Wenn ein Unternehmen in einem Land jedes Jahr um 20 Prozent wächst und glänzende Margen erzielt, scheint zunächst alles zum Besten bestellt. Und wenn es dann von Verkäufertypen im Management vertreten wird, die sich an den Provisionen erfreuen und jedes weitere gewinnträchtige Jahr gerne mitnehmen, dann ist die Bereitschaft, über neue Strategien nachzudenken, eher gering ausgeprägt.
So – zugespitzt – hat es sich bisher mit dem China-Geschäft vieler deutscher Unternehmen verhalten. Über viele Jahre wurden sie vom Wachstum auf dem einzigartigen Markt verwöhnt. Dieser Erfolg hat auch Arbeitsplätze in Deutschland gesichert, doch Warnungen vor diktatorischen Verhältnissen wurden weggewischt – Motto: Wenn wir nur noch Geschäfte mit Staaten machen, die unser Wertesystem teilen, könnten wir uns von der Rolle als wichtiges Exportland verabschieden.
China und der Aggressor – da droht sich Unheil an
Nun deutet sich ein Umdenken an – vor allem wegen Corona, das die Schwächen der globalen Lieferketten und die Abhängigkeiten offengelegt hat. Hinzu kommt eine neue Herausforderung: Nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine stärkt Peking dem Aggressor Putin den Rücken; die Beziehungen zu Moskau und die russischen Rohstoffe scheinen wichtiger zu sein als der Westen. Das ist schon politisch und moralisch ein Dilemma für deutsche Firmen – es könnte auch ökonomisch riskant werden, wenn China in den Wirtschaftskrieg hineingerät, indem es etwa Sanktionen gegenüber Russland unterläuft. Dann steht der bisherige Handel in Frage.
Auch ohne dieses Schreckensszenario ist es gut, dass immer öfter von Diversifizierung der Lieferketten die Rede ist. Aber dann sollten sich die Unternehmen bald neu besinnen und nicht meinen, sie könnten nach Pandemie und Krieg so weitermachen wie bisher.