Lokaltermin in der Löwenstube Wenn man in Wangen ist

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Holz, Kachelofen, gestreifte Sitzpolster: Die Löwenstube präsentiert sich unter neuen Pächtern, aber nach wie vor als gemütliche Adresse. Kulinarisch ist ebenfalls alles gut: In Wangen gibt es klassische schwäbische Küche.

Der neue Betriebsleiter Jack Schupeck in der gemütlichen Stube Foto: Lichtgut/Horst Rudel
Der neue Betriebsleiter Jack Schupeck in der gemütlichen Stube Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Stuttgart - Als Gastrokritiker lernt man die Welt kennen, na ja, zumindest die eigene Stadt. Abgesehen von Besuchen der Friedrichsruh auf der Wangener Höhe oder der Konzertlocation LKA im pittoresken Gewerbegebiet an der B 10 hat uns schon länger nichts mehr nach Wangen verschlagen. Und so kannten wir bislang das Hetzel Hotel Löwen in der Ortsmitte nicht, das immerhin 90 Zimmer und eine Löwenstube hat, in der seit Kurzem ein neuer Pächter am Werk ist. Jack Schupeck ist ein alter ­Hase in der Stuttgarter Gastroszene, der das mexikanisch-italienisch-schwäbische Triumvirat TÜ8 mit aufgebaut hat und auch im Brauhaus Calwer Eck war.

Der Rostbraten passt

Das Ambiente in der Löwenstube mit Holz, Kachelofen, rot gestreiften Sitzpolstern und einem Sternenhimmelquadrat ist stubig bis hotelig, aber gemütlich. Die Küche ist und bleibt schwäbisch. Als kleinen Querschläger gönnen wir uns den gegrillten Tintenfisch (13,30 Euro), wobei uns mehr noch als die vier gut gewürzten Stücke das Ratatouille interessiert. Man denke an den gleichnamigen Animationsfilm, was für eine Rundreise im Kopf eine göttliche Version davon auslösen kann. In der Löwenstube ist das Ratatouille durchschnittlich: etwas zu grob geschnittenes Gemüse, das etwas zu kurz in etwas zu wenig Olivenöl geschmort wurde – und deswegen nicht diesen Oh-là-là-Effekt hat.

Ansonsten aber verhalten wir uns wie gute Schwaben und nehmen als Referenz den Zwiebelrostbraten „mit feinem Bratensaft und Spätzle“ (17,90 Euro). Das Fleisch ist wie gewünscht medium plus, aber immer noch zart, die Zwiebeln sind kurz geschmelzt, die Spätzle nicht zu blass und nicht zu breiig, auch die Soße ist gut. Davor hatten wir einen Beilagensalat (3,70 Euro), weil die „Salate der Jahreszeit“ als Vorspeise wohl zu groß sind. Der Kleine ist ordentlich, wenn auch eher mediterran: mit Eichblattsalaten, Radicchio, Rucola, Tomaten, Gurken und Balsamico frisch und schmackhaft. Die zweite Vorspeise – Spargelsuppe mit Einlage von Spargel (4,50 Euro) – hat die Bedienung leider vergessen.

Warten auf die Bedienung

Auf das Dessert müssen wir extralange warten, was einerseits am Dessert selbst liegt: so ein „Schokoladenküchlein mit Schmelzkern“ (5,90 Euro) dauert halt, und dieses hier ist sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz her sehr gut, also außen kross und innen flüssig. Andererseits bekommt der Stammtisch zwischendurch eine Runde Cordon bleu. Nach dem Espresso aufs Haus dauert es bis zum Zahlen in der gut besuchten Stube noch mal ein bisschen zu sehr – ein verbreiteter Fehler in der Gastronomie. Wie auch zu warmer Rotwein, hier ein Cabernet Sauvignon von Rothschild, der auf der Rechnung ein Sangiovese für 4,50 Euro für 0,2 l ist. Aber diese kleinen Ausrutscher sollen den Gesamteindruck nicht trüben, dass man in der Löwenstube gut und günstig essen kann, wenn man mal wieder in Wangen ist.

Unsere Bewertung:

Küche: 3 von 5 Sternen

Service: 2,5 Sterne

Ambiente: 3 Sterne

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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