Das ist ein herber Verlust für die Stadt: Florian Höllerer, der das Stuttgarter Literaturhaus nicht nur geleitet, sondern eigentlich erst zu dem gemacht hat, was es ist, geht zum Jahresende nach Berlin.

Kultur: Stefan Kister (kir)

Stuttgart - Das ist ein herber Verlust für die Stadt und keiner, mit dem man unbedingt gerechnet hätte: Florian Höllerer, der das Stuttgarter Literaturhaus nicht nur geleitet, sondern eigentlich erst zu dem gemacht hat, was es ist, verlässt zum Jahresende seine Wirkungsstätte. Ab dem ersten Januar 2014 wird er die Führung des Literarischen Colloquiums in Berlin übernehmen. Die Mitgliederversammlung des Hauses, das Höllerers Vater Walter 1963 gegründet hat, wählte ihn zum Nachfolger des scheidenden Leiters Ulrich Janetzki. Nach dreizehn Jahren äußerst erfolgreicher Aufbauarbeit führt Höllerers Weg damit im doppelten Sinn zu den Wurzeln zurück: denn die väterliche Gründung ist zugleich gewissermaßen die Mutter aller später in vielen Städten Deutschlands entstanden Literaturhäuser.

 

Binnen dreizehn Jahren hat Höllerer das Gebäude im Bosch-Areal aus äußerst gefährdeten Anfangsgefilden zu einer der führenden Einrichtungen dieser Art gemacht, die ebenso auf eine illustre Gästeliste wie einen mittlerweile auch in finanzieller Hinsicht gefestigten Untergrund verweisen kann. Mit einer sympathischen Mischung aus intellektueller Gedankenschärfe und freundlicher Bescheidenheit prägte er das literarische Leben der Stadt und verstand es, alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen programmatisch anzusprechen, ohne dass daraus ein profilloser Gemischtwarenhandel geworden wäre. Zu den zahlreichen Reihen zählten und zählen auch Kooperationen mit der Stuttgarter Zeitung: die Essay-Reihe „Betrifft“ oder das Projekt „Extrablatt“, bei dem in loser Folge Schriftsteller und Künstler den Kulturteil der StZ gestalten.

Die Suchen nach einem Nachfolger beginnt

Bedauern und Verständnis mischen sich in der Stellungnahme des Vorstandes – und Stolz darauf, dass sich Höllerer nach Jahren erfolgreichen Wirkens in Stuttgart „diese interessante neue Perspektive eröffnet“. Neben familiären Bindungen an Berlin, war diese wohl auch ausschlaggebend für die Entscheidung: „So schwer es mir fällt von hier wegzugehen, reizt mich doch die neue Herausforderung, das ist ein Haus, in dem man andere Akzente setzen kann“, sagte der 44-Jährige der StZ. Das in diesem Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag feiernde Literarische Colloquium strahlt international aus und ist eine Talentschmiede für Autoren und Übersetzer.

In Stuttgart beginnt nun die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. „Wir sind zuversichtlich, dass das Literaturhaus auch 2014 seinen erfolgreichen Weg fortsetzen wird“, heißt es dazu seitens des Vorstands.