Lokaltermin in der Trattoria Salieri in Stuttgart Und ewig grüßt das Rumpsteak

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Großstadt-Chic statt Italo-Charme: das frühere Da Livio am Mozartplatz ist als Trattoria Salieri runderneuert an den Start gegangen. Hier unsere Testergebnisse.

Schicke Inneneinrichtung, ausbaufähiger Service: die Trattoria Salieri. Foto: Lg/ Piechowski
Schicke Inneneinrichtung, ausbaufähiger Service: die Trattoria Salieri. Foto: Lg/ Piechowski

Stuttgart - Sehen wir uns bei Livio? Das Ecklokal am Mozartplatz war viele Jahre ein beliebter Treffpunkt in Stuttgart. Mit dem Wirt ist im Frühjahr auch der Italo-Charme der 90er mit dem dunklen Holz und der Trattoria-Gemütlichkeit ausgezogen. Salieri heißt der Nachfolger, ein nettes Wortspiel – war er doch Mozarts angeblicher Widersacher.

Schick ist es geworden, das neue Restaurant mit dem grauen Boden, den hellen Ornament-Fliesen an der Bar und den blanken Holztischen. Die Durchreiche an der Rückwand gibt den Blick frei in die Küche, in der es geschäftig zugeht. Tatsächlich sind am Sonntagabend viele Tische besetzt, auch im Nebenraum. Etliche Bekannte der Chefin Daniela Balint aus dem La Romantica an der Kräherwaldstraße scheinen da zu sein, man begrüßt sich mit Küsschen. Doch auch neue Gäste werden herzlich begrüßt und umsorgt – zumindest solange sie keine Probleme machen. Aber dazu später.

Die Pizza liegt in der Mitte der Stuttgarter Skala

Die übersichtliche Karte listet die italienischen Klassiker auf. Dazu kommen wechselnde saisonale Angebote, die auf der Tafel neben der Küche angeschrieben sind. Zu Beginn teilen wir uns eine Pizza mit frischem Lachs und Rucola, die in der Mitte unserer persönlichen Stuttgarter Pizza-Skala liegt. Der Boden ist knusprig, der Belag saftig (10 Euro). Die Orecchiette al Cacciatore verbreiten wohlige Winter-Wärme: Die Öhrchennudeln werden von einem sämigen Wildschweinragout begleitet. Die Spaghetti al Pescatore vereinen Oktopus, Garnele und Fischwürfel in einem tomatigen Sud, Chili gibt die Würze (je 12 Euro). Der Salat zum Rumpsteak (22 Euro) schaut hübsch aus, dazu gibt’s Pizzabrötchen.

Wie bei den Speisen wechselt auch das Angebot an Weinen, die Tafel an der Bar gibt Auskunft, eine schöne Idee. Während der offene Sauvignon Blanc ein recht unspektakulärer Vertreter der Rebsorte ist, überzeugt der Roero Arneis aus dem Piemont mit einer würzigen Frische, zumal er fair kalkuliert ist (25 Euro die Flasche).

Das Fleisch ist außen hui, innen pfui

Tutto bene. Alles gut? Bis das Fleisch kommt. Schon beim Schneiden haben wir Probleme, denn die Kruste hat zwar deutliche Röstaromen, um es vorsichtig auszudrücken, dafür ist der Kern kalt und zäh. Auf unsere Reklamation hin heißt es, das Fleisch komme direkt vom heißen Grill und sei richtig so. Der Teller bleibt stehen. Kein Angebot, das Steak nochmals auf den Grill zu legen. Schade, denn so hat die Küche keine Chance nachzubessern, und wir können nur zweieinhalb Sterne vergeben.

Da uns auch niemand fragt, ob wir eine Alternative bestellen wollen, teilen wir uns die restliche Pasta. Der Teller mit dem angeschnittenen Fleisch bleibt stehen. Auf einen Nachtisch verzichten wir (es fragt uns auch niemand). Wir ordern die Rechnung. Sie kommt prompt – das Rumpsteak steht drauf. Wir bezahlen und gehen. Der Teller bleibt wie ein Fanal zurück.

Trattoria Salieri, Christophstr. 45, 70180 Stuttgart, Telefon 07 11/6 57 16 57, www.salieri-stuttgart.de. Montag Ruhetag. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 12 bis 14.30 und 18 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag 18 bis 23 Uhr

Die Bewertung:

Küche**1/2

Service**1/2

Ambiente****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.