Lockdown, Homeoffice, geschlossene Schulen Das denken die Stuttgarter über die neuen Corona-Maßnahmen

Bis Mitte Februar gilt der Lockdown. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 6 Bilder
Bis Mitte Februar gilt der Lockdown. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Lockdown geht bis mindestens Mitte Februar in die Verlängerung. Einige Maßnahmen wie die Maskenpflicht werden verschärft. Was halten die Bürgerinnen und Bürger von den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz? Wir haben uns in Stuttgart umgehört.

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Stuttgart - Am Dienstag haben Bund und Länder eine weitere Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar beschlossen. Die nächtliche Ausgangssperre für Baden-Württemberg bleibt bestehen, Home Office soll überall da, wo es geht, gemacht werden, im ÖPNV und beim Einkaufen wird das Tragen von medizinischen Masken Pflicht. Und auch die Schulen und Kitas bleiben weiter zu – Baden-Württemberg will hier allerdings einen Sonderweg gehen und ab dem 1. Februar schrittweise die Schulen und Kitas öffnen, sofern es die Infektionslage zulässt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann appellierte am Dienstagabend in einem Videostatement an die Bürger: „Halten Sie durch!“

Sorgen um die Kita- und Schulkinder

Halten die Bürger durch? Und wie bewerten sie die jüngsten Entscheidungen der Politik? Wir haben Passanten auf der Stuttgarter Königstraße gefragt. „Schulen sollten auf jeden Fall wieder geöffnet werden“, sagt Vivica Wolff. „Ich merke, wie die Schulkinder sehr darunter leiden, ihre Freunde nicht mehr sehen zu können. Sie sitzen zu Hause vor den Laptops, können nicht richtig lernen“, so die 18-jährige Jura-Studentin aus Ostfildern. Kinder, die keine Unterstützung seitens der Eltern hätten oder keine ausreichende technische Ausstattung fielen weit zurück.

Lesen Sie hier: Das sind die neuen Beschlüsse

Vera Mundschenk sieht die Beschlüsse positiv, wenngleich sie Verständnis dafür hat, dass Eltern wegen des Homeschoolings an der Belastungsgrenze seien. „Ich muss als Hausfrau und Mutter selbst nicht arbeiten, und für mich ist das schon schwierig“, sagt sie. Trotzdem: „Ich bin dafür, dass die Infektionszahlen heruntergefahren werden. Ich bin auch sehr zufrieden mit unserer Landesregierung, was die Ausgangssperren angeht“, so die 48-jährige Stuttgarterin. Noch immer seien viele Menschen ohne Maske unterwegs, die Einhaltung der Regeln müsse man noch besser überwachen.

Manche bevorzugen kurzen, aber harten Lockdown

Auch Bernd Meyer zu Berstenhorst findet die Beschlüsse grundsätzlich in Ordnung. „Ich hätte es begrüßt, wenn es bundesweit eine Ausgangssperre gegeben hätte“, sagt der 70-jährige Rentner aus Stuttgart. Den von Ministerpräsident Winfried Kretschmann angekündigten Sonderweg Baden-Württembergs, der eine frühere Öffnung von Kitas und Grundschulen vorsieht, sieht Meyer zu Berstenhorst skeptisch: „Ich wünsche mir, dass man das auch wirklich von den Infektionszahlen abhängig macht und nicht auf Teufel komm raus aufmacht.“ Steffen Köger wiederum gehen die Beschlüsse nicht weit genug. „Auf jeden Fall strenger“ hätten diese aus Sicht des SSB-Busfahrers ausfallen müssen. „Lieber kurz und streng als dieses ewige Weitergewurschtel“, so der 49-jährige aus der Nähe von Aalen. Die missliche Lage führt er auf die Weihnachtszeit zurück, die man „verpennt“ habe. „Da hätte man alles mal drei Wochen komplett runterfahren können, aber man hat es nicht gemacht“, so Köger. Auch die Kontrolle der geltenden Regeln hält er nicht für ausreichend. „Es gibt genügend Läden, die Schlupflöcher nutzen und trotzdem aufmachen, obwohl sie es nicht dürften. Aber das ist doch nicht Sinn der Sache“, sagt Köger.

Medizinische Masken gehen ins Geld

Sylvia Meves hingegen hält die getroffenen Beschlüsse für sinnvoll. Einen Punkt sieht sie allerdings kritisch: die FFP2-Masken, die neben anderen medizinischen Masken zur Pflicht werden, seien sehr teuer. „Das sind ja eigentlich Einwegartikel. Ich befürchte, dass die Leute sie länger benutzen, eben weil sie so teuer sind. Dann ist aber der Schutz hinfällig“, sagt die 67-jährige Rentnerin aus Stuttgart. Die Masken müssten deshalb günstiger werden.

Das Drängen der Politik auf mehr Home Office hält Meves für richtig. Die Schließung der Schulen bereitet ihr dagegen Bauchschmerzen. „Der Übertragungsweg kommt nicht über die kleinen Kinder, das ist bekannt. Ich habe Angst, dass die kleinen Kinder hinten runterfallen.“ Auch die 22-jährige Ceren Kütahya sieht die weitere Schließung der Schulen kritisch.

„Ich bin Azubine. Der Online-Unterricht ist sehr kompliziert, wir kommen mit dem Stoff viel weniger mit.“ Auch die Ausgangssperre ab 20 Uhr sieht sie kritisch. „Wir sind oft um 19.30 Uhr mit der Arbeit fertig – danach ist der Tag dann tot“, so Kütahya.




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