Loblied aufs Binokeln Hosa rondr! Trompf raus!

Binokel-Asse (von li.) in schwäbischer Lesart: Kreiz, Schibba, Bolla, Herz. Foto:  

Kolumnist NITZ fürchtet, dass ein gutes altes schwäbisches Kartenspiel aussterben könnte. Ein Warnrufe dazu hat ihn ausgerechnet aus Berlin erreicht.

KNITZ hat zwar keinen Koffer in Berlin, aber immerhin kennt er dort ein paar Schwaben.

 

Kürzlich war einer jener Schwaben in Stuttgart – und obwohl er schon lange in Berlin lebt und sich dort pudelwohl fühlt, würde KNITZ von Heimaturlaub sprechen.

Nicht nur zum Glühweintrinken nach Stuttgart gekommen

Auf Heimaturlaub tat der Schwabe das, was viel Auswärtige in diesen Tagen tun: Er besuchte den Stuttgarter Weihnachtmarkt – und traf sich dort mit ein paar Schwaben, die es nie bis nach Berlin geschafft haben. Also wenigsten nicht für längere Zeit.

Wenn er schon mal hier ist, dachte sich der Schwabe, dann will er die Zeit nicht nur mit Glühweintrinken verbringen. Er will sie auch nutzen, um etwas zu besorgen, was er daheim in Berlin nicht bekommt. Nein, die Rede ist nicht von Peitschenstecken oder einem Ring gut abgehangener Schwarzwurst, der Mann ist Vegetarier. Er dachte an ein Spiel, an Binokelkarten, in Fachkreisen als württembergisches Blatt bekannt.

Binokel? Das Personal verstand nur Bahnhof

In sage und schreibe SIEBEN (!) Geschäften wurde der Berliner Schwabe vorstellig – aber nirgends konnte ihm geholfen werden. Und als er wieder in Berlin war, erreichte KNITZ auf Umwegen folgende Nachricht: „Schön war’s hier. Aber sag’ dem Meister KNITZ, ich hätte noch zwei weitere Versuche unternommen, Binokelkarten zu bekommen. Ohne Erfolg. Ich war also in insgesamt neun Geschäften. Ich bin mir nicht sicher, ob irgendeine Person überhaupt begriffen hat, was ich will.“

Ähnlich erging er KNITZ, der natürlich nach dieser Nachricht ebenfalls ein paar Geschäfte abgeklappert hat – aber dort weder besagte Karten bekam, noch auf Menschen stieß, die mit dem Begriff Binokel etwas anfangen konnten.

Glückstreffer beim Getränkehändler des Vertrauens

Aber für was hat man gute Freunde. Nicht nur, um auf dem Weihnachtsmarkt den Glühwein nicht allein süffeln zu müssen. Sie können einem auch bei anspruchsvollen Rechercheaufgaben zur Hand gehen. Und siehe da, sie wurden fündig, beim Getränkehändler ihres Vertrauens.

Der meinte, sich dran zu erinnern, dass er irgendwo noch Binokelkarten haben müsste – und fischte drei Sets aus einer Schublade. Originalverpackt! Die würden wohl schon an die fünfzehn Jahre hier herumliegen, meinte der Getränkehändler. Ein Werbegeschenk der Felsengartenkellerei Besigheim.

Bei Amazon wurde der Schwabe aus Berlin fündig

Natürlich ist unser Berliner Schwabe inzwischen auch nicht untätig geblieben. Er hat sich bei Amazon Binokelkarten besorgt – für 3,19 Euro. „Eigentlich absurd billig“, schreibt er. Aber womöglich wird es ihn noch mehr freuen, wenn ihm demnächst Binokelkarten ins Haus flattern. Von der Felsengartenkellerei Besigheim.

Immerhin ist KNITZ dem Schwaben in Berlin zu Dank verpflichtet: Er hat ihn daran erinnert, dass er dringend mal wieder ein paar Runden Binokel klopfen muss. Was gibt es Schöneres, als genussvoll ein Trumpf-Ass anzuspielen – garniert mit dem Spruch: „Hosa rondr! Trompf raus!“

Wer will schon einen BMW mit Mercedesstern auf der Haube?

PS: Vermutlich könnte man sich zur Not eine Art Binokelspiel aus anderen Kartenspiel zusammenstupfen. Aber Hand aufs Herz: Man schraubt sich ja auch keinen Mercedesstern auf die Haube eines BMW, wenn man einen Daimler fahren will.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Berlin Weihnachtsmarkt