Lokaltermin in Weissach Die Ratsstuben: Zurück auf gutbürgerlicher Spur

Thorsten Nufer hauchte den Ratsstuben neues Leben ein. Foto: factum/Simon Granville

Das Traditionshaus war ziemlich am Ende. Doch nach einigen schnellen Pächterwechseln und Leerstand kann man nun in Weissach wieder sehr gut essen. Thorsten Nufer bietet seinen Gästen eine Menge fürs Geld, findet unser Kritiker.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Weissach - Derweil ganz Stuttgart bis mindestens Frühjahr 2021 der Wiedereröffnung des Ratskellers entgegenfiebern kann, sind weiter draußen in Weissach nach munterem Pächterwechsel und einem Jahr Leerstand seit Frühjahr 2019 die Ratsstuben wieder in Betrieb. Das Haus gehört der Wohnbau Weissach GmbH, deren Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) ist. Weil man in Sanierung und Unterhalt unverhältnismäßig viel Geld stecken musste, denkt man daran, die Ratsstuben zu verkaufen.

 

Dass der Laden inzwischen dennoch sehr gut läuft und das Essen überdurchschnittlich ist, liegt an Thorsten Nufer, 29, den wir noch als Küchenchef aus dem Gasthaus Grünewald kennen. Bis zum Wechsel nach Weissach hat er sich mit seinem Zum alten Holzwichtele in Ditzingen einen Namen gemacht, wo es ihm aber zu eng wurde. In den Ratsstuben nun finden auf zwei Ebenen mit einer Galerie bis zu 160 Gäste Platz. Der Gemütlichkeitsfaktor hängt von der Lage des Sitzplatzes ab. Dafür dass die Räume groß und unübersichtlich sind, ist der Service fast so sehr auf Zack wie die Küche.

Thorsten Nufer hat in großen Häusern Erfahrungen gesammelt

Nufer, der schon in guten Häusern kochte, bietet ein breites gutbürgerliches Programm, das  er  mit  saisonalen  und tagesaktuellen Angeboten bis hin zu Seezunge oder Wolfsbarsch ergänzt. Als Vorspeisen haben wir uns für einen knusprig gebratenen Oktopus (13,40 Euro) mit grüner Soße und einen lauwarmen Ziegenfrischkäse mit Walnusskrokant (12,50 Euro) entschieden, beide mit einem blitzsauberen Wildkräutersalat. Unter den Tagesangeboten lockten uns die Linguine mit gebratenen Steinpilzen (21,90 Euro), gut portioniert und abgeschmeckt. Als Klassiker überzeugte der Ratsstuben-Schwabenteller (18,40 Euro) mit einem saftigen Stück Zwiebelrostbraten und einem Schweinefiletmedaillon. Die Trollinger- und Champignonrahmsoße kamen sich nicht in die Quere, die selbst gemachten Spätzle waren mehr als recht.

Weil wir uns nicht für ein Dessert zum Teilen entscheiden konnten, offerierte uns der Service für einen guten Preis (8,50 Euro) einen Mix aus zweien: eine fluffige Joghurt-Pannacotta mit Himbeerkompott und zwei krosse Apfelküchle. Die Weinkarte ist ausbaufähig (offene Weine von 4,60 Euro fürs Viertele bis 7 Euro für 0,2 l Blaufränkisch). Es muss ja nicht gleich wie beim Vorgänger sein, der mehr als sechzig Weine glasweise angeboten hatte.

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