Stuttgart - Ausgerechnet der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume (CDU), soll Antisemitismus verbreiten. Das ist die Überzeugung des in Los Angeles ansässigen Simon Wiesenthal Centers (SWC), das Deutschland unter anderem wegen Blume auf seiner diesjährigen Liste der schlimmsten antisemitischen Organisationen auf Platz sieben eingruppierte. Angeführt wird die Liste, die am Dienstag vorgestellt wurde, vom Iran, von der Hisbollah und dem britischen Sender BBC.
„Herr Blume leistet sehr gute Arbeit“
Die Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg, Barbara Traub, reagierte entsetzt. „Herr Blume leistet sehr gute Arbeit. Das ist eine enorme Rufschädigung.“ Das SWC habe sich vor seiner Entscheidung „kein einziges Mal an uns gewandt“. Dabei könne man Blumes Arbeit im Land viel besser beurteilen.
Ihr badischer Amtskollege Rami Suliman nannte Michael Blume eine „große Hilfe für uns“. Das SWC sei nur an Provokation interessiert und habe seinen einstmals guten Ruf seit dem Tod des bekannten Nazijägers Simon Wiesenthal längst eingebüßt. „Man versteht das überhaupt nicht.“
Die AfD fordert die Entlassung
Der Waiblinger AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun, der als „menschenrechtspolitischer Sprecher“ seiner Fraktion fungiert, forderte hingegen Blumes sofortige Entlassung. „Das Simon Wiesenthal Center hat Blume völlig zurecht in seine Antisemiten-Liste aufgenommen. Statt linken, islamischen und antiisraelischen Antisemitismus zu bekämpfen, hat Blume diesen sogar noch befeuert“, sagte Braun. Das SWC sei eine weltweit anerkannte unabhängige Organisation. „Der Kampf gegen den Antisemitismus muss sich nach den Erfahrungen der Juden richten und nicht nach linken Ideologen“, sagte Braun.
Suliman nannte Blume hingegen den „richten Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Blume hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren der Pandemie immer wieder auf den antisemitischen Kern vieler Verschwörungserzählungen hingewiesen. „Wir müssen Tendenzen, den Wirkungskreis des Antisemitismusbeauftragten zu begrenzen, klar entgegentreten“, sagte Suliman.
Der Kampf eines rechten Journalisten
Überraschend kommt Blumes Name allerdings nicht auf die Liste des SWC. Vielmehr sieht er sich schon seit Jahren der Kampagne eines Journalisten der „Jerusalem Post“ ausgesetzt, der nicht nur enge Kontakte zum SWC, sondern auch zu rechten Kreisen in Deutschland unterhält. Fast wöchentlich werde er von dem Mann mit Anfragen bombardiert und förmlich gestalkt, klagte Blume schon vor Monaten. „Eine Quelle in Baden-Württemberg sagt mir, dass Ihre Mutter eine Antisemitin ist. Trifft das zu? Meine Frist ist am Mittwoch um 17 Uhr“, heißt es in einer der Mails, die an Blume gerichtet sind, aber von dem Mann meist an einen riesigen Verteilerkreis gesendet werden.