Lokaltermin Linde in Möhringen Schwabenküche mit Klasse und Charme

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Unter der neuen Führung von Trautwein Catering überzeugt das Gasthaus zur Linde voll und ganz. Jörg Mink hat das Möhringer Traditionslokal abgegeben, die Qualität ist unter den Trautweins gleich hoch geblieben, allein der Glamourfaktor ist jetzt geringer.

Ferdinand (li.) und Maximilian Trautwein sorgen in der  Linde seit kurzem für Schwäbische Kost auf hohem Niveau. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ferdinand (li.) und Maximilian Trautwein sorgen in der Linde seit kurzem für Schwäbische Kost auf hohem Niveau. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Linde in Möhringen war jahrelang eine Institution. Fußballer und Schauspieler gaben sich in der alten Poststation genauso ein Stelldichein wie die Daimler-Führungsriege. Zu verdanken war dies dem umtriebigen Pächter Jörg Mink und seiner gehobenen schwäbischen Küche. Mink konzentriert sich künftig auf sein Projekt Schloss Solitude. In der Möhringer Linde haben seit März die Brüder Ferdinand und Maximilian Trautwein das Sagen – sie haben vor drei Jahren auch Minks Cateringhalle in Plieningen übernommen.

Die Brüder stammen aus einer Gastronomenfamilie und haben das Kochhandwerk im Sternefach gelernt: Ferdinand bei Vincent Klink in der Wielandshöhe, Maximilian bei Rolf Straubinger auf der Burg Staufeneck. Kein Wunder, dass ihnen schon länger der Sinn danach stand, neben ihrem renommierten Catering-Unternehmen ein eigenes Restaurant zu betreiben. Minks Angebot, die Linde zu übernehmen, kam da gerade recht. Anfang des Jahres haben sie das Gasthaus behutsam modernisiert – von der Küche übers Interieur bis zur Speisekarte.

Das Who-is-who der Schwabenküche

Gleich der Auftakt nimmt uns für die neue Linde ein: Das hausgemachte Maultäschle auf Plieninger Linsen mit Rotweinessig abgeschmeckt (6,90 Euro) überzeugt mit zweierlei Hülsenfrüchten in zart säuerlich-cremiger Sauce, gekrönt von knusprigen Röstzwiebeln. Köstlich und sehr hübsch angerichtet. Etwas fade, aber ansonsten ohne Tadel ist der Gaisburger Marsch (Vorspeise 6 Euro, Hauptgang 10,50).

Die Hauptspeisen vereinen das Who-is-who der Schwabenküche vom Rostbraten über Eingemachtes Kalbfleisch bis zu Kutteln. Vegetarier kommen etwa mit gerösteten Perlen aus Hartweizengrieß mit zweierlei Spargel (14,90 Euro) auf ihre Kosten. Und am Nebentisch gehen die aufmerksamen, charmanten Damen vom Service kompetent auf die Wünsche einer allergiegeplagten Dame ein. Wir sind außerordentlich angetan von den geschmorten Kalbsbäckchen mit knackigem Gemüse und Kartoffelpüree (22,90 Euro), allerdings ist die Portion recht übersichtlich. Buttrig, aber nicht fettig erfreut uns das zarte Wiener Schnitzel mit sehr anständigem Kartoffel-Gurkensalat (22,90 Euro). Dazu schmecken die empfohlenen Rotweine vom Collegium Wirtemberg und von Wöhrwag ausgezeichnet.

Die Linde bleibt eine Institution – auch ohne Glamour

Die Käsevariation von kleinen Molkereien (12,90 Euro) entpuppt sich auf Nachfrage als Auswahl französischer Sorten – die Regionallieferanten sind leider ausgefallen. Positiv beeindruckt uns das herbfruchtige Orangen-Relish dazu. Genauso wie das raffiniert zitronige Grießflammeri auf Rhabarberragout und der himmlische Ofenschlupfer, zu dem Trautweins ein tolles hausgemachtes Vanilleeis servieren (je 7,90 Euro). Am Ende finden wir: Die Linde bleibt eine Institution feiner schwäbischer Küche. Einzig der Glamourfaktor hat abgenommen. Aber das schadet ja nicht.

Die Bewertung:

Küche ****

Service ****

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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