Lokalköpfe im Süden Der Kneipenverein

Tilman Fezer Foto: Nina Ayerle
Tilman Fezer Foto: Nina Ayerle

Der Verein „Tafelrunde des Ritters“ betreibt seit vier Jahren die Eckkneipe Ritterstüble im Süden. Seit mehr als 50 Jahren ist sie die Stammlokalität vieler Menschen aus dem Stadtteil.

Leben: Nina Ayerle (nay)
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S-Süd - Neumodisches Glump“ finden Kneipengänger in der Ritterstraße 7 in Heslach im Ritterstüble ganz sicher nicht. „Wir haben keine Spielautomaten und sind keine Lounge“, sagt Tilman Fezer, der an drei Abenden die Woche dort ausschenkt. Alles sei ein bisschen anders als in den neuen Kneipen und Bars, die überall in Stuttgart aus dem Boden sprießen. „Wir sind noch eine richtige Kneipe mit Bier vom Fass“, sagt der 43-Jährige.

Das Ritterstüble ist eine Heslacher Institution. Seit mehr als 50 Jahren ist es die Stammlokalität vieler Menschen aus dem Stadtteil. Denen wiederum wurde auch angst und bange, als vor vier Jahren der damalige Pächter Peter Bölling aufhören wollte. Ein Nachfolger war nicht in Sicht. „Was machen wir dann?“ sei die große Frage unter den Stammgästen gewesen, erzählt Axel Littig, der heute ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins „Tafelrunde des Ritters“ ist. Irgendwann war klar: „Das machen wir selbst“, sagt Littig. Der Verein ist nun Betreiber der Kneipe. Zwei feste Mitarbeiter hat das Ritterstüble. Den größten Teil der anfallenden Arbeit stemmen die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins. Zehn kümmern sich um alle anfallenden Tätigkeiten wie Bedienen, Einkaufen und Kochen.

Eine herrlich unprätentiöse kleine Eckkneipe

Am Anfang war es ein Projekt mit ungewissem Ausgang gewesen. Der Verein hatte keine Rücklagen, die ehrenamtlichen Helfer waren Laien im Gastronomiebereich. Die Macher hinter der Kneipe bekamen jedoch viel Unterstützung, selbst vom Getränkelieferanten. „Viele helfende Hände hat es gebraucht, um das Ritterstüble zu dem zu machen, was es heute ist“, sagt Littig stolz. Der 43-Jährige gebürtige Heslacher verbringt seit Jahren viel Zeit in der Kneipe. Sein ehemaliges Elternhaus ist nur 50 Meter Luftlinie entfernt, erzählt er.

Was das Ritterstüble heute nun ist? Eine herrlich unprätentiöse kleine Eckkneipe, die mit ein bisschen roter Farbe an der Wand, einigen Bildern und Holztischen auskommt. Willkommen ist hier jeder, der gerne sein Bier vom Fass in heimeliger Atmosphäre trinkt und mit fremden Menschen ins Gespräch kommt. Das Klientel reiche vom Arbeitslosen bis zum Rechtsanwalt und Lehrer, weiß Littig. Den Großteil seiner Gäste kennt der Vereinsvorsitzende beim Namen. Bei den meisten wissen Littig und Fezer sogar ganz genau, was sie für gewöhnlich trinken.

Inzwischen hat die Nostalgie-Kneipe am Bihlplatz auch fast jeden Tag Programm. Am Dienstag steht das Quiz an, das ein ganz eigenes Stammpublikum anlockt. Doch nicht nur dafür ist das Ritterstüble berühmt, sondern inzwischen auch für seine Speisekarte. Für die zeichnet sich Hobby-Koch Littig persönlich verantwortlich. Er kocht die Suppen selbst, die auf der Karte stehen. Zudem steht er am Mittwoch beim schwäbisch-gutbürgerlichen Abend hinter dem Herd. Dafür bereitet er alles selbst zu, jede Zutat ist frisch. „Päcklessoß kommt bei uns nicht auf den Tisch“, betont Littig. Auch die Kambodschanerin, die am Donnerstagabend ehrenamtlich kocht, hält sich an dieses Gebot. Dafür kommen die Stammgäste schließlich nach Heslach, und zwar nicht nur aus dem Süden, sondern auch aus Vaihingen und Gablenberg.




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