Corona? War da nicht was? Zweimal ist das Cannstatter Volksfest in der Pandemie ausgefallen. Jetzt herrscht in den Wasenzelten oft ein dichtes Gedränge. Wie schaut die Tübinger Ärztin Lisa Federle, die als Covid-Expertin in Talksendungen bundesweit bekannt worden ist, auf die Stuttgarter Großveranstaltung? Sollten die Leute lieber daheim bleiben? „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben“, antwortet sie.
Auch wenn die Infektionszahlen wieder steigen, sei die Lage eine völlig andere als vor drei Jahren. „Wer sich mit Corona ansteckt, wird nicht mehr so krank wie zu Beginn der Pandemie“, sagt Federle, „Todesfälle sind aktuell nicht bekannt.“ Angesichts der inzwischen erreichten Immunität halte sich das Risiko für Menschen ohne schwere Vorerkrankungen in Grenzen. Einen erneuten Lockdown dürfe es auf keinen Fall mehr geben. „Dies dürfen wir allein schon unseren Kindern nicht mehr antun“, findet die 62-Jährige. Werde alles wieder zugesperrt, würden immer noch mehr Menschen depressiv. Dies müsse auf alle Fälle verhindert werden.
Bei einer Großveranstaltung könne sich jeder mit Grippe oder Erkältungskrankheiten anstecken. Dies sei schon vor der Pandemie so gewesen. „Aber auch im kleinen Kreis kann man sich Viren einfangen“, sagt Lisa Federle. Ihr Appell richtet sich an Menschen, die Erkältungssymptome spüren: Sie sollten auf keinen Fall das Volksfest besuchen.
Einen Wasenbesuch hält die Ärztin und Bestseller-Autorin für vertretbar. Die Zahl der Atemwegserkrankungen steige immer im Herbst und Winter an. Keine Notwendigkeit sieht Federle, Corona dabei hervorzuheben.
Das SWR-Fernsehen zeigt am 28. September einen Porträt über Lisa Federle
Die Tübingerin sorgte in der Pandemie für kostenlose Tests, machte damit Tübingen bundesweit zum Vorbild und wurde zur gefragten Expertin. Am Donnerstag, 28. September, 21 Uhr, sendet das SWR-Fernsehen ein 45-minütiges Porträt über „Deutschlands berühmteste Notärztin“. Ihr Leben war ein Auf und Ab. Als ihr Vater überraschend starb, war Lisa Federle elf Jahre. Sein Tod warf sie aus der Bahn, sie verließ die Schule ohne Abschluss. Als sie mit 17 Jahren schwanger wurde, kämpfte sie sich meist allein durchs Leben.
Die Tübingerin holte die Schulabschlüsse bis zum Abitur nach, studierte Medizin und wurde mit 37 Jahren Ärztin. Daneben hat sie vier Kinder großgezogen. Ihre Autobiografie „Auf krummen Wegen geradeaus“ wurde zum Besteller. Ihr neues Buch „Vom Glück des Zuhörens – wie uns gute Beziehungen stark machen“ erscheint am 2. Oktober. Neuerdings gibt es Pläne, ihr Leben zu verfilmen. „Aber spruchreif ist es noch nicht“, sagt Federle unserer Redaktion.
Lesung am 28. Oktober im Theaterhaus mit Dieter Thomas Kuhn
TV-Star Anna Loos, ihre Freundin, sagt in dem SWR-Porträt: „Wenn das Leben von Lisa Federle verfilmt wird, dann möchte ich mich hiermit gerne dafür bewerben, die Hauptrolle zu spielen.“ Ihr Mann Jan Josef Liefers erklärt im Gespräch mit SWR-Autor Lothar Zimmermann: „„Lisa ist wirklich jemand, der sich sehr für andere Leute einsetzt. Sie ist eine der besondersten Deutschen, die ich kennengelernt habe.“
Am 28. Oktober stellt Lisa Federle im Stuttgarter Theaterhaus ihr neues Buch vor, begleitet von dem Sänger Dieter Thomas Kuhn. Bereits am Donnerstag, 28. September, 10 Uhr, liest sie in der Nikodemuskirche in Botnang zugunsten der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind. Musik gibt es Musik von Yoshiko Kondo-Fenner (Violine) und Natalia Ryabkova (Klavier/Orgel).