Logistikzentrum in Nürtingen Gericht stoppt Hugo-Boss-Lager

Von dpa 

Der Bebauungsplan der Stadt Nürtingen für ein neues Gewerbegebiet ist wegen eines Verfahrensfehlers unwirksam.

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Mannheim/Nürtingen - Der Verwaltungsgerichtshof hat die Pläne des Modekonzerns Hugo Boss für ein Logistikzentrum in Nürtingen (Kreis Esslingen) gestoppt. Die Richter entschieden wegen formaler Fehler gegen das umstrittene Bauvorhaben, teilte der Gerichtshof (VGH) in Mannheim am Montag mit. Auf falschem Fuß wird die Entscheidung den Modekonzern aus Metzingen (Kreis Reutlingen) aber nicht erwischen: Er hatte seine Pläne im Zuge der Wirtschaftskrise ohnehin auf Eis gelegt. Mehrere Bürger hatten bei der öffentlichen Auslegung Einwände gegen die Pläne für das Areal erhoben - darunter auch die späteren Antragsteller.

Bemängelt wurden unter anderem Verfahrensfehler bei der öffentlichen Auslegung und Fehler in der Abwägung des Gemeinderats. Schon ersteres führte zu der Entscheidung des VGH. Die Stadt habe nicht alle wesentlichen Informationen öffentlich ausgelegt, hieß es in der Begründung. So seien im Rathaus zwar die Pläne, nicht aber der erklärende Textteil zum Entwässerungsplan für die Bürger zugänglich gewesen. Eine Revision wurde nicht zugelassen; dies könne aber binnen eines Monats nach Urteilsbegründung noch angefochten werden.

Nach früheren Plänen sollen in dem Hugo-Boss-Lager 400 Menschen arbeiten, die Bekleidungsstücke verpacken und weltweit verschicken. Die Halle sollte 290 Meter lang, 180 Meter breit und 20 Meter hoch werden. Das sorgt seit langem für Zündstoff: Erst wollte Hugo Boss das Lager in Metzingen bauen. Die Politiker stimmten zu, doch die Bürger stoppten die Baupläne mit einem Bürgerentscheid und jagten damit ihren Oberbürgermeister Dieter Hauswirth (CDU) aus dem Amt.

Als der Modekonzern daraufhin in die Nachbarstadt Nürtingen ausweichen wollte, gab es auch dort Streit. Bürger zogen erfolglos vor Gericht, weil der Gemeinderat ein Bürgerbegehren ablehnte. Ob Hugo Boss überhaupt noch Interesse an dem Logistikzentrum hat, ließ der Konzern zuletzt offen.

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