Literaturfestival Stuttgart Ein Weltstar kommt in die Stadt

Feministische Ikone und eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Afrikas: Chimamanda Ngozi Adichie. Foto: AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT

Nächste Woche startet das Festival „Schreiben, während die Welt geschieht“. Es beginnt mit einem Paukenschlag.

Kultur: Stefan Kister (kir)

Dieser Start kann sich sehen lassen: Mit der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie eröffnet ein literarischer Weltstar in der nächsten Woche das Literaturfestival Stuttgart. Ihr Roman „Americanah“ ist ein Meisterwerk postkolonialer Literatur. Der Titel eines ihrer Bücher, „We should all be Feminists“, wurde von Beyoncé gesampelt und von Dior auf T-Shirts gedruckt. Sie habe es selbst kaum fassen können, als von Adichie die Zusage kam, eigens für das Festival eine Rede zu schreiben, sagt die Kuratorin des Programms, die Autorin Lena Gorelik auf der Pressekonferenz im Stuttgarter Literaturhaus.

 

Ob Stuttgart nun eine Weltstadt ist, darüber kann man streiten. Aber vieles deutet darauf hin, dass bei dem vom 11. bis 21. Mai stattfindenden Veranstaltungsreigen Welt und Stadt auf eine Weise zusammenfinden, die sich von vergleichbaren anderen Unternehmungen vielversprechend unterscheidet. Denn unter dem Titel „Schreiben, während die Welt geschieht“ soll es nicht nur um bekannte Namen und die großen Themen unserer Zeit gehen, sondern zugleich um die vielfältigen Projekte, Initiativen und Institutionen, aus denen sich das literarische Leben einer Stadt speist. „Mehr ist mehr“, sagt der Leiter des Kulturamts, Marc Gegenfurtner. Was sich sowohl auf die Wahrnehmungsverstärkung durch die konzertierte Kraft eines Festivals beziehen lässt wie auf die großzügige finanzielle Förderung, die für die Realisierung der zahlreichen von lokalen Akteuren eingereichten Ideen bereitgestellt wurde.

Schreiben mit der Sprühdose

Lena Gorelik, als Kind aus Russland emigriert und in Ludwigsburg aufgewachsen, teile mit einer Stadtbevölkerung, die zu 46 Prozent über nicht-deutsche Herkunftsgeschichten verfügt, manche Erfahrung, sagt die Leiterin des Literaturhauses, Stefanie Stegmann. Ein Jahr lang hat sich Gorelik damit auseinandergesetzt, wie man ein Festival aus der Stadt heraus entwickelt und zugleich die übergreifenden Themen, die die Schriftstellerinnen und Schriftsteller unserer Tage beschäftigen, in den Blick rückt. Das Ergebnis ist ein Programm, das einerseits ein Who‘s Who der zeitgenössischen gesellschaftspolitisch engagierten Literatur bietet, darunter neben Chimamanda Ngozi Adichie, A. L. Kennedy, Nino Haratischwili, Max Czollek oder die gerade mit dem Buchpreis für Europäische Verständigung ausgezeichnete russische Lyrikerin Maria Stepanova.

Auf der anderen Seite findet sich ein aus über 60 Bewerbungen ausgewählter bunter Strauß literaturvermittelnder Basisarbeit – 24 Projekte, die auf ihre Weise aktuelle Impulse aufnehmen und weitergeben. Darunter sind Schreib-Workshops für Frauen und Jugendliche mit Flucht- oder Migrationserfahrung, alle Arten von Lesungen, szenisch, musikalisch oder per Rad mit dem Tübinger Autor Joachim Zelter. Und wer weiß, welche bleibenden Effekte der Graffiti-Schreibkurs „Literatur aus der Sprühdose“ im Stadtbild hinterlassen wird.

Lena Gorelik legt Wert auf einen inklusiven Ansatz, vielfältige Textformen, die über den klassischen Buchrücken hinausblicken. Und bei allen ernsten Themen, Krieg, Rassismus, Ausgrenzung, soll die Zuversicht nicht zu kurz kommen. „Wenn man sieht, dass man nicht allein ist, sind die Dinge weniger schwer“, sagt die Kuratorin. Und so steht am Ende ein Abend voller Hoffnung.

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