So nehmen beim städtischen Kitaträger knapp 1300 der 8500 Kinder die Notbetreuung in Anspruch, wie Bernd Mattheis berichtet, der Vizechef des Stuttgarter Jugendamts. „Wir haben eine schriftliche Bestätigung vom Arbeitgeber verlangt, dass die Eltern unabkömmlich sind“, sagt er. Die Vordrucke habe man ja noch vom Frühjahr gehabt und aus der Schublade gezogen. Schließlich hätten die Kitas das ja gleich am Montag an die Eltern weitergeben müssen, damit der Bedarf bis Mittwoch organisiert habe werden können.
Erst am Dienstag war klar, dass es keine förmlichen Vorschriften für Notbetreuung gibt
Erst am Dienstag habe das Kultusministerium in seinen Handreichungen dazu erklärt, dass es keine förmlichen Vorschriften für die Inanspruchnahme der Notbetreuung gebe. Doch diese Information hat offenbar nicht mehr alle Betroffenen rechtzeitig erreicht.
Beim evangelischen Kitaträger ist man von vornherein anders an die Sache herangegangen: „Wir haben gesagt, wir nehmen alle, die ein Betreuungsproblem haben“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer – etwa auch wegen zu pflegender Angehöriger oder wenn die Mutter kurz vor oder nach der Geburt stehe und die Geschwisterkinder versorgt werden müssten. „Wir schauen auf die Gesamtsituation der Familien und auf das Kindeswohl“, sagt Schulze-Gronemeyer. Von 5500 Kindern seien in dieser Woche 3500 in der Notbetreuung, in der nächsten Woche würden viele Kinder zu Hause bleiben, im Januar sei der Bedarf wieder größer. „Die Eltern mussten verbindlich angeben, an welchen Tagen sie Notbetreuung brauchen – die Einrichtungen müssen ja planen.“
Kitaträger und Eltern wünschen sich mehr Planungssicherheit
Im Unterschied zum Frühjahr gehe die Arbeit für das Personal ja weiter. „Wir haben fürs pädagogische Personal eine Schnelltest-Stelle im Hospitalhof eingerichtet, das hat sich sehr bewährt“, so Schulze-Gronemeyer. „Wir können 20 Tests am Tag machen, das entspannt die Situation.“ Denn die Angst vor Ansteckung sei ja nach wie vor da. „Wir hoffen, dass bald Klarheit herrscht – wir müssen länger planen können. Wenn wir da definierte Szenarien hätten, wäre das sehr hilfreich“, so Schulze-Gronemeyer.
Genau das wünschen sich auch die Eltern. Man verstehe zwar, „dass der Lockdown unvermeidbar ist, allerdings erwarten wir klare und verbindliche Perspektiven für Kitas“, erklärt Katalin Elsner vom Gesamtelternbeirat der städtischen Kitas. Etliche Eltern hätten sich darüber beschwert, dass die Maßnahmen erneut so kurzfristig gekommen seien.
Gut sei, so Elsner, „dass man nicht mehr drüber diskutieren muss, dass auch Homeoffice eine Notbetreuung rechtfertigt“. Ihr sei kein Fall bekannt, in dem Eltern die Notbetreuung verwehrt worden sei. Nun hoffe man auf eine rasche Wiederöffnung der Kitas und Bildungseinrichtungen. Und: „Es muss selbstverständlich sein, dass die Erstattung der Gebühren automatisch erfolgt.“
Die Stadt prüft einen Verzicht auf Elternbeiträge
Hierzu kündigte Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) an, die Stadt werde den Einzug der Kitagebühren für Januar vorerst aussetzen. Ob man für die Zeit der Kitaschließung tatsächlich auf die Elternbeiträge verzichte, darüber werde der Gemeinderat entscheiden. Dabei müsse auch berücksichtigt werden, inwieweit sich Bund oder Land am Ausgleich der Einnahmeausfälle beteiligen.
An den Schulen scheint die Notbetreuung offenbar nicht so gefragt zu sein, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. So seien es an der Schwabschule nur 18 Kinder – „die gleichen Familien wie im März“, berichtet Rektorin Elisabeth Tull. „Wir haben mit mehr gerechnet. Aber manche Eltern haben am Mittwoch noch mal zurückgezogen“, berichtet sie. Offenbar stehe die Sorge um eine mögliche Infektion im Vordergrund.
Nur Grundschüler in der Notbetreuung
Auch an der Grundschule der Rosensteinschule im Norden seien nur 15 Kinder in der Notbetreuung, berichtet Rektor Detlef Storm. „Angemeldet waren 20.“ Manche lernten dabei Mathe nach, andere hätten gemeinsam gevespert oder Spiele gemacht. Aus der Werkrealschule hätten sich keine Schüler für die Notbetreuung gemeldet. Und die Schüler der Prüfungsklassen hätten seit Mittwoch Online-Unterricht. „Der hat um 8 Uhr begonnen“, so Storm. Das funktioniere mit den iPads gut. Von Klasse zehn habe er jedenfalls die Rückmeldung, dass dies bei allen Schülern geklappt habe, selbst in den Flüchtlingsheimen. Es sei ein Glück, dass wenigstens für diese Klassen der Probefernlerntag zuvor noch habe stattfinden können.