Lokaltermin: Platzhirsch in Böblingen In der Braustube ist das Niveau wieder bürgerlich

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Bodenständige Wirtsleute haben die Gaststätte der Schönbuchbrauerei in Böblingen übernommen. Monika und André Jordan bleiben bei ihrem schon in Altdorf bewährtem Konzept.

  Foto: factum/Granville
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Stuttgart - Während zuletzt ein Hauch von Haute Cuisine durch den Platzhirsch zog, weht nun wieder ein gutbürgerlicher Wind. André und Monika Jordan haben im September das Restaurant am Stammsitz der Schönbuchbrauerei in Böblingen übernommen. Mit dem Wirtspaar, das zuvor fast 20 Jahre lang im 4500 Einwohner zählenden Altdorf das Gasthaus „Zur Sonne“ führte, kehrt die Bodenständigkeit an den Postplatz zurück. Mit einem Pop-Up-Lokal hatten die Gourmetköche von der Stuttgarter Speisemeisterei im vergangenen Winter ein spannendes Intermezzo an der Adresse gegeben. Zuvor hatte der in Sterne-Restaurants ausgebildete Wolfgang Beer dort neben Kässpätzle auch gegrillten Saibling serviert. Aber der junge Bayer gab nach rund einem Jahr im vergangenen Herbst aus persönlichen Gründen den Platzhirsch auf.

Stammgäste folgten dem Wirtspaar

André Jordan bleibt bei seinem bewährten Konzept: Klassische schwäbische Gerichte kommen im Platzhirsch auf den Tisch – von der Maultaschensuppe (vier Euro) bis zu den Kässpätzle (9,50 Euro). Ausländischer als Räucherlachs und Rösti mit Salat (13,50 Euro) oder Wiener Schnitzel vom Kalb mit Pommes wird es bei ihm nicht. Dafür räumt er auch selten gewordenen Innereien wie saure Nierle oder Kutteln ihren Platz auf der Speisekarte ein. Es ist ein wenig, als würde die Oma kochen: Wer damit aufgewachsen ist, liebt es, wer etwas herumgekommen ist, kommt nicht ganz auf seinen Geschmack.

Das fängt bei den Maulaschen aus der Suppe an, deren Teig einfach zu dick und grob geraten ist. André Jordans Spätzle sind sicherlich hausgemacht, aber von der ganz weichen Sorte. Der schwäbische Rostbraten mit Bratkartoffeln (21,50 Euro) ist gut durch, aber nicht zäh und macht ordentlich satt. Für den Altdorfer Teller (22,90 Euro) mit Schweinefilet und durch einen Haufen in Butter geschmelzte Semmelbrösel angereicherte Spätzle gilt das gleiche. Die immerhin nicht aus der Dose stammenden, aber leicht verschrumpelten Pilze und die farblich unattraktive Bratensoße sind Lichtjahre von der Optik einer ­Küche wie der Speisemeisterei entfernt.

„Wir wurden fast überrannt“, berichtet Monika Jordan von ihren Anfängen im Platzhirsch. Viele Stammgäste folgten der Hotelfachwirtin und ihrem Mann, und die Böblinger zieht es nach der langen Schließzeit auch wieder in ihr Stammlokal. Die Bodenständigkeit passt gut zum Bier, von dem immer vier frisch im Ausschank sind. Und die Weinmanufaktur Untertürkheim sorgt für ansprechende Alternativen. Im Lokal selbst hat sich durch den Pächterwechsel fast nichts verändert – der mit Holz vertäfelte Gastraum strahlt eine zeitlose Gemütlichkeit aus. An die Theke haben die Jordans nur einen Tresen angebaut und drei Barhocker dazu gestellt, um die Wartezeit für ihre Gäste angenehmer zu gestalten.


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