Liveticker zur Stuttgartnacht Was Stuttgart alles zu bieten hat

Street Art auf der Kulturinsel: Bei der Stuttgartnacht waren das Zollamt und die Kreativensiedlung Containt am Güterbahnhof in Bad Cannstatt besonders beliebt. Weitere Bilder von der Stuttgartnacht zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: factum-Weise 47 Bilder
Street Art auf der Kulturinsel: Bei der Stuttgartnacht waren das Zollamt und die Kreativensiedlung Contain't am Güterbahnhof in Bad Cannstatt besonders beliebt. Weitere Bilder von der Stuttgartnacht zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: factum-Weise

Am Samstagabend hat die Stuttgartnacht Zehntausende Kulturinteressierte in der Landeshauptstadt zusammengebracht - im und ums Rathaus, aber auch für Street Art und Travestie-Shows. Ein Rückblick in Bildern und Tweets.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - "Wow, that’s really impressing.“ Auch wer des Englischen nicht mächtig ist, wusste beim Blick ins begeisterte Gesicht von Carol Harven sofort, welch positive Empfindungen sie hatte, als sie im fünften Stock den Innenraum der Stadtbibliothek betrat. Nicht nur die Optik der Bücherei faszinierte die Amerikanerin. Auch die Musik, die an ihr Ohr drang, nahm sie gefangen. Alphorn- und Flötenklänge, dazu perkussive Elemente schwebten durch die Luft und betörten die Zuhörer.

Es waren nicht die Massen, die bei der Stuttgartnacht mit mehr als 500 Einzelangeboten am Samstag in den Büchertempel strömten. Diejenigen, die den Weg dorthin gefunden hatten, waren ob der relativen Stille und Ruhe jedoch sehr angetan. Gerade in kleineren Locations der Innenstadt drängten sich nämlich oft die Menschen, um in stickig-warmer Luft urbane Kultur zu erleben. Das war nicht immer nur Spaß.

In Bad Cannstatt, wo sich Kunstschaffende unter anderem im Zollamt und auf der Projektbrache Contain’t präsentierten, herrschte am frühen Abend alles andere als Gedränge. Nur langsam füllte sich an dem für Ende Oktober lauen Herbstabend die beim Cannstatter Güterbahnhof gelegene Kulturinsel. Dabei war hier auf engstem Raum wohl die größte Vielfalt urbaner Kultur zu erleben. Während der Künstler Daniel T. Geiger mit seiner Installation „Alles hat einen Wert“ die Besucher mal zum Schmunzeln brachte und mal verständnisloses Kopfschütteln hervorrief, fertigte Mark Bohle vor Publikum ein Diptychon aus ineinander verwobenen Figuren, Köpfen und Symbolen.

Nur wenige Meter weiter konnten die Besucher im ­Keller des Zollamts die ­eindrucksvolle Installation „Kunststoffmeer“ erleben. Wogende, mit Kunststoffbahnen künstlich erzeugte Wellen wurden dort in mal gleißendes, mal dezentes Licht getaucht und, gesteuert von den Besuchern, mal von sanften Sounds umschmeichelt, mal von donnernden Beats bestürmt. Auch der urbane Gartenbau kam nicht zu kurz: Im Schein von Kunstlicht informierte Birgit Haas, die Gründerin des Projektes „Inselgrün“, darüber, wie man in Großstädten  den Weg zurück zur Natur findet –  mit selbst angebauten Kohlsorten oder Salat.

Kunst in Containern

Nicht die Flora, sondern die Fauna  stand bei der Kunstinstallation „Staffel 1, Episode 11: Die Erbschaft“ auf dem Contain’t-Gelände im Fokus. Fides Schopp und Judith Engel präsentierten einen Streichelzoo mit Käseigel und Gummibärchen, Salzgebäckfischen und Milchvieh auf Käsescheiben. Daneben lud Hannes Trüjen im Wintergarten an seinem „Round Turntable“ dazu ein, Sounds aus  MP3-Playern, Kassettenabspielgeräten oder Miniorgeln  zu kombinieren und so neue Sounds zu schaffen. Funkige Klänge trafen auf Volksmusik, beliebiges Geklimper auf Filmmelodien, treibende Beats auf schrille Stimmen.

Die Songschreiberin Kristin Gerwien gab indes ein intimes Konzert in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon – Kontrast pur.

Im Jazzclub Bix in der Stadtmitte sorgten da bereits die Marvels mit ihrem 60s-Soul für einen Massenandrang. Dabei wollten so viele in den Club, dass sich bisweilen lange Schlangen vor dem Eingang bildeten –   wie auch vor der „Kiste“ oder bei Ratzer Records und vielen anderen teilnehmenden Kulturorten in der Stadtmitte.

Großen Zuspruch erfuhr auch die Kunstaktion mit Street-Art-Künstlern aus Stuttgart, Lodz und Straßburg vor dem Rathaus. Bis weit nach Mitternacht wurden hier Bilder in unterschiedlichsten Stilen gefertigt. Dass die Künstler nicht geschützt von neugierigen Blicken arbeiteten, störte sie dabei nicht – im Gegenteil. „Das ist absolut klasse“, schwärmte David Brascher, während er ein Selbstporträt auf den Malgrund zauberte. Ebenso erging es dem Reisezeichner Daniel Fleig, der erstmals auf einer mehr als einen Quadratmeter großen Fläche den Stuttgarter Marktplatz bannte und zwischendurch zu den über den Platz schallenden Konservenklängen auch fröhlich tanzte: „Das hat hier einfach nur superfett Laune gemacht“, so sein Kommentar.




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