Lockerungen in der Coronapandemie Verhaltener Andrang im Gartenmarkt

Seit Montag herrscht in den Gartenbereichen wieder etwas Betrieb – so wie hier im Toom-Baumarkt in Böblingen. Foto: Simon Granville

Friseure, Blumenläden, Gartencenter: Seit Montag dürfen einige Geschäfte wieder öffnen. Doch die meisten Menschen scheinen noch nicht recht zu durchschauen, wo nun Lockerungen gelten. Ein Besuch in einem Böblinger Baumarkt.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Böblingen - So richtig versteht es am Montag in Böblingen kaum jemand: Was hat jetzt eigentlich offen – und was nicht? Warum darf man wieder durch die Gartencenter durchlaufen und sich den Einkaufswagen vollladen, durch die Baumärkte aber nicht? Und bekommt man im Baumarkt dennoch Waren, auch wenn große Teile davon noch abgesperrt sind?

 

Baumärkte dürfen Pflanzen und Gartenbauzubehör verkaufen

Es ist etwas kompliziert. Seit Montag gelten in Baden-Württemberg einige Lockerungen, was die Coronaverordnung und den Lockdown betrifft. Neben Friseursalons dürfen auch Blumenläden und Gartencenter wieder öffnen. Die Anzahl der Kunden pro Quadratmeter ist jedoch begrenzt: In Läden mit bis zu 800 Quadratmetern darf sich nur ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalten. Hat ein Geschäft mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, darf sich ab dem 801. Quadratmeter Fläche nur noch ein Kunde pro 20 Quadratmeter Fläche aufhalten.

Für die Baumärkte gilt eine besonders komplizierte Regelung: Sie dürfen seit Montag wieder Pflanzen und Zubehör für den Gartenbau verkaufen, andere Warenbereiche müssen aber abgetrennt werden. Wenn der erlaubte Warenanteil eines Ladens jedoch mindestens 60 Prozent beträgt, dürfen auch Mischsortimente angeboten werden.

Viele Kunden wurden von den Regeln überrascht

So oder so: Der große Ansturm ist am ersten Tag der Lockdown-Lockerungen ausgeblieben. Beim Toom-Baumarkt am Rande des Böblinger Gewerbegebiets Hulb sind am Montag vor allem Kunden gekommen, die nicht recht wussten, was nun eigentlich gilt.

Ein älteres Paar ist von den neuen Regeln überrascht worden: „Wir wollten eigentlich nach etwas im Baumarkt schauen, aber da darf man nicht rein“, berichtet die Frau verwundert. Stattdessen hat das Paar nun 180 Liter Blumenerde im Einkaufswagen.

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„Ich brauche zwei Neonröhren, bekomme ich die hier?“, fragt ein älterer Mann aus seinem geöffneten Autofenster den Toom-Teamleiter Ersoy Mutlo. Der nickt: „Melden Sie sich im Eingangsbereich des Baumarkts, dann bekommen Sie die Neonröhren.“ Zwar dürfen Kunden nicht durch den Baumarkt laufen, allerdings kann man bei den Mitarbeitern vor der Ladentür Waren bestellen, die diese dann aus dem Markt holen. Außerdem ist nach wie vor „Click and Collect“ sowie „Click and Reserve“ möglich, das bedeutet, dass Kunden Waren im Internet kaufen oder reservieren und dann vor Ort abholen.

Baumarktmitarbeiter stellen Waren für Kunden zusammen

„Die meisten Kunden verstehen die Regeln nicht“, sagt der Marktleiter Ersin Altintas. „Viele denken, sie könnten wieder richtig im Baumarkt einkaufen gehen – so wie es in Bayern und Sachsen-Anhalt seit Montag erlaubt ist.“ Aus diesem Grund würden nun viele vor der Tür stehen und nach einzelnen Waren fragen – wodurch seine Mitarbeiter die ganze Zeit durch den ganzen Baumarkt laufen, um alles zusammenzustellen.

Denn selbst stöbern ist für die Kunden nur im Gartenbereich möglich. Viel los ist dort bisher eher nicht. Einige wurden am Montag aber bereits fündig – so wie die Böblingerin Sabine Seiler. Ein paar Blümchen sowie vier Gartenstühle hat sie ergattert. „Unsere alten Gartenstühle taugen nichts mehr. Und wir haben in einem Prospekt gesehen, dass gerade Gartenstühle im Angebot sind“, berichtet sie.

Romana Schauff schiebt einen Einkaufswagen aus dem Gartenbereich, auf dem eine Sitzbank sowie mehrere Holzfliesen liegen. Außerdem hat sie rosafarbene und blaue Windlichter für Kerzen besorgt. „Das ist alles für meine Terrasse“, erläutert die Maichingerin. „Meine Nachbarin hat mir heute Morgen erzählt, dass die Gartenmärkte wieder geöffnet sind, ich hatte das gar nicht mitbekommen.“ Nach dieser Information sei sie direkt mit ihrer fünfjährigen Tochter losgefahren.

Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt

Doch so sehr sich einige Menschen auch darüber freuen, dass sie nun wieder Blumenerde, Pflanzen und Gartengeräte im Laden kaufen können, so schwierig ist diese Regelung teilweise für die Läden selbst. „Wir mussten nun einen zweiten Eingang bereitstellen, damit die Kunden direkt in den Gartenbereich gehen können“, erläutert Altintas. Rund 25 Mitarbeiter waren dort am Montag im Einsatz – die meisten davon wurden kurz zuvor aus der Kurzarbeit geholt. Ob in den kommenden Wochen auch die anderen Mitarbeiter, die bisher noch in Kurzarbeit sind, wieder regulär arbeiten dürfen, darüber kann Ersin Altintas derzeit nur spekulieren.

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Möglicherweise wird sich manches am kommenden Mittwoch, 3. März, zeigen. Dann treffen sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder mit der Kanzlerin Angela Merkel und beraten, wie es weitergeht.

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