Aufatmen beim Tierheim: Die Stadt Stuttgart und der Tierschutzverein haben sich auf einen Zuschuss von 77 Cent je Einwohner verständigt. Das Tierheim sei allerdings weiter auf Spenden angewiesen, sagt Stuttgarts OB Fritz Kuhn.

Stuttgart - Der Streit um die Finanzierung des Tierheims in Botnang ist vom Tisch: Die Stadt und der Tierschutzverein haben sich am Mittwoch nach einem Gespräch im Rathaus auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt. Die Stadt überweist dem Tierheim im nächsten Jahr einen Zuschuss 454 000 Euro. Das entspricht 77 Cent je Einwohner. Von 2015 an wird dieser Sockelbetrag jährlich um einen Cent angehoben.

„Ich schätze die wertvolle und wichtige Arbeit des Tierheims“, erklärte Oberbürgermeister Fritz Kuhn am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz im Festsaal des Rathauses. Er sei sicher, dass der Gemeinderat das Verhandlungsergebnis billigen werde. Wenn Stuttgart zu den aktuell 590 600 Bürgern künftig noch weitere Bewohner gewinne, dann profitiere auch das Tierheim davon.

„Mit 77 Cent je Bürger liegen wir jetzt auf dem gleichen Niveau wie Esslingen und viele andere Städte“, ergänzte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Es sei auch vereinbart worden, dass man sich einmal im Jahr treffe, um Dinge zu besprechen und gegebenenfalls zu optimieren.

Angelika Schmidt-Straube: „Stuttgart ist doch tierfreundlich“

„Das ist ein wunderbares Ergebnis“, erklärte Angelika Schmidt-Straube, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Von uns ist eine große Last abgefallen. Wir haben jetzt Planungssicherheit, weil sich der städtische Zuschuss mehr als verdoppelt hat.“ Sie sei zuversichtlich, dass der Gemeinderat ebenfalls zustimmen werde. „Diesen glücklichen Ausgang hat der Oberbürgermeister super hinbekommen. Stuttgart ist doch eine tierfreundliche Stadt.“

OB Kuhn ging bei der Pressekonferenz auch auf die „holprige Diskussion“ zwischen Tierschutzverein und Stadt ein. „Wenn man auf einmal weit mehr als den doppelten Betrag zahlen soll, dann muss man erschrecken“, sagte Kuhn. Im Gespräch hätten beide Seiten aber rasch zusammengefunden. Das Tierheim sei allerdings weiter auf Spenden und Erbschaften angewiesen, weil der Zuschuss der Stadt nicht ausreiche. „Deshalb darf weiterhin kräftig an den Tierschutzverein gespendet werden“, sagte Kuhn. Der OB appellierte an die Bürger, „sich nicht aus Lust und Laune ein Haustier anzuschaffen“. Es gelte vorher gut zu überlegen, ob man auch die Verantwortung dafür tragen könne.

Nach dem finanziellen Notsignal im Sommer habe man bis jetzt von den Bürgern rund 350 000 Euro an Spenden erhalten, sagte Schmidt-Straube. Um den Betrieb des Tierheims mit 600 bis 800 Tieren zu sichern, benötige man rund eine Million Euro an Spenden und Schenkungen im Jahr, da der städtische Zuschuss nur ein Drittel der Kosten decke. „Wir sind deshalb sehr froh, dass uns viele Firmen und Bürger finanziell unterstützen.“

Kuhns Besuch in Botnang trug zur Lösung bei

Die Vorsitzende des ­Tierschutzvereins hatte – wie ausführlich berichtet – vor vier Monaten wegen der finanziellen Schieflage Alarm geschlagen. Der Verein kündigte die Vereinbarung über einen städtischen Zuschuss von 200 000 Euro im Jahr und forderte eine Erhöhung auf 500 000Euro. Dieser unerwartete Schritt löste eine harsche Kontroverse zwischen Stadt und Verein aus. Einen von der Stadt angebotenen Kompromissvorschlag , der einen Zuschuss von 283 000 Euro im Jahr vorsah, lehnte der Tierschutzverein ab.

Erst ein öffentlichkeitswirksamer Besuch des Oberbürgermeisters im Tierheim in Botnang entspannte das gegenseitige Verhältnis. Kuhn posierte dort mit einem niedlichen Terrier namens „Pimpf“ und war sichtlich um Harmonie bemüht. Bei dem Rundgang kündigte er an, dass sich die Stadt bei den bevorstehenden Verhandlungen stärker an den Forderungen des Tierschutzvereins orientieren werde. „Wir sehen den Mehrbedarf ein, den Sie haben“, erklärte Kuhn vor Ort.

Im Gemeinderat wurde Kuhns Vorstoß damals grundsätzlich begrüßt. Der Besuch in Botnang sei wichtig gewesen, um die verfahrene Situation zu lösen.

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