Lokaltermin: Schubart-Stube Der Adler ist noch nicht gelandet

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Historisches Terrain und gewichtiger gastronomischer Hintergrund – dennoch ist unser Autor Matthias Ring mit der Schubart-Stube auf dem Hohenasperg nicht recht glücklich geworden.

Historisches Ambiente, neue Einrichtung: die Schubart-Stube Foto: factum/Weise
Historisches Ambiente, neue Einrichtung: die Schubart-Stube Foto: factum/Weise

Stuttgart - Wenn man zwischen diffus beleuchteten Mauern in die alte Festungsanlage einsteigt, kann einem schon ein wenig mulmig werden. Denn an dem geschichtsträchtigen Ort befindet sich das einzige Justizvollzugskrankenhaus Baden-Württembergs, in dem sowohl in juristischer als auch medizinischer Hinsicht so manch schwerer Fall steckt. Aber da der Hohenasperg im Kreis Ludwigsburg auch ein beliebtes Ausflugsziel ist und vergangenes Jahr die Familie Ottenbacher den Zuschlag vom Land für die Pacht der Schubart-Stube dort oben bekommen hat, sind die Erwartungen ebenso hoch wie die Lage. Schließlich ist Christian Ottenbacher auch Geschäftsführer des Hotels Adler Asperg mit dem Sternerestaurant Schwabenstube.

Natürlich darf man in der rustikalen Schubart-Stube nicht mit Sterne-Niveau rechnen, aber mit einer „guten Küche mit hervorragenden schwäbischen Gerichten und heimischen Weinen zu fairen und moderaten Preisen“, wie es auf der Homepage heißt. Die Preise stimmen, die Weine sind okay, wenngleich die Flaschenweine lohnender sind als die offen ausgeschenkten von den Heuchelberg Weingärtnern. Bei der Qualität der Gerichte aber kam uns das Gefälle zwischen Stammhaus und Schubart-Stube einfach zu groß vor.

Optisch wie geschmacklich blass

So richtig hat uns nichts überzeugt: Bei der Karotten-Orangensuppe (5,50 Euro) fehlte die Würze, bei den darin schwimmenden Krüstchen der Biss. Die Füllung der geschmelzten Maultaschen (9,80 Euro) war zwar fluffig, der Teig aber zu fest, der dazu gereichte Kartoffelsalat war optisch wie geschmacklich blass. Die in Lemberger geschmorte Rinderroulade (15 Euro) war kompakt mit viel Schinkenspeck gefüllt, Teile davon waren kalt. Auch Bratkartoffeln kann man liebevoller zubereiten und weniger salzen. Das Dessert schließlich sollte ein dunkles Schokoladenmousse (5,80 Euro) sein, war aber so hell und süß, dass selbst das beigegebene Rhabarberkompott dies nicht ausgleichen konnte. Es musste improvisiert werden, wie wir im Nachhinein vom Service erfahren haben sowie übrigens die Hauptgerichte schon an den Tisch kamen, als die Suppe noch nicht ausgelöffelt war.

An Ostern eröffnet der Biergarten

Am Telefon haben wir Christian Ottenbacher unsere Enttäuschung über die Küche vorgetragen. Er war überrascht, denn die neue Schubart-Stube werde gut angenommen. Betrachten wir unseren Abend also mal als vorübergehende Irritation, haben doch die Ottenbachers seit vier Generationen Erfahrung in der Gastronomie und wissen, wie es (besser) geht. In dem denkmalgeschützten Haus wurden die Gasträume, die mit einer Wendeltreppe verbunden sind, behutsam renoviert und 90 000 Euro in eine neue Küche investiert, für die einiges unten im Adler vorbereitet wird. Umso mehr erwarten wir „hervorragende schwäbische Gerichte“ wie wir sie aus einfachen Weinstuben kennen – und empfehlen vorerst nur einen Besuch des aussichtsreichen Biergartens, der an Ostern eröffnet wird.

Schubart-Stube
Schubartstraße 20, Asperg, Telefon 0 71 41 / 26 60 75, www.schubart-stube.de, Mittwoch bis Samstag 17 bis 24 Uhr, Sonntag 11 bis 20 Uhr

Die Bewertung

Küche **

Service **

Ambiente ***

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, * = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.