Lockdown im Kessel Stuttgarter Locations, die wir Stadtkinder vermissen

Long time no see! Viele unsere Lieblingslocations in Stuttgart sind momentan geschlossen.  Foto: Unsplash/Anastasiia Chepinska 4 Bilder
Long time no see! Viele unsere Lieblingslocations in Stuttgart sind momentan geschlossen. Foto: Unsplash/Anastasiia Chepinska

Durch die Pandemie kennen wir die Cafés im Kessel nur noch to go, haben unsere Lieblingsbar oder -club schon seit über einem Jahr nicht mehr von innen gesehen und nicht alle haben die Corona-Krise überstanden. Long time no see. Diese Stuttgarter Locations vermissen wir momentan besonders. 

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Stuttgart – Lange sind sie her, die Zeiten, in denen wir unbeschwert im Café, Restaurant und in unserer Lieblingsbar saßen oder die Nacht in Stuttgarts Clubs durchgetanzt haben. Ja, die Pandemie und der Lockdown haben das Großstadtleben und vor allem das Nachtleben im Kessel ziemlich durcheinander gebracht. Couch statt Club und Bananenbrot statt Bar-Hopping wurden zum neuen Lifestyle. Und auch, wenn Restaurants, Cafés und Bars teilweise mit Takeway-Angeboten für uns da sind und die Clubs immer wieder DJ-Sets live streamen – die Atmosphäre und die vielen tollen Menschen in unseren Lieblingslocations gibt es einfach nicht to go.

Cafés, Bars und Clubs, die wir sehr vermissen 

Die einen befinden sich seit über einem Jahr im Lockdown, andere sind inzwischen Geschichte. Wir verraten euch, welche Stuttgarter Läden uns momentan besonders fehlen.

Dilayla (Alessandra Coronato)

Ja, richtig gelesen. Ich vermisse das unterirdische Paralleluniversum in der Eberhardstraße. Und zwar mit Leib und Seele. Ich vermisse seine kleinen und großen Kuriositäten, vermisse es, den Perserteppich-bedeckten Dancefloor unsicher zu machen, die ungezwungenen Abende, die Bässe und Beats, die aus den Boxen dröhnen und für ordentlich Nostalgiegefühle sorgen, aber vor allem vermisse ich eines: Menschen um mich herum, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Denn die Türpolitik des Dilaylas ist eigentlich keine. Egal, wie jemand aussieht, wo jemand herkommt oder ob nun Anzughose oder Jeans das Tanzbein verhüllt. Hier darf jede:r feiern, die oder der Bock auf ne ordentliche Party hat. Für mich das schönste an diesem Laden. Ich hoffe sehr, dass es bald wieder heißt: „Was im Dilayla passiert, bleibt im Dilayla.“

Dilayla, Eberhardstr. 49, Stuttgart-Mitte 

 

Rakete (Carina Kriebernig)

Sie ist gut und gerne verraucht, kommt ohne Chichi aus, der Sekt wird mit viel Eis serviert und man trifft dort ziemlich leiwande Leute: Die Rakete im Theater Rampe ist so viel mehr als eine Theaterbar. Ob DJ-Sets im Atelier, die bis zum ersten Vogelgezwitscher andauern, die wöchentliche Montage-Reihe oder einfach ein letzter Drink mit den Theatermacherinnen der Rampe – manche würden das Sitzen am Tresen auch als eine Art Lebensgefühl beschreiben. Zum Glück kann man das Überleben dieser Institution durch eine Mitgliedschaft beim Raketenradio unterstützen. Bis bald geliebte Rakete – ich vermiss dich!

Rakete im Theater Rampe, Filderstr. 47, Stuttgart-Süd

Condesa (Joachim Baier)

Zwar hat das Condesa am Marienplatz, wie so viele andere Cafés, auf to go umgestellt. Trotzdem vermisse ich es so sehr, auf den Bänken (oder inzwischen Stühlen) am Condesa in der Sonne zu sitzen. Ob zum Kaffee oder auf ein Radler, der Sommer am Marienplatz war immer unbeschwert und hat ein bisschen das Dolce-Vita-Feeling in den Kessel gebracht. Inzwischen ist der Betonplatz im Stuttgarter Süden weiterhin voll, in Zeiten von Corona oft sogar ein bisschen zu sehr. Alles ist so anders geworden. Ach, wie ich diese Condesa-Tage in der Stuttgarter Sonne vermisse. Hoffentlich schon ganz bald wieder. 

Condesa, Marienplatz 11, Stuttgart-Süd 

Er Vaquita (Björn Springorum)

Mir fehlt einiges. Auf manches kann ich nach über einem Jahr Pandemie besser verzichten als auf anderes. Besonders schwer fällt mir mein Leben seit sechs Monaten aber ohne das Er Vaquita im Stuttgarter Westen. Ein Spanier wie aus dem andalusischen Märchenbuch, rustikal, herzlich, brummend. Reinkommen, hinsetzen, wohlfühlen, alles loslassen. Frittierte Sardellen, dazu ein kleines Glas Bier, später Pulpo mit einer Flasche Fino-Sherry, das ist Kurzurlaub in reinster Form. Zweites Wohnzimmer, Lieblingsrestaurant, Stammkneipe, home away from home oder wie man das auch sonst nennen mag: Er Vaquita, du fehlst mir!

Er Vaquita, Vogelsangstraße 41, Stuttgart-West 

Suessholz (Lili Oberdörfer)

Das Suessholz ist für mich ein bisschen Heimat, ein Ort, an dem immer jemand ein offenes Ohr hat. Der Kuchen von Adi, die Lieblingsmenschen hinter der Bar und die durchzechten Nächte fehlen einfach! Ich vermisse einfühlsame Gespräche auf der Treppe, den Kessler auf der Sonnenterrasse und das familiäre Gefühl, das am Sonntagmittag mit Kaffee und Kuchen aufkam. Manchmal fahre ich am am Wilhelmsplatz vorbei und mir fällt auf, wie viele Stunden ich dort vor der Corona-Pandemie verbracht habe – ich hoffe, dass das bald wieder möglich ist!

Suessholz, Wilhelmsplatz 3, Stuttgart-Mitte 

Dresden Bar (Joachim Baier)

Das Dresden am Marktplatz ist für mich so unfassbar einzigartig und wertvoll. Denn in fast keinem anderen Laden habe ich so viele guten Partys erlebt wie hier. Auf engstem Raum tanzen viele Menschen (heute kaum vorstellbar), es ist unfassbar heiß und verraucht (vor allem seit die Fenster nicht mehr geöffnet werden dürfen). Und trotzdem, oder gerade deswegen, ist jeder Abend im Dresden genial, die Stimmung immer super, die Getränkeauswahl an der Bar top und die gespielten DJ-Sets sowieso. Am Stuttgarter Markplatz geht nichts? Awa! Dann schaut im Dresden vorbei - sobald das wieder möglich ist. Dresden, bitte halt durch! Bis bald... 

Dresden Bar, Hirschstr. 2, Stuttgart-Mitte

Holzapfel (Laura Müller-Sixer) 

Ich vermisse das Holzapfel als zweites Wohnzimmer. Das war einfach einer der wenigen Orte in Stuttgart, an dem man sich immer wie zu Hause gefühlt hat, ohne dieses typische gemustert werden. Man ist an den großen Tischen super schnell mit Menschen ins Gespräch gekommen – JA FREMDEN MENSCHEN, INS GESPRÄCH!!! Es gab viel Kaffee und Kessler und Team Handsome, und Moritz, und Nina, und einfach alles, was das Herz braucht. Außerdem habe ich hier meine allerbeste Freundin kennengelernt. Jetzt ist das Holzapfel weg. Also ganz weg. Und ja: Ich musste schon ein wenig weinen, als ich von der Schließung erfahren habe. Es wird fehlen!

Holzapfel (dauerhaft geschlossen), Calwer Str. 56, Stuttgart-Mitte




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