Logistikzentrum in Pforzheim Amazon schafft 1000 neue Arbeitsplätze

 Foto: AP
Foto: AP

Der Onlinehändler Amazon kommt mit einem Logistikzentrum nach Pforzheim. Das schafft 1000 neue Arbeitsplätze. Viele sind einfache Jobs für ungelernte Kräfte.

Landespolitik: Andrea Koch-Widmann (akw)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Die Spatzen pfeifen es in Pforzheim schon von den Dächern: Der Internetgroßhändler Amazon plant ein Logistikzentrum im nahe der Autobahn A8 gelegenen Gewerbegebiet Buchbusch. Doch weder der Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) noch die Firma geben derzeit Auskunft über die Pläne. Die Stadt bestätigt nicht einmal den Namen des Investors, wohl aber, „dass die Verhandlungen erfolgversprechend und zielführend“ seien. Dabei schafft der Gemeinderat bereits seit Wochen die planungsrechtliche Grundlage für die Ansiedelung eines Großinvestors und die Änderung des Bebauungsplans für das 50 Hektar große Gewerbegebiet im Norden Pforzheims. Im August hatte ein Interessent angeklopft, der Grundstücke „en bloc“ kaufen wollte, von rund 17 Hektar ist die Rede. Das Verfahren läuft noch.

Tatsache ist nach Informationen der StZ aber auch, dass am Freitag in Düsseldorf ein Notartermin samt Vertragsunterzeichnung stattfand. Dabei waren Vertreter der Stadt Pforzheim, darunter der Oberbürgermeister, sowie Vertreter des australischen Investors Goodman. Der Projektentwickler baut für Amazon Logistikzentren wie etwa das erst im September eröffnete Versandzentrum im niederrheinischen Rheinberg. Der Internethändler zieht dann zur Miete ein. Der erste Spatenstich in Pforzheim soll noch vor Weihnachten sein. Die Ansiedelung des Logistikzentrums wird Pforzheim rund 1000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bescheren sowie rund 2000 saisonale Arbeitsplätze.

Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent

Das ist ein Glücksfall für die Goldstadt, die mit einer Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent die rote Laterne in Baden-Württemberg (Durchschnitt 3,6 Prozent) trägt. 4437 Menschen waren im November in Pforzheim arbeitslos gemeldet, 34,4 Prozent davon (1527 Personen) sind schon länger als ein Jahr auf Arbeitssuche Für diese Langzeitarbeitslosen und ihre Familien kommt die Stadt im Rahmen des Sozialgesetzbuches II auf, knapp 17,2 Millionen Euro hat sie für deren Unterstützung im Jahr 2010 bezahlt. Zum einen werden also die Sozialausgaben nicht unbeträchtlich sinken, zum anderen werden die Gewerbesteuereinnahmen deutlich steigen. Die Haushaltslage der mit rund 83,4 Millionen Euro (Stand 31.12.2010, ohne Eigenbetriebe ) hoch verschuldeten Stadt, die deshalb unter der Aufsicht des Karlsruher Regierungspräsidiums steht, dürfte sich also nachhaltig verbessern.

Auch der Chef der Pforzheimer Arbeitsagentur Walter Reiber spricht von einem Glücksfall. Denn ein hoher Anteil der rund 1000 neuen Arbeitsplätze entfalle auf einfachere Tätigkeiten, für die ungelernte Arbeitskräfte in Frage kämen. Ein Klientel also, das heutzutage in der spezialisierten Arbeitswelt kaum vermittelbar sei. Reiber hat sich umgehört bei den Arbeitsagenturen in den anderen Standorten des Onlinehändlers und geht von rund 700 einfachen Lagerarbeitsplätze aus.

"Echte Herausforderung"

Die Vermittlung dieser Arbeitskräfte, aber auch des qualifizierten Führungspersonals und IT-Experten werde eine „echte Herausforderung“, sagt der Chef der Arbeitsagentur. Er geht davon aus, dass die Suche weit über die Stadt Pforzheim hinaus ausgedehnt werden muss auf den Enzkreis, den Kreis Calw und den Karlsruher Raum. Auch warnt er vor allzu großer Euphorie. Nicht jeder der 1527 Langzeitarbeitlosen in Pforzheim sei sofort einsatzbereit. Viele hätten wegen ihrer Familiensituation oder gesundheitlicher Probleme Handicaps oder bedürften der Unterstützung. Reiber überlegt deshalb, ob er einen Teil des Eingliederungsbudgets reserviert für eine Qualifizierungsmaßnahme für 100 Personen als IHK-geprüfte Lagerfachkräfte.

Dass sich auch Amazon vor der Einstellung von Arbeitskräften absichern will, dafür hat Reiber Verständnis. Der Internetversandhändler testet vielfach die neuen Mitarbeiter und lässt sie rund zwei Wochen lang zur Probe arbeiten. Einen Lohn zahlt Amazon in dieser Zeit nicht, allerdings erhalten die Probanden weiterhin ihre Leistungen aus Arbeitslosengeld oder Hartz IV. Das sei als „Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber“ (MAG) laut Sozialgesetzbuch III rechtlich abgedeckt und „vollkommen legitim“, teilt die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit mit.

Unsere Empfehlung für Sie