Lobbyismus Auf ein Mittagessen mit dem Staatssekretär

Von Markus Grabitz 

Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch pflegt einen engen Kontakt zum Spitzenbeamten des Bundesumweltministeriums – Staatssekretär Jochen Flasbarth. Auch ins Wirtschaftsministerium hat eine Tochter der Organisation einen guten Draht.

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch demonstriert im September bei der Eröffnung der Internationalen Automobilmesse IAA gegen den Diesel – öffentlichkeitswirksam mit einer Atemschutzmaske. Foto: dpa
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch demonstriert im September bei der Eröffnung der Internationalen Automobilmesse IAA gegen den Diesel – öffentlichkeitswirksam mit einer Atemschutzmaske. Foto: dpa

Berlin - Nicht nur die Unternehmen und Verbände versuchen die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Auch die Organisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) unterhält intensive Kontakte ins politische Berlin – über verschiedene Kommunikationskanäle bis in die obersten Etagen von Bundesministerien und dem Umweltbundesamt. So hat sich etwa Jürgen Resch, Geschäftsführer der Umwelthilfe, im vergangenen Jahr immer wieder mit dem beamteten Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, am Telefon und persönlich besprochen. Dies geht aus Antworten der Ministerien im Zusammenhang mit Recherchen dieser Zeitung zu einem informellen Netzwerk der Dieselgegner hervor.

Es gibt zudem eine Geschäftsbeziehung zwischen der Organisation und dem Bundeswirtschaftsministerium. Eine Tochter der Umwelthilfe, die sogenannte DUH-Umweltschutz Service GmbH, steht zum Ministerium in einem Dienstleisterverhältnis. Die Tochter der DUH wird dafür bezahlt, dass sie Dialogveranstaltungen für Bürger im Zusammenhang mit dem Ausbau des Stromnetzes durchführt. Der langjährige ehemalige Geschäftsführer der Umwelthilfe, Rainer Baake, ist seit 2014 beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Die schriftlichen Antworten der Behörden bestätigen die Recherchen

Wie diese Zeitung Mitte September berichtete, profitiert DUH-Chef Resch, der die Debatte über Schadstoffausstoß und Spritverbrauch maßgeblich beeinflusst und immer wieder Fahrverbote für Dieselfahrzeuge fordert, von Kontakten zu Ministerien und Behörden, die in Jahrzehnten gewachsen sind. Eine wichtige Rolle bei den Kampagnen der DUH spielt zudem der ehemalige Beamte aus dem Umweltbundesamt, Axel Friedrich, der seit seiner Pensionierung unter anderem als Sachverständiger und „Berater“ für die Umwelthilfe auftritt.

Unsere Zeitung hat sich bei der Anfrage auf das Informationsfreiheitsgesetz berufen. Die Behörden sind ihrer Auskunftspflicht nachgekommen und haben dabei die Frist von vier Wochen ausgeschöpft. Die schriftlichen Antworten der Behörden bestätigen die Recherchen und belegen, wie gut der Draht ist. Dies fällt vor allem im Fall des Bundesumweltministeriums auf. Im Verlauf des vergangenen Jahres gab es immer wieder Telefonate, Mittagessen, „spontane bilaterale Gespräche“ sowie Mailkontakt zwischen hohen Beamten des Ministeriums und der DUH. So führte etwa Jochen Flasbarth, der Staatssekretär ist Stellvertreter von Ministerin Barbara Hendricks (SPD), Anfang September 2016 ein Telefonat mit Resch. Laut Auskunft des Ministeriums war dies ein „allgemeiner Austausch über Umweltpolitik“. Zwei Monate später trifft Flasbarth dann Resch zu einem Mittagessen. Die beiden speisen unter vier Augen. Als Gegenstand des Gesprächs vermerkt das Haus wiederum „allgemeiner Austausch über Umweltpolitik“. Unter anderem ist es um das Thema Luftreinhaltung gegangen.

Immer wieder gibt es informelle Kontakte

Immer wieder gibt es informelle Kontakte. Am Rande von öffentlichen Veranstaltungen oder Konferenzen kommt es zu „spontanen bilateralen Gesprächen“. Wiederholt vermerkt das Protokoll des Ministeriums dabei auch, dass der „Berater“ der Umwelthilfe, Axel Friedrich, beteiligt ist. Offensichtlich sprechen sich das Ministerium und die DUH aber auch in offiziellen Runden ab. So empfängt Staatssekretär Flasbarth etwa Mitte Juni den Co-Geschäftsführer der Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, im Ministerium mit großem personellem Aufgebot. Flasbarth hat seinen Büroleiter dabei sowie zwei Abteilungsleiter des Ministeriums. Es findet unter anderem ein „Austausch zu den Themen Naturschutzpolitik und Grün in der Stadt“ statt. Allein 30 Kontakte in den betreffenden dreizehn Monaten führt das Bundeswirtschaftsministerium zur Umwelthilfe auf und weist darauf hin, dass es womöglich noch mehr gab: „Eine lückenlose Auflistung geführter Gespräche kann nicht gewährleistet werden.“ Das Umweltbundesamt beteiligt sich regelmäßig an sogenannten Fachgesprächen, zu denen die Umwelthilfe in die eigenen Räumlichkeiten am Hackeschen Markt lädt. Bei diesen Runden, etwa Ende Mai zum Thema „Wie lassen sich ehrliche Spritverbrauchsangaben für Pkw durchsetzen?“, nehmen häufig Dutzende von Lobbyisten aus der Umweltszene wie auch aus der Wirtschaft teil.

4 Kommentare Kommentar schreiben

Fake News: Die Fakten: Seit rund 10 Jahren betrügen die Autofirmen die Kunden - Fast alle Dieselmotoren schalten die Abgasreinigung unterhalb von 10 Grad ab! Mit Milliarden Gewinn, und der zuständige Verkehrsminister Dobrindt machte nix - erfolgreiche Lobbyarbeit eben. Seit 5 Jahren gibt es fertig einbaubare Nachrüstungssätze (z.B. größere Adblue-Tanks), die dies Problem beheben ... sie werden bis heute von der Regierung nicht eingefordert - Lobbyismus eben. Stattdessen wird jetzt versucht, die erfolgreich aufdeckende Umwelthilfe zu diskreditieren: Uiiih - sie hat Kontakte zur Regierung! Und betreibe Lobbyismus" - wofür eigentlich? Die StZ als willfährige Mitspielerin einer Schmutzkampagne gegen aufklärende NGOs - schämt Euch!

Gut so Umwelthilfe!: Dieser Artikel ist krotesk bis offensichtlich gezielt tendenziös. Angesichts einer quasi institutionalisierten massiven Autolobby, die Gesteze und Vorschriften seit Jahrzehnten entscheiden mitschreibt und aktuell quasi unbehindert und ungestraft durch staatliche Orgnane mit Milliardenschäden für Natur, Mensch und Wirtschaft Bestimmungen und Gesetze in voller betrügerischer Absicht ignorieren und umgehen konnte wird jetzt veruscht die Deutsche Umwelthilfe als schnöde egoistische Lobbyorganisation zu beschmutzen. Es ist bezeichnend genug, das eine private Organsation auf Initiative eines engagierten und geschickten Protagonisten federführend für Umweltschutz in Deutschland ist. Es ist offensichtlich, das es für Umweltschutz sonst keine wirkliche Lobby im Staat gab und gibt. Wo wären wir denn ohne die Gott sei Dank sehr professionelle und konsequente DUH? denn vor allem auch die Presse hat, bis auf die üblichen konzernfreundlichen Absatzjubelartikel und die ertragreichen Großanzeigen der Autoindustrie, aber auch gar nichts vom üblen und stinkenden Lobbysumpf von Politik und Autoindustrie aufgedeckt. Nein sogar im Gegenteil den Betrug durch Untätigkeit gedeckt! Aber jetzt investigativ und kritisch die führende und Umweltlobbyisten der Repuplik anschwärzen wegen Ihren zutiefst egoistischen Absicht eines konsequenten Umweltschutzes. Ich glaube das gar nicht!

Gleich Lanzen: Ich halte es für richtig, das eine Organisation wie die DUH Kontakte zu den Ministerien hält da, davon auszugehen ist das auch die Autohersteller über gleich Gute oder Bessere Kontakte in die Politik verfügen. Die DUH setzt sich für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung ein der von den Autohersteller und auch von der Politik als nachrangig eingestuft wird.

Skandal: Resch und DUH die Totengräber der deutschen Wirtschaft! Die sind noch schlimmer als der BUND. Die STZ sollte auch noch recherieren mit welchen Richtern und Staatsanwälten Resch schon beim Essen war.

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