„Living Planet Index 2016“ Die Menscheit lebt auf Kosten der Natur

Von /AFP 

Die Menschheit lebt immer mehr über ihre Verhältnisse. Der gewaltige Verbrauch an Ressourcen lässt auch den Lebensraum vieler Tiere schwinden und gefährdet die Existenz des Menschen selbst. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Leben im Käfig: Junger Tiger in einer Tigerfarm im thailändischen Bangkok . Foto: Adam Oswell/WWF 15 Bilder
Leben im Käfig: Junger Tiger in einer Tigerfarm im thailändischen Bangkok . Foto: Adam Oswell/WWF

Berlin - Die eine Spezies kommt, andere Spezies müssen weichen. Irgendwann wird auch die dominante Art gehen. So etwa lässt sich kurz und knapp der Umgang des Menschen mit seinen Mitgeschöpfen und seine eigene Zukunft beschreiben.

Die ungebremste Expansion des Menschen auf der Erde hat zerstörerische Folgen für die anderen Bewohner des Planeten. Die Umweltschutzorganisation Word Wildlife Fund (WWF) hat dieser bedrohlichen Entwicklung eine 145-seitige Studie gewidmet: „Living Planet Index 2016“. Für den am Donnerstag (27. Oktober) in Berlin vorgestellten Report (die Kurzfassung auf Deutsch finden Sie hier) sind die weltweiten Bestände von mehr als 14 000 Wirbeltierarten untersucht worden.

Im Schnitt sind die Bestände zwischen 1970 und 2012 um knapp 60 Prozent geschrumpft. Der Rückgang betrifft alles, was auf der Erde kreucht und fleucht: Säugetiere, Fische, Vögel, Amphibien und Reptilien. „Ein großer Fluss wie der Kongo in Afrika ist fast vollständig leergefischt“, sagt Christoph Heinrich aus dem Vorstand des WWF Deutschland.

Lebensbedrohlicher Burn-Out der Erde

Die Fauna des Planeten schwinde „in beispiellosem Tempo“, warnt Marco Lambertini, Generaldirektor des WWF International, welcher die Untersuchung gemeinsam mit der Zoological Society of London und dem Global Footprint Network alle zwei Jahre erstellt. „Wir können ziemlich genau nachweisen, dass die Menschheit seit den 70er Jahren den Planeten deutlich übernutzt. Und das wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, so Heinrich. „Die Menschheit treibt die Erde in einen lebensbedrohlichen Burn-Out.“

Sechstes Artensterben

Während die Welt der Tiere schrumpft, expandiert die der Menschheit. Die Zahl der Menschen hat sich seit 1960 auf 7,4 Milliarden verdoppelt. Das Sterben von Arten ist ein natürlicher Vorgang und das Schicksal jeder Population – höchstwahrscheinlich auch des „Homo sapiens“. In den zurückliegenden Erdzeitaltern gab es fünf große Massensterben. Derzeit erlebe der Planet durch das Einwirken des Menschen seine sechste „Massenauslöschungsperioden“, warnen die Forscher (hierzu auch das Buch der US-Wissenschaftsjournalistin und Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Kolbert „The Sixth Extinction“ – „Das sechste Sterben – Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt“, Berlin 2015)

Doch es gibt einen Unterschied: In der Urzeit hatte das Aussterben natürliche Ursachen – Einschläge von Asteoriden-und Meteoriten, Klimawandel, Vulkanismus, verdunstende Meere. Heute ist es der Mensch, der versucht Evolution zu spielen und damit sein eigenes Überleben riskiert. Durch Intensiv-Landwirtschaft, Brandrodung, Umweltverschmutzung und Überfischung raubt er immer mehr Tieren und Pflanzen ihren Lebensraum. An jeder bedrohten Art hängen weitere, die für das Überleben als Nahrung oder Symbiose-Partner unentbehrlich sind. Am Ende dieser Nahrungskette steht der Mensch, der sich sein eigenes Grab schaufelt.

„Ungemütliche Zeiten brechen an“

„Ohne Einsicht und Veränderungsbereitschaft brechen in den globalisierten Gesellschaften des Anthropozäns (Zeitalter des Menschen) ungemütliche Zeiten an“, lautet das Fazit des WWF-Reports. Die Befunde seien „ein Weckruf, um die Erholung dieser Populationen voranzutreiben“, erklärt Ken Norris, Forschungsdirektor der Zoological Society of London.

Wenn die Menschen mit den natürlichen Ressourcen weiter so verschwenderisch wie bisher umgehen, benötigen sie bis 2030 zwei Planeten, um ihren Bedarf an Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken (im Moment liegt der Faktor, um den die Menschheit die Biokapazität der Erde überlastet, bei 1,6). Bis 2050 würden es sogar drei Erden sein, prognostiziert der WWF. Das klingt fast wie ein Schwanengesang auf die Menschheit.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.wwf-warnt-vor-kollaps-der-meere-leergefischte-ozeane.4a5d875d-e5f6-4fdf-84bf-f94f2f892e8c.html

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.welterschoepfungstag-die-erde-ist-am-limit.2b9d4571-f529-4b50-ae01-6e93deb9747e.html