Lisa Catena im Renitenz Hoffnungsträgerin des Kabaretts

Von Cornelius Oettle 

Witzchen über Staubsauger, Wechseljahre und Cellulite erträgt Lisa Catena nicht mehr: Die Schweizer Kabarettistin legt sich im Stuttgarter Renitenztheater lieber mit der Politik an.

Die Schweizer Kabarettistin Lisa Catena macht im Renitenztheater klar: Sie hat die Weibchenwitze satt. Foto: Veranstalter
Die Schweizer Kabarettistin Lisa Catena macht im Renitenztheater klar: Sie hat die Weibchenwitze satt. Foto: Veranstalter

Stuttgart - „Verstehen Sie mich überhaupt, wenn ich Hochdeutsch rede?“, fragt die Schweizerin das Publikum des Renitenztheaters. So zu sprechen fällt ihr nicht leicht: „Sie als Schwaben kennen das!“ Die Verbindung zum Publikum kann Lisa Catena also nach wenigen Sekunden herstellen. Ein paar Fans aus der Schweiz waren der 38-jährige Kabarettistin aber auch nach Stuttgart gefolgt, man hörte es in der Pause. Dabei war die Frau aus Bern erst vor ein paar Monaten hier und gewann den silbernen Stuttgarter Besen. Sicherheitshalber gab sie zu Beginn ihres Programms „Grenzwertig“ daher bekannt: „Falls AfD-Wähler anwesend sind, die mich als Ausländerin nicht mögen - keine Sorge, ich bin morgen wieder weg.“

Catena, die Lederjacke und Pferdeschwanz trägt, wirkt nett, lächelt oft, blinzelt freundlich in die Reihen, aber ihre Kritik ist mitunter hart: Kolleginnen weist sie etwa daraufhin, dass es nicht Ziel der Emanzipation sein kann, auf der Bühne Witzchen über Staubsauger, Wechseljahre und Cellulite zu reißen: „Was wir Frauen im Kabarett an veralteten Rollenklischees vorführen, da kriegen Islamisten einen Ständer.“

Wie auf Berlusconis Partys

Beobachtungen und schonungslose Anmerkungen wie diese sind es, die Catena zur Hoffnung für die Zukunft des Kabaretts machen. Die aktuelle Tendenz der Szene beschreibt sie selbst treffend: „Viele alte Männer und ein paar junge Frauen. Das kennt man sonst nur von Berlusconis Partys.“ Auch der gegenwärtige Zustand des Journalismus bereitet ihr Sorgen: Irre, die früher einsam mit Schildern auf öffentlichen Plätzen rumhampelten und vor der Apokalypse warnten, fänden heute mittels Internet viele weitere Bekloppte, die den Unsinn weiterverbreiten. Und weil die Arbeit von Online-Journalisten zuvörderst daraus bestünde, Facebook- und Twitter-Kommentare unter der Rubrik „Das meint das Netz“ zu veröffentlichen, gewönnen derlei Wahnsinnige plötzlich an Relevanz. Da hat sie wohl nicht ganz Unrecht.

Mit 15 Jahren schien Catenas Aufmüpfigkeit einzusetzen, als sie Gitarrespielen lernte und in einer Punkband klampfte. Als kleines Mädchen, erfährt man während ihres gitarrenfreien Auftritts, wollte aber sogar eine wie sie Prinzessin werden und einmal einen Prinzen heiraten - bis sie dann ein Foto von Prinz Charles gesehen habe.

Leider kommt Catena aber nicht ganz ohne das aus, was das Kabarett in Verruf gebracht hat: Plumpe Sprüche über „die Politiker“, die pauschal abzuwatschen vielleicht vor 50 Jahren mutig war. „Mit Politikern ist es wie mit Wein - man merkt immer erst im Nachhinein, was man für eine Flasche gewählt hat“ lautet beispielsweise ihr Schlusssatz. Sofern sie sich von solchen simplen Späßen trennen kann, dürfen Kabarettfans dank Catena weiterhin hoffen.