist eine globale Rockmarke, die weltweit in Gehörgänge eindringt. „Nu Metal“ war das musikalische Etikett, das einmal für die Band passte: eine geschickte Melange aus Metal, Grunge und Hiphop-Elementen.

 

Mittlerweile scheinen sie nahezu alles zu kombinieren, was als einigermaßen hart gilt und bei einem breiten Publikum wohlfeilen Erfolg verspricht. Ihre Produktion und Bühnenshow in der Schleyerhalle ist riesig, Scheinwerferblitze zucken in allen Farben hernieder und der Sänger Chester Bennington springt auf eine Spielfläche, die mit mehreren kleinen Podesten den Protagonisten eine effektvolle Plattform für Posen bietet.

Gitarren, Rap und Gesang

Gitarren donnern derb, während Bennington eingängige Gesangslinien ins Geschehen schickt, die sich mit den präzise herausgestoßenen Raps von Mike Shinoda perfekt mischen. Manche Titel spielen sie nur an, sie verkürzen, spitzen zu und bearbeiten: Die üblichen Rockmätzchen übertreiben Linkin Park dabei kaum, ihre Show erscheint durchweg durchdacht und zielt meist auf einen Refrain, der von vornherein für ein Stadion konzipiert ist und auch in der Schleyerhalle tobende Begeisterung hervorruft. „Guilty all the same“, „Rebellion“ und „Runaway“: ein Rausch ist’s, ein Stampfen und Rasen, ein Machen und Mitmachen, das durchaus von elektronischen Passagen aus Keyboards oder digitalen Programmen durchstochen wird und eine gewisse Dynamik hat.

Die Fußballhymne „Burn it down“, die zwar von 2012 stammt, die aber jeder noch im Gedächtnis hat, reiht sich da mühelos ein in einen einzigen Fluss, aus dem die Hits der Band kaum herausragen. Das ist handwerklich perfekt gemacht und lässt doch auf die Dauer jene Ecken oder Kanten vermissen, die die Rockmusik einmal ausgemacht hat.

Makellos, kantenlos

Wer will oder wer Kenner ist, kann aus manchen Texten die schwere Kindheit des Sängers heraushören. Insgesamt aber entsteht der Eindruck, als sei das alles nicht so gemeint. Ihr Spiel scheint manchmal wie die makellose Umsetzung einer Strategie, ihre Refrains sind Stempel des populären Liedschaffens und Frontmann Bennington springt choreografisch stylish designt als ein Megarockstar einher, der gleichwohl im Großen und Ganzen seiner Gruppe geborgen ist.

Linkin Park haben sich als Band präsentiert, die typisch für das zeitgenössische Popgeschäft ist. Sie haben dessen Mechanismen nur besser verstanden als andere und setzen dies in der Schleyerhalle mit globaler Durchschlagskraft um.

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