Lokaltermin im Le Médoc Französisch mit kleinen Schönheitsfehlern

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Nicht nur Hotelgäste des Le Méridien können vom Neustart in dem französischen Bistro Le Médoc im Herzen Stuttgarts profitieren. Die Küche wurde komplett umgebaut und bietet jetzt mehr Möglichkeiten.

Schick und schlicht: das Le Médoc „im Herzen von Stuttgart“ Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Schick und schlicht: das Le Médoc „im Herzen von Stuttgart“ Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Als wir das Le Médoc, das zum Hotel Le Méridien gehört, betreten, probiert sich ein einsamer Amerikaner an der Bar durch die beachtliche Weinauswahl. Im Laufe des Abends füllt sich die „Weinstube“, die mit „französisches Bistro im Herzen von Stuttgart“ noch besser bezeichnet ist, dann aber doch. Und dies nicht nur mit Hotelgästen, sondern ebenso mit Stuttgartern, die vor allem am Wochenende vorbeischauen, wie es heißt.

Hochzufrieden mit den Vorspeisen

Seit dreieinhalb Jahren ist das Le Médoc in Betrieb, seit anderthalb Jahren unter der umsichtigen Leitung von Hannes Haller, ebenso lange ist der unter anderem im Elsass geschulte Koch Mohammed Abdul dabei. Nun hatten die zwei noch einmal einen kleinen Neustart, denn die Küche wurde komplett umgebaut und bietet jetzt mehr Möglichkeiten. Hochzufrieden sind wir mit den Vorspeisen, denn der Pulpo galicische Art (10 Euro) ist eine angenehm runde und dekorative Angelegenheit mit knusprigen Krakenarmen auf dünnen Kartoffelscheiben und Paprikastückchen in Olivenöl. Der Mesclunsalat (11 Euro) ist hübsch getürmt und mit reichlich verschiedenen Nüssen garniert. Exotisch eingelegte Birnenscheiben sorgen für den Kick, zwei karamellisierte Ziegenkäse runden den Gang ab.

Die Hauptspeisen entpuppen sich als gute Wahl

Bei den Hauptspeisen haben wir uns für Galettes (16 Euro), salzige Crêpes sozusagen, und Lammkarree (21 Euro) entschieden – eine gute Wahl. Das Fleisch ist sagenhaft zart und sehr gut gewürzt – wie vieles hier im herzhaften Oberbereich –, dazu gibt es kreisrundes Kartoffelgratin, Auberginenkaviar (mit Kreuzkümmelnote) und eine intensive Rosmarinjus. Die mit Spinat und Tomaten gefüllten Buchweizenpfannkuchen sind ein wenig zurückhaltender, große Comté-Würfel bringen aber Schmackes ins Spiel. Bei der Tarte Tatin (6 Euro) als Dessert wundern wir uns: Dieser Apfelkuchen ist nicht kopfüber gebacken, sondern falsch herum, für deutsche Gewohnheiten angepasst richtig herum, wie uns später am Telefon erklärt wird. Aber so oder so – die Tarte überzeugt uns auch geschmacklich nicht.

Ein Versuch lohnt sich

Womit wir bei den Feinheiten wären, die in unserer Bewertung eine überdurchschnittliche Gastronomie von einer guten unterscheiden. Das Kartoffelgratin kam warum auch immer lauwarm auf den Tisch, die Rotweine hingegen hätten etwas weniger Temperatur vertragen – gerade diese, denn es gibt eine feine offene Auswahl eben aus dem Haut-Médoc oder auch der Region Graves (beide 7,50 Euro für 0,2). Letztes kleines Manko zum Schluss, das wie eine Petitesse klingen mag, aber dem Anspruch eines Bistros nicht gerecht wird: der Espresso kommt aus einem Vollautomaten.

Trotzdem: weil es aus dieser Ecke – wir reden hier nicht von Haute Cuisine, sondern von Cuisine bourgeoise – bei uns nicht so viel gibt, lohnt sich ein Versuch. Denn auch das Ambiente ist schick und schlicht, wenngleich wir uns in etwas wärmerem Licht wohler fühlen würden.

Die Bewertung:

Küche*** +1/2*

Service****

Ambiente***

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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