Lokale Weihnachtskrippe Jesus Christus kommt aus Plochingen

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Zwei Jahre lang hat Eugen Beck an einer Krippe gebaut, um die Geburt des Höchsten an den Neckar zu holen. In der Miniaturversion der Weihnachtsgeschichte treffen Lokalgrößen auf die heilige Familie.

Sorgfältig schiebt Eugen Beck seine Figuren über den Plochinger Marktplatz. Foto: Horst Rudel
Sorgfältig schiebt Eugen Beck seine Figuren über den Plochinger Marktplatz. Foto: Horst Rudel

Plochingen - Große Teile der Weihnachtsgeschichte müssen umgeschrieben werden: Die heilige Geburt ereignete sich nicht in Bethlehem, sondern in Plochingen am Neckar. Die Krippe, die das beweist, steht gerade im Alten Rathaus der Stadt. Eugen Beck, der Altbürgermeister Plochingens, wollte die Weihnachtsgeschichte ins Hier und Jetzt holen. „Wir feiern jedes Jahr diese Geschichte“, sagt er, und deswegen sei sie immer aktuell.

Zwei Jahre lang hat er an der Krippe gebaut. Jede Figur aus Ton geformt, gebrannt und bemalt. Er hat die Ottilienkapelle verewigt, das Frühmesserhaus und das Alte Rathaus. Der Glaube versetzt Berge, und so hat Beck die ganze Stadt gedreht. Seine Krippe beginnt am Aussichtsturm und dann erstreckt sich die Szenerie bis hinunter an den Neckar. Dort kommt der Plochinger Säulenheilige Marquardt von Randeck über die Neckarbrücke galoppiert. „Das Kind ist da!“, scheint er zu rufen. Neben ihm steht Christophorus, noch ganz als Ophorus, denn er hat den Christus ja noch nicht über den Neckar getragen.

Die Plochinger Polizei verhaftet Herodes’ Spion

Am tönernen Bahnhof fährt gerade der Orient-Express ein. An Bord sind die Heiligen Drei Könige, die das Kind anbeten wollen. Eine Polizistin salutiert stramm, denn Eugen Beck wollte unbedingt den Frauenanteil in der Weihnachtsgeschichte erhöhen. Nicht ganz einfach, aber die Krippe ist nicht nur fantastisch, sie strotzt auch vor Fantasie. Vor den Königen steht schon ein böser Spion des Herodes, der herausfinden will, wo genau die heilige Geburt stattgefunden hat, damit der größenwahnsinnige König das Kind meucheln lassen kann. Doch gottlob, das Auge der Plochinger Polizei ist wachsam, und schon eilt ein Beamter heran, um den Spion zu verhaften.

Der Altbürgermeister Eugen Beck hat viele seiner Weggefährten in den Figuren verewigt. Der Historiker Manfred Reiner guckt aus einem Fenster, um die Geburt Jesu in den „Plochinger Wegspuren“ zu verewigen. Der Buchhändler Max Linderer telefoniert vom Albvereinsturm herab, um die Ankunft des Höchsten zu verkündigen. Der Gemeinderat Karl Fuchs springt hinzu, um dem Joseph einen Stuhl zu bringen, schließlich ist so eine Geburt auch für den Herrn Papa ein wenig anstrengend.

Tausend kleine Nebengeschichten

Eugen Beck hat vor einigen Jahren begonnen, Krippen zu bauen. Er kam darauf, als er einen Krippenweg in seiner Heimatstadt Bopfingen sah. Seine Figuren erzählen mit viel Humor tausend kleine Nebengeschichten, sogar der Papst kommt mit dem Papamobil an, um dem Kindlein zu huldigen. Etwa 20 Krippen hat Eugen Beck schon gebaut, die meisten aus Stroh: Jene Figuren entstanden aus einem Gerüst von Halmen, das er mit Naturmaterialien wie Grannen und Kelchblättern beklebte, um sie ganz naturalistisch zu machen.

Dass er bei der Plochinger Krippe auf Ton umgestiegen ist, liegt daran, dass er die Gesichter der Figuren kenntlich machen wollte. Er hat alles mit eigener Hand erschaffen, mit nur zwei Hilfsmitteln, einem uralten Messer und einem uralten Glauben. „Ja“, sagt er, „ich bin religiös.“