Sie heißen beide Tim, sie spielen beide auf Linksaußen, sind beide in Reutlingen geboren und stammen aus benachbarten Gemeinden, die keine zehn Kilometer voneinander entfernt sind. Tim Nothdurft (27) ist in Sonnenbühl-Genkingen aufgewachsen, Tim Freihöfer (22) in Lichtenstein-Unterhausen. Die beiden Orte trennen der mittlere Albtrauf und rund 250 Höhenmeter, praktisch mittendrin liegt die Nebelhöhle.
Sonntag in Stuttgart
Wie es der Zufall so will, teilen sich diese beiden Handballer die Linksaußen-Position bei den EM-Qualifikationsspielen der deutschen A-Nationalmannschaft an diesem Mittwoch gegen die Schweiz und am Sonntag (18 Uhr/sportschau.de) gegen die Türkei in der Stuttgarter Porsche-Arena. Rune Dahmke (THW Kiel) und Lukas Mertens (SC Magdeburg) erhalten von Bundestrainer Alfred Gislason eine Pause. Beim glücklichen 32:32 im ersten Spiel in Zürich spielten beide je 30 Minuten. Freihöfer erzielte ein Tor (bei drei Versuchen), Nothdurft kam nach der Pause bei seinen drei Treffern auf eine 100-Prozent-Quote.
So nah ihre Heimat geografisch auch beieinander liegt, so unterschiedlich sind ihre Wege ganz nach oben. Freihöfer zog es nach seiner Jugendzeit bei der SG Oberhausen/Unterhausen und der HSG Echaz/Erms bereits im Alter von 15 Jahren ins Internat nach Berlin. Er blieb den Füchsen bis heute treu, spielt mit dem aktuellen Bundesliga-Tabellenführer um die deutsche Meisterschaft und steht im Final Four um die Champions League (14./15. Juni in Köln).
Hinze holt Nothdurft
Nothdurft spielte in der Jugend für den VfL Pfullingen und die JSG Balingen-Weilstetten, ehe er über den HBW Balingen-Weilstetten (2016 bis 2022) und den Bergischen HC (2022 bis 2024) bei den Rhein-Neckar Löwen landete. Bei seinen beiden letzten Stationen war Trainer Sebastian Hinze ein entscheidender Faktor, er holte ihn zum BHC, später zu den Löwen. Dass er ihn auch zu seiner künftigen Station ThSV Eisenach mitnimmt, davon ist bisher nichts bekannt.
Was die beiden Rechtshänder verbindet, ist ihr bodenständiger Charakter. Beide sind keine Typen für Drama, Show und Spektakel. Sie sind Spieler, die die klare Torchance sehen und den Ball effizient, gradlinig und ohne Schnörkel im Netz versenken. „Tim und Tim sind beides sehr akribische, ehrliche Arbeiter, keine Zauberer mit einem goldenen Handgelenk“, sagt der ehemalige DHB-Sportvorstand Axel Kromer, ebenfalls ein Schwabe. Ein gravierender Unterschied der beiden Nationalspieler ist ihre Körpergröße: Der 1,94 Meter große Nothdurft überragt Freihöfer um 20 Zentimeter. Die Länge und seine Spannweite sind ein maßgeblicher Grund dafür, dass Nothdurft auch auf der Halbposition (wie am Mittwoch in der Schweiz) oder als vorgezogener Spieler in einer 5:1-Abwehrformation decken kann.
Nothdurfts sportliche Eltern
Noch eine wesentliche Abweichung gibt es bei den beiden. Nothdurft stammt aus einer Familie, in der der Leistungssport schon immer eine bedeutende Rolle spielt. Papa Eckard war Kreisläufer in der Bundesliga beim VfL Pfullingen und VfL Gummersbach und auch Trainer in der ersten Liga, aber auch schon bei Freihöfers Stammclub SG Oberhausen/Unterhausen.
Seit 2022 ist der 59-jährige Sportpädagoge Leistungssportdirektor bei Handball Baden-Württemberg. Mama Gudrun Abt feierte drei deutsche Meisterschaften im 400-Meter-Hürdenlauf, bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul kam sie im Endlauf auf Platz sechs.
Unabhängig davon: Beide Familien von der Schwäbischen Alb werden am Sonntag in Stuttgart ganz besonders hinschauen, wenn sich ihr handballerisch hochbegabter Nachwuchs wieder eine Position bei der A-Nationalmannschaft teilt.