Literatur-Nobelpreisträgerin Die Schritstellerin Doris Lessing ist tot

Von SIR/dpa 

Afrika und der Feminismus, das waren ihre Themen. Am Sonntag ist die britische Schriftstellerin Doris Lessing im Alter von 94 Jahren in London gestorben. 2007 war sie mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Die britische Schriftstellerin Doris Lessing ist tot. Sie starb nach Angaben ihrer Familie vom Sonntag im Alter von 94 Jahren in London.  Foto: dpa
Die britische Schriftstellerin Doris Lessing ist tot. Sie starb nach Angaben ihrer Familie vom Sonntag im Alter von 94 Jahren in London. Foto: dpa

Afrika und der Feminismus, das waren ihre Themen. Am Sonntag ist die britische Schriftstellerin Doris Lessing im Alter von 94 Jahren in London gestorben. 2007 war sie mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden.

London - Doris Lessing war stets eigenwillig und immer in Eile: Als sie 2007 beim Einkaufen von der Zuerkennung des Literatur-Nobelpreises erfuhr, stellte sie erstmal ihre Taschen hin. „Christ“, flüsterte sie, „jetzt habe ich sie alle gewonnen.“ Die schwedische Akademie lobte Lessing für die „visionäre Gabe“, mit der sie die Zivilisationsgesellschaft ihrer scharfsinnigen Prüfung unterwarf. Aber Lessing ging es nicht in erster Linie um Auszeichnungen. „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen“, sagte sie 2004 in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist so aufregend, etwas niederzuschreiben, das einen in den Bann gezogen hat.“

Die große alte Dame der britischen Literatur passte in keine literarische Schublade. Sie war schroff, eigenwillig und umstritten. Ehrungen durch die Queen lehnte sie ab, und auch Schmeicheleien mochte sie nicht: „Ich war nur Teil des Zeitgeist. Es war die Zeit, in der ich lebte.“ Zunehmend sorgte sich Lessing über die Unfähigkeit der Menschen, mit Umweltkatastrophen fertig zu werden. „Wir glauben, wir haben es unter Kontrolle, aber das stimmt nicht, wir lösen das Problem nicht.“

Die in Südrhodesien, dem heutigen Simbabwe, aufgewachsene Schriftstellerin schrieb einige der schönsten Geschichten über Afrika. Ihr berühmtestes Werk, „Das goldene Notizbuch“ (1962), wurde - gegen ihren Willen - zur Bibel von Feministinnen und verhalf ihr zum Durchbruch. „Ich bin keine Feministin. Bewegungen lehne ich instinktiv ab“, sagte sie. Dennoch war sie bis zum sowjetischen Einmarsch in Ungarn Mitglied der britischen Kommunisten, weil das damals fast die „einzigen Intellektuellen waren“, begründete sie. Später kritisierte sie die Kommunisten als bigott, als „entmenschlicht im Dienste der Menschheit“.

Der Schlüssel zu ihrem Werk liegt in ihrer Kindheit: Als Doris May Taylor wurde sie 1919 als Tochter eines Kolonialoffiziers in Iran geboren, später zog die Familie nach Südrhodesien, wo der Vater eine wenig ertragreiche Maisfarm bewirtschaftete. Sie sei ein tief unglückliches, rebellisches Kind gewesen, betonte Lessing immer wieder. Sie litt genauso unter ihrem kriegsversehrten erbitterten Vater wie unter ihrer strengen Mutter.

Doris Lessing ist mit Gregor Gysi verwandt

1939 heiratete sie den Kolonialoffizier Charles Wisdom, mit dem sie zwei Kinder hat. Nach der Trennung schloss sie 1944 mit dem deutschen Exil-Kommunisten Gottfried Lessing die Ehe. Von ihren zwei Kindern mit Wisdom hatte sie sich mit den Worten verabschiedet, sie werde nun am Aufbau einer besseren Welt arbeiten. Über Gottfried Lessing ist sie auch mit dem deutschen Linken-Politiker Gregor Gysi verwandt („ein sehr einnehmender Kerl“), denn Gottfrieds Schwester ist Gysis Mutter. Doch auch diese Ehe scheiterte. Doris Lessing meinte dazu auf ihre trockene, gewitzte Art: „Ehen haben nicht zwangsläufig etwas mit Liebe zu tun, oder?“ Die Autorin liebte aber Katzen und war auch beim Schreiben von ihnen umgeben.

Ihr literarisches Debüt machte Lessing mit „Afrikanische Tragödie“ (1949). Das Buch ist sowohl ein Schicksalsdrama vor dem Hintergrund einer schwarz-weißen Liebe als auch eine Studie über unüberbrückbare Rassengegensätze. Wegen ihrer Kritik an der Rassentrennung und an dem Regime durfte sie jahrzehntelang nicht nach Simbabwe und Südafrika reisen. In ihrem Reportageband „Rückkehr nach Afrika“ (1992) beschreibt sie diese Rückkehr dann vor allem als Enttäuschung.

In den 1970er Jahren verblüffte Lessing mit den fünf Science- Fiction-Bänden „Canopus in Argos: Archives“. Dem realistischen Erzählen wandte sie sich wieder mit „Die Terroristin“ zu, wo sie unter anderem vom fehlgerichteten Opferwillen und der Unterwerfung der weiblichen Hauptgestalt berichtet. In den 90er Jahren zog sie mit den zwei Autobiografie-Bänden „Unter der Haut“ und „Schritte im Schatten“ eine selbstkritische Bilanz ihres Lebens.

Das Verhältnis zwischen Mann und Frau spielt eine entscheidende Rolle in Lessings Werken. So auch in ihrem letzten Roman „Die Kluft“, in dem sie humorvoll eine Welt ohne Männer beschreibt, in der die Frauen dick und fett sind und nur faul in der Sonne liegen. Lessing heiratete nach ihren zwei gescheiterten Ehen nicht mehr. Nach der Trennung von ihrem zweiten Mann zog sie mit ihrem dritten Kind, dem Sohn Peter, nach London, wo sie sich zwar als Schriftstellerin schnell etablierte, das Geld aber immer knapp war.