Die Mitglieder des Lions Club bauen schon zum dritten Mal an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule.
Stuttgart-Plieningen - Das Knattern der motorisierten Rüttelplatte, die die Kiesschicht platt walzt, ist mittlerweile ein gutes Indiz. Nicht immer, aber doch sehr oft, sind die Herren des Lions Clubs zugange, wenn dieses Geräusch vom Gelände der Dietrich-Bonhoeffer-Schule zu hören ist. Und so ist es auch am Samstag gewesen. Zur Rüttelplatte gesellt sich noch ein Bagger. „Wir bauen zwischen den Gebäuden einen neuen Verbindungsweg und einen Bewegungsparcours“, sagt Horst Handge. Erst ist Mitglied im Lions Club Stuttgart – Altes Schloss und so etwas wie der Bauleiter. Schließlich ist er Professor an der Technischen Fachhochschule und Bausachverständiger.
Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule ist eine Sonderschule. An ihr werden verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche unterrichtet. „Ich glaube, in der Pädagogik wird ganz oft zu viel gesprochen“, sagt der Lehrer Jochen Degen. „Da ist es ganz gut, mal anzupacken.“ Zusammen mit einigen anderen Lehrern und Schülern hilft er den 15 Lions-Club-Mitgliedern beim Bau. „Nach so einem Tag tun einem die Knochen weh. Das hat schon was Besonderes.“
„Ich rechne das meinen Kollegen und den Schülern hoch an“
„Das ist eine echte Bereicherung für uns“, sagt auch die Schulleiterin Maria Waltner. „Ich rechne das den Lions-Club-Mitglieder, meinen Kollegen und den Schülern hoch an, dass sie dabei bleiben.“
Der Lions Club ist ein sogenannter Serviceclub. Die Mitglieder sind Geschäftsführer von Unternehmen, sie sind Architekten und Juristen, einige schon mit grauen Haaren. Und sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Auf Englisch steht der Name Lions für „Freiheit, Intelligenz, Sicherheit unserer Nation“. Die inoffizielle deutsche Interpretation trifft es aber wohl besser: „Leben ist ohne Nächstenliebe sinnlos.“
Clubmitglieder lesen den Kindern vor
„Als langfristige Aufgabe haben wir uns gestellt, immer wieder etwas zusammen mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule umzusetzen“, sagt Handge. 2008 etwa haben die honorigen Herren eine Terrasse gebaut, ein Jahr darauf ein Backhaus, in dem die Schüler seitdem ihr eigenes Brot backen. Zudem schauen einige Clubmitglieder regelmäßig vorbei und lesen den Kindern vor. Und auch das Projekt Klasse 2000, dessen Ziel die Gewalt- und Suchtvorbeugung ist, wird von ihnen finanziell unterstützt.
Beim neuesten Projekt geht es aber vor allem darum, sich auszutoben. Auf dem Bewegungsparcours können die Kinder auf einer Länge von fast 30 Metern auf Baumstämmen balancieren, sich an Seilen entlang hangeln oder über Pfosten steigen. Doch bis es soweit ist, müssen sie sich noch etwas gedulden. Denn nächstes Wochenende werden die Arbeiter ein weiteres Mal anrücken.