Lokaltermin: Primafila Einfach essen, ganz ohne Chichi

Von Anja Wasserbäch 

Das Primafila im Stuttgarter Westen hat einen neuen Pächter. Der ist stadtbekannt und bietet italienische Klassiker an.

Maurizio und Senel Olivieri machen Lust auf Italien. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Maurizio und Senel Olivieri machen Lust auf Italien. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Würde man die wichtigsten Stationen von Maurizio Olivieri in einem Stadtplan von Stuttgart verorten, kämen doch ein paar Punkte zusammen. Am bekanntesten wurde er mit dem Come Prima in der Steinstraße, das er 26 Jahre betrieb. Dazu kamen das Pane e Vino nebenan, seine Bar E Tabacchi gegenüber (heute Kostbar) und die Bar Piano Mo in der Eberhardpassage.

Nach acht Jahren Mallorca kam er dann zurück und kümmerte sich mit seiner Frau um das Clubrestaurant Weißenhof. „Das war aber schwierig und hat nicht gepasst“, sagt Olivieri. Und so pachtete er im März 2016 vom Gastwirt Luigi Aracri, mit dessen Lokalen man ebenfallseinige Punkte auf dem Stuttgart Stadtplan verzeichnen könnte (etwa Fellini, La Commedia, Amici), das Primafila im Stuttgarter Westen.

Die Karte bietet vor allem Klassiker

Die Trattoria sticht schon optisch aus den Prachtbauten der Augustenstraße heraus. Anthrazit ist die Fassade, bodentief sind die Fenster. Schöne, extrem große Ufo-Lampen sorgen für ein angenehmes Licht. Die Fotografien an den Wänden erzählen von der Sehnsucht nach Italien. Und jene wird auf den Tellern gestillt. Die Karte des Primafilas bietet vor allem Klassiker der italienischen Küche: Rindfleisch-Carpaccio, Bruschetta, Vitello Tonnato oder auch Insalata caprese, also Tomate-Mozzarella, als Vorspeisen. Dazu kommen unter anderem Spaghetti Pomodoro, Spaghetti Aglio Olio e Peperoncino, ein paar Fisch-und Fleischgerichte – und man darf nicht vergessen, dass das Primafila auch eine gute Pizzeria ist.

Heute aber dürfen es andere, etwas ausgefallenere Speisen sein: Melanzane­ (8,80 Euro) etwa. Der Auberginenauflauf ist geschmacklich topp, das Gemüse zwischen der Tomatensoße sehr gut durchgebraten und nicht zäh, was ja häufig schief gehen kann. Der grüne Spargel (12,50 Euro) ist gegrillt und wird mit luftgetrocknetem Schweinehals-Schinken serviert. Das ist qualitativ wirklich erste Sahne, da lenkt kein Chichi ab, keine Balsamicoessenz oder ähnliche Spielereien.

Nichts lenkt ab von der Qualität der Produkte

Diese Lust am Puren merkt man auch bei den Hauptgerichten. Die Tortelloni gefüllt mit Radicchio und Gorgonzola sind leider aus, dafür gibt es hausgemachte Ravioli mit Spinat und Ricotta (10,90 Euro) gefüllt, die auf einer sämigen, sehr schmackhaften Salbeibutter liegen. Ein wunderbarer Ersatz­! Das Bistecca di manzo (19,50 Euro) ist eine Wucht. Das Fleisch vom Grill, Rinderrostbraten wird es auf der Karte übersetzt, ist innen schön blutig-rot, dazu gibt es ein cremig-feines Selleriepüree. Auch hier zieht sich die Linie des Kochs Daniele Artis durch: Rein gar nichts lenkt ab von der guten­ Qualität der Produkte. Wie schade, dass wir zum Dessert keinen italienischen Klassiker (es gibt Panna Cotta und Tiramisu) mehr schaffen.

Die Bewertung

Küche ***

Service **

Ambiente ****

****** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Adresse: Primafila, Augustenstraße 70, 70178 Stuttgart, Telefon 07 11 / 34 22 88 77, www.primafila.de

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 17.30 bis 23 Uhr, samstags von 17.30 bis 23 Uhr, sonntags geschlossen.

Extras: Es gibt einen Raucherraum – was bei Nichtrauchern nicht so gut ankommt. Gäste aus dem benachbarten Merlin können sich etwas bestellen und mitnehmen.

Anfahrt: Mit dem Bus bis zur Haltestelle Schwab-/Reinsburgstraße, mit der S-Bahn bis Schwabstraße. Für Autofahrer: Freie Parkplätze sind im Westen eine Seltenheit.