Lob für Geislingens Türken Eine Absage an Gewalt und Provokation

In Geislingen leben zahlreiche Bürger türkischer Abstammung. Auf Einladung des Oberbürgermeisters haben ihre Vereinsvertreter  jetzt eine Anti-Gewalt-Erklärung unterzeichnet. Foto: Pascal Thiel
In Geislingen leben zahlreiche Bürger türkischer Abstammung. Auf Einladung des Oberbürgermeisters haben ihre Vereinsvertreter jetzt eine Anti-Gewalt-Erklärung unterzeichnet. Foto: Pascal Thiel

Der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer ist stolz auf seine türkischen Mitbürger, die eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben.

Region: Corinna Meinke (com)
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Geislingen - Mit einer gemeinsamen Erklärung haben alle neun türkischen Geislinger Vereine ihren Willen zu einem respektvollen und gewaltfreien Umgang untereinander bekräftigt. Das Sechs-Punkte-Papier hatte der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer formuliert vor dem Hintergrund wachsender Gewalt zwischen Erdogan-Anhängern und Erdogan-Kritikern in Deutschland.

„Gewalt hat bei uns keinen Platz“

Nachdem es offenbar auch unter Geislingern türkischer Abstammung erste Anzeichen von Konflikten in Form von verbalen Auseinandersetzungen nach dem Putschversuch in der Türkei gegeben hatte, reagierte Frank Dehmer jetzt mit dieser Anti-Gewalt-Erklärung.

„Gewalt hat bei uns in Geislingen keinen Platz“, sagte Dehmer. Er habe Verständnis, dass die politische Krise in der Türkei „auch unsere türkischen Mitbürger bewegt. Es gibt unterschiedliche politische Meinungen unter ihnen, das ist kein Geheimnis.“ Der Verwaltungschef zeigte auch Verständnis dafür, dass kontrovers diskutiert werde, aber Gewalt habe hier nichts zu suchen. „Die meisten Vorstände unserer türkischen Vereine kennen sich schon seit Jahrzehnten, sie sind zusammen in die Schule gegangen, und sie treffen sich bei den gemeinsamen Arbeitgebern“, beschrieb Dehmer den Geislinger Alltag. Man habe bereits so viele Jahre friedlich miteinander gelebt, das dürfe man sich nun nicht kaputt machen lassen, appellierte der Oberbürgermeister an alle Beteiligten.

Alle neun Vereine haben unterschrieben

Am Mittwochabend setzten auf Einladung Dehmers alle neun Vertreter der türkischen Vereine in Geislingen im Beisein von Dehmer, Jens Rügner, dem Leiter des Geislinger Polizeireviers, dem Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner und dem Integrationsbeauftragten Rudi Ebert ihren Namen unter die Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören die Alevitische Gemeinde, das Bildungszentrum an der Steige, der Verein Ditib, der Kultur- und Sportverein Genclik, der Jugend- und Kulturverein Mosaik, der Heimatverein Sarikizköyü, der türkische Sportclub TKSV, der Türkische Idealistenverein und die Geislinger Niederlassung des Verbands der Islamischen Kulturzentren, kurz VIKZ.

Der OB will zum Freitagsgebet kommen

„Ich bin stolz auf die Vorsitzenden unserer türkischen Migrantenvereine, die ohne zu zögern diese Erklärung gemeinsam unterzeichnet und zugesagt haben, dass sie dies auch in ihren Vereinen und den Moscheen ihren Mitgliedern gegenüber vertreten werden, lässt sich Dehmer zitieren. Polizei und Ordnungsamt würden aber auch künftig stets ein waches Auge haben. Dehmer kündigte an, das Papier, das keinerlei politische Wertung enthalte, nach den Ferien beim Freitagsgebet in der Geislinger Moschee vorzustellen und für dessen Inhalte zu werben. Außerdem wolle er die städtischen Mitarbeiter weiter für das interkulturelle Zusammenleben sensibilisieren. In dem Papier erklären sich die Unterzeichner zum respektvollen Umgang miteinander bereit, sie weisen Provokationen gegenüber Andersdenkenden zurück und verurteilen aufs Schärfste die Androhung von Gewalt gegen das Eigentum oder die Gesundheit von anders denkenden Mitmenschen. Außerdem wird bekräftigt, die Verfassung und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland zu achten.




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