In dem viatnamnesischen Lokal konzentriert man sich auf das Wesentliche: frische Zutaten und faire Preise.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Thea Bracht (tab)
 
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Stuttgart - Wir kämpfen für die beste Lösung“, heißt ein Leitsatz der Agentur Jung von Matt. Den würde Hung Tran wahrscheinlich sofort unterschreiben. Bis vor wenigen Monaten betrieb der in Saigon geborene Vietnamese einen Imbiss in der Innenstadt. Zu seinen treuesten Kunden zählten die rund 150 Mitarbeiter der Werbeagentur. Als sie ins frühere Arbeitsamt am Stöckach umzogen, hatte Tran ein Problem: Sein Umsatz ging zurück. Und die Marketingprofis vermissten ihn. „Wir können nicht jeden Tag Pizza und Döner essen“, klagte einer. Also verkaufte Tran im Oktober seinen Imbiss und eröffnete das Lúc Lác gegenüber von Jung von Matt. „Ohne die Stammkunden hätte ich diesen Schritt wohl nicht gewagt“, sagt Tran. Um den Stuttgarter Osten zu erobern, braucht er einen etwas längeren Atem, das weiß er. Entsprechend kalkuliert der 44-Jährige. Die Einrichtung ist von schlichter Eleganz, die Farben Schwarz und Anthrazit dominieren. Das goldfarbene Bambusdekor an den Wänden und die Schwarz-Weiß-Fotos setzen schöne Akzente. Ein paar helle Lampenschirme hätten dem Gastraum sicher gutgetan. Dafür steht auf jedem Tisch eine frische Tulpe.

Hier hat jemand genau überlegt, mit welchem Einsatz er welchen Effekt erzielen kann. Das gilt auch für die Speisekarte. Sie ist überschaubar und doch vielseitig genug. Unbedingt zu empfehlen sind die Suppen, die in kleinen und größeren Portionen angeboten werden. Sesamöl und aromatische Kräuter verleihen der Wan-Tan-Suppe (3,90 Euro) eine feine Note. Köstlich ist auch die traditionelle Nudelsuppe Pho Bó (8,50 Euro) mit gebratenem Rindfleisch, Frühlingszwiebeln, Thai-Basilikum, Minze und Koriander. Kein Zweifel: der Koch ist ein Meister der Suppenküche. Das Rindfleisch Hongkong (8,90 Euro) und der junge Tintenfisch in Kokos-Curry-Soße (8,90 Euro) werden ebenfalls mit Kräutern und knackigem Gemüse serviert. Doch geschmacklich sind die Suppen allemal raffinierter als die Wokgerichte.

Ungewöhnlich gut ist bei allen Speisen das Preis-Leistungs-Verhältnis. „Im Osten können wir nicht dieselben Preise verlangen wie in der Innenstadt“, sagt Hung Tran. Dort betreibt seine jüngere Schwester das Noodle 1 am Wilhelmsplatz. „Dabei war sie in meinem allerersten Restaurant in Baden-Baden sogar noch meine Angestellte“, sagt Tran und lacht. Im Prinzip verfolgen die Geschwister, die 1983 nach Deutschland kamen, dasselbe Konzept. Tran fasst es so zusammen: „Frische Zutaten, keine Farb- und Konservierungsstoffe, kein Glutamat – und auf keinen Fall ,All you can eat‘, süß-saures Schweinefleisch und frittierte Bananen.“ Er hofft, dass er mit dieser Philosophie auch im Osten erfolgreich sein wird. Mit dem Mittagsgeschäft ist er schon ziemlich zufrieden. Hung Tran freut sich auf den Frühling. Dann kann er endlich die Terrasse im Hinterhof eröffnen.

Lúc Lác, Neckarstraße 162, Tel. 46 90 86 33; geöffnet Montag bis Freitag von 11.30 bis 23 Uhr, Samstag von 12 bis 23 Uhr, Sonn- und Feiertage von 12 bis 22 Uhr.