Lokaltermin in Stuttgart Kein Herz für Vegetarier

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Im ehemaligen Brunnerz am Rotebühlplatz wird jetzt US-Beef auf einem 400 Grad heißen Stein aufgetischt. Das Fleisch ist nicht nur willig, sondern exzellent, allein die Service-Abläufe sind noch nicht optimal.

Das Fleisch im Abacco’s ist anbetungswürdig, der Service ausbaufähig. Foto: Christian Hass
Das Fleisch im Abacco’s ist anbetungswürdig, der Service ausbaufähig. Foto: Christian Hass

Stuttgart - Zugegeben, mit einem Vegetarier in ein Steakhouse zu gehen ist in etwa so erfolgversprechend wie derzeit beim VfB Stuttgart als Trainer anzuheuern. Um es dem neu eröffneten Abacco’s Steakhouse am Rotebühlplatz aber nicht ganz so leicht zu machen, nehmen wir einen Feinschmecker-Fleischverächter mit. Erster Eindruck: hier hat jemand ordentlich Geld in die Hand genommen, um das Lokal komplett umzugestalten. An machen Stellen ist das sehr gelungen, etwa im hinteren Bereich, wo sich jetzt zwei Separees befinden. Im vorderen Bereich des Restaurants stehen die Tische aber viel zu eng nebeneinander. Wir bekommen erst einen Tisch zugewiesen, bei dem wir die Nachbarn quasi auf dem Schoß gehabt hätten. Durch gutes Zureden dürfen wir schließlich in einer ruhigeren Ecke am Fenster Platz nehmen.

Das Konzept des Abacco’s lautet „Prime Steaks on hot rocks“. Hier werden Fleischstücke vom US-Beef der höchsten Qualitätsstufen Prime und Choice auf einem 400 Grad heißen Stein serviert. Wir entscheiden uns für ein Rinderfilet Tenderloin, das laut Beschreibung das beste Stück des Rinds darstellt – fettfrei, zart und saftig. Spektakulär dann der Auftritt des Kellners, der aussieht, als würde er aus religiösen Gründen keine Kohlehydrate essen und stattdessen recht viel Zeit im Fitnessstudio verbringen: Als Beilage zum Fleisch empfiehlt er die hausgemachten Pommes, weil „die Ofenkartoffel ein Fertigprodukt ist und das Grillgemüse gar nicht geht, das können die in der Küche noch nicht“.

Der Service fängt stark an und lässt dann stark nach

Wo so viel Alexander-Zorniger-Gedächtnisehrlichkeit hinführen kann, sieht man am VfB. Der Kellner fängt stark an und lässt dann noch stärker nach. Das Fleischgericht steht nach gefühlt 20 Sekunden und ohne Besteck auf dem Tisch, während der Pilz-Burger, den der dufte Begleiter bestellt, 20 Minuten auf sich warten lässt.

Außerdem fehlt eine Einführung, wie der heiße Stein zu bedienen ist, also schnell das Fleisch von der heißen auf die immer noch 50 Grad warme andere Platte gerettet, von wo aus einzelne Stücke dann nach Wunsch auf dem heißen Stein nachgegart werden können. Das Fleisch ist eine Bombe, wuchtig im Geschmack, zart in der Textur, eine Ansage, die man für 28,90 Euro aber auch so erwarten kann. Dagegen stinkt der Portobello-Pilz-Burger für 14,90 Euro gewaltig ab. Der ist langweilig. Wer sich als Vegetarier im Abacco’s nicht mit einem Salat begnügen will, steht im Nachfolger des Cibao auf verlorenem Posten.

Wenn der Service optimiert wird, hat das Abacco’s Zukunft

Das Konzept mit den Grill-Steinen hat Betreiber Markus Heim in Zürich entdeckt und im Abacco Hotel in Korntal-Münchingen getestet, ehe er sich in die Stuttgarter Innenstadt gewagt hat. Heim stammt aus einer Ludwigsburger Gastronomen-Familie. Wenn er die Abläufe im Service in den Griff bekommt, wird sich das Abacco’s deutlich länger halten als seine Vorgänger.

Die Bewertung:

Küche ***

Service **

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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