Die Kulturgemeinschaft Fellbach startet ihre Reihe „Beziehungskunst“ mit dem extravaganten Paar Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé.

Es geht um Beziehungskunst und um Künstlerpaare: Ein spannendes Programm hat Christa Linsenmaier-Wolf, Vorsitzende der Kulturgemeinschaft Fellbach (KGF), als Schwerpunkt des Programms im ersten Halbjahr 2026 zusammengestellt. Bis in den Sommer hinein wird in Vorträgen, Lesungen, Konzerten das Leben und Lieben ausgewählter Künstlerpaare beleuchtet.

 

Den Auftakt der Reihe bildet am Montag, 19. Januar, um 19 Uhr ein einprägsamer, informativer literarischer Abend in der Stadtbücherei Fellbach. Unter dem Titel „Lou, liebe Lou!“ steht die Lebensbeziehung von Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé im Mittelpunkt – einem der interessantesten und extravagantesten Paare der Kulturgeschichte um 1900.

Der Dichter und die faszinierende Intellektuelle

Gunilla Eschenbach, Expertin für den Rilke-Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach, spricht an dem Abend über die Lebensbeziehung, die den Dichter und die faszinierende Intellektuelle verband. Briefe, Gedichte und Werkauszüge liest die namhafte Sprecherin Birgitta Assheuer aus Frankfurt.

Rilke studiert in München, als er die 36-jährige Schriftstellerin aus großbürgerlicher russisch-deutscher Familie im Mai 1897 durch Zufall kennenlernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt, ja ihr eine geradezu religiös gefärbte Verehrung entgegenbringt – „Ich hab Dich nie anders begehrt, als so, daß ich hätte knien dürfen vor Dir.“

Nietzsche kassierte eine Absage

Lou Andreas-Salomé hatte Nietzsches Heiratsantrag abgewiesen, mit dem Orientalisten Friedrich Andreas ging sie eine Ehe ein, ohne sie als verbindlich anzusehen. Auch dem jungen Rilke gibt sie zunächst den Laufpass, führt jedoch nach einer Pause den brieflichen Gedankenaustausch fort.

Die zunächst leidenschaftliche Beziehung mündet in eine lebenslange Freundschaft auf Augenhöhe, die für beide unschätzbaren Wert besitzt. Rilke verdankt ihr nicht weniger als den Durchbruch als moderner Lyriker – „Die Welt verlor das Wolkige für mich“. Karten im Vorverkauf zu zehn Euro im i-Punkt Fellbach, Telefon 0711/ 58 00 58.